Fünf Freunde auf Odyssee

Da standen wir also, Linda, Lucia, Nina, Rebecca und ich, Anna. Freitagmorgen, unter der Byebye-Bar am Flughafen Zürich, ready to take off. Eigentlich hätten wir Nina hier das grosse Geheimnis verraten sollen: die Destination. Schliesslich war dies ihr Hochzeitsgeschenk – da wir es nicht fertig gebracht hatten, ihr eine Bacheloretteparty zu schmeissen, wollten wir sie ordentlich zu einer Wochenendreise einladen… dass diese nun über ein Jahr nach der Hochzeit stattfand, ist wieder eine andere Geschichte. Nina wusste zu diesem Zeitpunkt aber schon seit geschlagenen fünf Minuten(!), wohin wir sie entführen wollten, weil sich jemand (nicht ich, ausnahmsweise) im gemeinsamen Chat verplappert hatte. Wir hatten uns grosse Mühe gegeben, Nina keine Hinweise auf die Destination zu liefern und waren bemüht, sogar Wetterberichte ohne Stadtnamen zu verschicken… Auch Nina hatte sich dann grosse Mühe gegeben, beim Morgenkaffee vor mir zu verheimlichen, dass sie die verräterische Nachricht schon gelesen hatte und somit die Destination bereits kannte. Nun denn: Sarajevo in Bosnien-Herzegovina war unser Ziel.

Unsere ersten gemeinsamen Stunden verliefen wunderbar reibungslos, alle durften boarden, und Umsteigen in Ljubljana war auch ein Leichtes. Vor dem kleinen Flughafen von Sarajevo fanden wir auch schnell zwei Taxis, die uns für lockere 60 km (nicht Kilometer, sondern konvertible Mark) zu unserem Guesthouse brachten. Natürlich wollten wir zuerst etwas zwischen die Zähne kriegen und steuerten ein Restaurant an, das uns für seine Cevapcici-Spezialität empfohlen worden war. Während des Kauens grinste uns Linda plötzlich verdächtig hysterisch an und sagte – immer noch grinsend: «Das ist jetzt kein Witz, imfal. Aber unser Rückflug wurde soeben storniert.» Wir sollten uns – natürlich telefonisch – bei der Airline (Adria Airways) melden. Macht man immer gerne im Ausland, ist ja so besonders günstig. Meiner momentan arbeitslosen Seele setzte die Lage nicht besonders zu, den Nicht-Arbeitslosen unter uns (also alle anderen), kam die Stornierung eher ungelegen, war die Chance doch gross, dass wir es nicht wie geplant am Sonntagabend zurückschaffen würden.

Wir versuchen also, uns erst einmal nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und den Tag zu geniessen, indem wir durch die Strässchen schlenderten und bei Džirlo bosnischen Kaffee und fruchtige Sirups tranken. Der Gastgeber des Teehauses, das auf TripAdvisor übrigens die Nr. 1 der sarajevischen Cafés ist, ist ein wunderbar inspirierender Lebemann, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und eine beruhigende innere Zufriedenheit versprüht. Die wahre Entschleunigung.

Der Blick vom Džirlo aus

Am Abend versuchte Linda vom Festnetz unserer Unterkunft (von lieben Menschen geführt), die von Adria angegebene Nummer für Hilfe bei Flugstornierungen anzurufen. Nach zehn Minuten in der Warteschlange, wurde das aber auch schon zu teuer (und zu blöde) und sie schrieb eine E-Mail. Gemäss Webseite war die Hotline zudem nur Montag bis Freitag besetzt. Wir hofften allerdings, dass sich Adria trotzdem am Wochenende dazu herunter lassen würde, uns zu kontaktieren, um uns einen alternativen Heimflug anzubieten.

Wir genossen den Freitagabend und Samstag so gut es ging. Sarajevo ist ein wahres Schmuckstück, eine bezaubernde Stadt mit herrlichem Kaffee und süssen kleinen Läden.

Sarajevo

Am Samstag fuhren wir mit der Seilbahn auf den Trebević, ein Berg, von dem man über die ganze Stadt blicken konnte, spazierten etwas in der Sonne und bestaunten die Überreste der Bob- und Rodelbahn, die für die Winterspiele 1984 errichtet worden war. Am späteren Nachmittag diskutierten wir einmal mehr, ob wir vielleicht zum Flughafen fahren sollten, in der Hoffnung, jemanden von Adria anzutreffen und einen Rückflug buchen zu können. Ein Teil der Chicas setzte sich zum Drink in eine Bar, Lucia und ich machten uns auf zum Guesthouse, um unsere Pässe zu holen, da wir diese – im Falle eines positiven Ausgangs am Flughafen – ja wohl brauchen würden. Im Guesthouse angekommen, versuchten wir es allerdings nochmals telefonisch bei der Fluggesellschaft. Sogar die Besitzerin telefonierte für uns herum, da Bosnisch leider nicht in unserem Repertoire ist.

Las chicas en la Bobbahn

Es verging fast eine Stunde bis uns klar wurde, dass auch eine Fahrt zum Flughafen nichts an unserem Problem lösen würde. Adria Airways war nicht zu erreichen – schon gar nicht am Wochenende. Wir setzten uns zu den anderen in die Bar, wo wir dank Rebecca noch Gratisshots vom Lebemann abstaubten (sein Café war direkt gegenüber und man kannte sich hier gut in der Strasse).

Am Sonntag machten wir uns schon am Vormittag auf zum Flughafen. Unser Flug wäre theoretisch um 15 Uhr gewesen, aber vielleicht gab es ja frühere Möglichkeiten, nachhause zu kommen …

… Ähm. Nope.

Von Adria Airways war am Flughafen niemand anzutreffen. Ein Swiss-Mitarbeiter, den wir vor den leeren Airline-Büros abpassten, informierte uns, dass auch ihre Flüge überbucht waren und er bereits versuchte, die «überbuchten» Swiss-Gäste nachhause zu fliegen. Bis am Dienstag seien die Chancen sehr gering, überhaupt aus Sarajevo rauszukommen. Egal in welche Richtung. Einige der Chicas hatten bereits vorgängig andere Möglichkeiten geprüft, nachhause zu kommen. Zum Beispiel gab es von Split aus noch einen Flug. Und Split war ja nur etwa fünf Autostunden von Sarajevo entfernt. Da der Bus bereits weg war, blieb nur noch ein Mietauto. Während zwei Chicas den Flug um 19 Uhr buchten, reservierten die anderen ein Mietauto. Wir waren sehr darauf bedacht, beides gleichzeitig zu machen, denn ein Mietauto ohne Flug, würde uns auch nicht weiterhelfen.

Theoretisch hätte ich ja auch noch länger in Sarajevo bleiben können, aber einen Roadtrip verpassen? Ich glaube nicht.

Wir fuhren also fünf Stunden von Sarajevo durch die Berge nach Split. Ein herzliches Dankeschön an die drei Fahrerinnen, die uns durch einige Vollbremsen von Unfällen mit wahnsinnigen, uns entgegenkommenden Überholmanöver-Fahrern bewahrten. Danke! Würkli!

Gegen 17 Uhr erreichten wir Split. Ein wunderschöner Flughafen, ich sags euch! Ganz neu. Ich war schon ganz begeistert und freute mich, dass wir bald in einem Flieger nachhause sitzen würden. Auto abgegeben, in die Check-in-Halle eingetreten, auf die grosse Abflug-Anzeige gestarrt… Da fehlt ein Flug. Der Flug um 19 Uhr nach Zürich, der steht nicht auf der Tafel. Noch einmal in die Buchungsmail geschaut: Da steht «Edelweiss, Zürich nach Split». Nicht Split nach Zürich. Irgendwie konnte ich nicht aufhören zu lachen und auch den anderen Chicas stand die grinsende Hysterie ins Gesicht geschrieben. Filmreif. Warum dies passiert war, war allerdings schnell klar: Auf der Edelweiss-Webseite kann man nur Flüge ab Zürich buchen. Alle Flüge mit anderen Abflugflughäfen müssen über die Swiss-Webseite gebucht werden und die Freude über den Nachhauseflug war so gross, dass die Richtung nicht allzu genau überprüft wurde. Immerhin konnten wir die Plätze innerhalb kürzester Zeit noch gebührenfrei stornieren. Und: Es gab tatsächlich noch einen Flug nach Zürich, um 21 Uhr. Online wies der aber nur noch zwei Plätze in der Business-Class auf. Wir hofften, jemanden zu finden, der uns vielleicht noch reinschmuggeln würde, aber auch hier galt die Regel: Mitarbeiter der Edelweiss würden frühestens zwei Stunden vor dem Flug auftauchen, bis dahin blieb uns nur warten übrig. Wir gönnten uns also ein Abendessen und beschlossen das weitere Vorgehen: Linda buchte einen Flug ab Split am Montagabend und ich schloss mich ihr an. Eine Zweistädtereise an einem Wochenende? Warum nicht. Rebecca und Nina buchten die Business-Class-Tickets und Lucia pokerte, in der Hoffnung auf No-Shows oder eine andere Möglichkeit, das Flugzeug um 21 Uhr zu boarden.

Linda und ich machten uns schon einmal auf den Weg in die Stadt. Mit einem Bus. Der plötzlich an einem ziemlich verlassenen Mini-Bahnhof hielt und der Fahrer auf die Gleise zeigte und einfach nur «Der Bus hält hier, nehmen Sie den Zug» sagte. Oder eher: «Tren. You take tren. 20 minutes. Go! GO!» Ausnahmslos alle Buspassagiere schauten verwirrt. Wir wussten auch nicht, ob der Zug in 20 Minuten losfahren würde oder 20 Minuten ins Zentrum hatte… Aber nun gut, warum nicht. Dann hatten wir heute einmal (fast) alle motorisierten Fortbewegungsarten durchgemacht – ausser das Flugzeug. Das einzige, das wir wirklich wollten.

Linda und ich hatten uns unterdessen damit abgefunden, einen Tag festzusitzen und feierten sogar die Zugfahrt in der kleinen Zugkomposition. Am Zielbahnhof angekommen, suchten wir WLAN und buchten ein Zimmer für drei Leute – die Spannung hat hier ein Ende: Vor Lucia warteten noch vier weitere Leute auf No-Shows, sie würde also in Kürze zu uns stossen und dann ebenfalls am Montagabend fliegen.

Wir genossen unsere Zeit in Split: gutes Essen, Cocktails in einer Rooftop-Bar, Gratis-Städtetour, Shopping, nettes Airbnb… Und tatsächlich boardeten wir am Montagabend den Flieger nach Zürich. Wuhu!

Danke euch, Chicas, für ein abenteuerreiches, tolles Wochenende!

Übrigens: Natürlich versuchten wir von Adria noch Geld zurückzukriegen über das Online-Formular für solche Angelegenheiten. Schliesslich hatten wir einiges an Mehrkosten tragen müssen und mindestens das Geld für den nicht durchgeführten Flug wollten wir zurückhaben. Unterdessen, etwa acht Wochen nach dem Flug, hat die Adria Airways allerdings Konkurs angemeldet und somit kann uns auch keine Versicherung mehr helfen, das Geld zurückzukriegen. Bye bye money…

Salt-Flats-Tour

Erster Halt in Bolivien: Tupiza. Hier wollte ich eine viertägige Tour buchen, die mich durch die Wüstenlandschaft im westlichen Bolivien, über die Salt Flats von Uyuni, und dann auch direkt nach San Pedro de Atacama in Chile bringen würde. Natürlich hatte ich die Rechnung ohne die Nebensaison gemacht. Mit Peter und Sandrine, einer Belgierin, die wir im Hostel kennengelernt hatten, klapperte ich die Agenturen ab. (Wir waren auch noch auf der Suche nach Ausritten zu Pferd.) Alle erklärten mir dasselbe: Die Nachfrage nach Touren, die in San Pedro enden, ist zu gering, ABER wir können dir diese Tour (15 Minuten Erklärung) mit Ende in Uyuni empfehlen, von Uyuni gibt es dann einen Bus (oder ein doppelt so teures Shuttle), der dich über die Grenze bringt. Mit einem flauen Gefühl im Bauch, buchte ich die Tour über unser Hostel (nachdem ich mir den – immer gleichen – Tourbeschrieb von vier unterschiedlichen Agenturen geduldig angehört hatte). Normalerweise wäre dies alles kein Problem gewesen und unter normalen Umständen wäre ich danach wahrscheinlich in Bolivien geblieben und rumgereist, aber ich hatte vor ein paar Wochen zugesagt, mich in Santiago mit Diego (aus Brasilien) und José (aus Santiago) zu treffen, die ich in Buenos Aires kennengelernt hatte. Damals klang das noch völlig harmlos, stellte mich aber jetzt tatsächlich vor das Problem, dass ich zeitlich eingeschränkt war. Und das wiederum brachte mich etwas aus der Ruhe.

Um auf andere Gedanken zu kommen, gönnten wir uns am Nachmittag einen dreistündigen Ausritt zu Pferd. Es war herrlich! Ich fühlte mich wie in einem Western. Wir ritten vorbei an der Puerta del Diablo (ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Puertas und Gargantas del Diablo es in Südamerika gibt) bis hin zum Cañon del Inca, der gemäss unserem Tourguide eigentlich einfach ein Canyon war, bis ihm jemand einen netten Namen für die Touristen gab.

Puerta del Diablo
Ziegen im Inca-Canyon
Gaucho Peter

Am nächsten Morgen (es war Mittwoch, wenn ich mich richtig erinnere) ging die Salt-Flats-Tour für mich schon um 7 Uhr los. Oder um 7.30 Uhr. Eigentlich noch später. Mir wurde am Abend davor nämlich gesagt, die Tour starte um 7 Uhr und wir würden in den Bergen frühstücken. Am Morgen hiess es dann aber, dass wir im Hostel frühstücken (trockenes Brot und Milch mit Kaffeearoma) und dann um 7.30 Uhr losfahren würden. (Oder dann, wann auch immer das Auto kommen würde.) Meine ursprüngliche Besorgtheit, dass diese Tour vielleicht nur ältere Menschen machten, löste sich schnell in Luft auf, als ich meine vier Mittourer kennenlernte: Mit sechs Jahren Abstand war ich die Älteste der Truppe… Zeit, sich alt zu fühlen.

Die vier Tage vergingen wie im Flug! Die Nächte nicht unbedingt. Meine erste Nacht auf über 4000 Metern und bei etwa –12° C gestaltete sich als eher schwierig. Ich schlief keine zwei Stunden. Aber was will ich mich beklagen. Der Tag davor und die Tage danach waren herrlich: Wir fuhren durch traumhafte Landschaften, hatten einen begnadeten Fahrer, der sich Mühe gab, als Erster an den Aussichtspunkten anzukommen (oder sogar etwas abseits hielt, damit wir nicht dauernd andere Touristen im Blick hatten…), assen an spektakulären Orten zu Mittag, badeten in natürlichen Thermen, machten mysteriöse Fotos von und vor Geysiren, spielten Karten, tranken Wein (sehr grässlichen Wein, dennoch ein herzliches Dankeschön an die drei Jungs auf der Tour, dass ihr uns mit Schokolade und Alkohol versorgt habt) und trotzten Wind und Kälte, um auf dem Salar de Uyuni Sonnenunter- und Sonnenaufgang sowie den unbeschreiblich klaren Sternenhimmel zu sehen.

Laguna Colorado
Mittagessen in der Ciudad del Encanto
Copa del Mundo (von hinten 🤷🏻‍♀️)
Salar de Uyuni

Die Tour war wirklich ein Erfolg, und wenn ihr die Möglichkeit habt, eine solche Tour zu machen, tut es. Am besten von Tupiza aus, das gibt einen Tag mehr herrliche Landschaft… Der «Umweg» hatte sich für mich wirklich mehr als gelohnt!

In Uyuni angekommen, suchte sich jeder ein Ticket nach wohin auch immer er oder sie gehen wollte. Ich entschied mich, nach Calama in Chile zu fahren und dann dort einen Bus zu suchen, der mich direkt weiter nach Antofagasta bringen würde, wo ich drei Tage bleiben wollte. San Pedro de Atacama wäre ein zu grosser Umweg (von Calama aus nochmal drei Stunden und dann wieder zurück, zudem müsste man hier noch einmal ein paar Tage Touren einplanen) und ich hatte genug von der kalten Wüste gesehen. (Auch Antofagasta liegt in der Wüste, aber da gibt es auch Meer. Und Wärme. Juhuu!) See you there!

Auf nach Bolivien!

Als wir am Samstagmorgen nach Tupiza aufbrachen, bemerkten wir, dass das Geräusch im rechten Vorderrad lauter geworden war. Beunruhigend laut. Wir entschieden uns also, einen Mechaniker aufzusuchen. Die beiden Männer, die wir im Geschäft des Mechanikers antrafen, waren aber irgendwie beide nicht der Mechaniker selbst. Netterweise eskortierte uns einer davon aber zu einem anderen Mechaniker, weil der eigentliche Mechaniker unauffindbar war. Das heisst, wir fanden schliesslich drei (andere) Mechaniker vor, die zwischen drei Autos hin und her wechselten – jeder schaute und hämmerte ein bisschen. Mitten auf der staubigen Strasse. Sie schauten sich auch unser Rad an und machten eine Probefahrt. Nach etwa 20 Minuten warten und ganz knapp bevor sie das Rad abschrauben wollten, flüchteten wir fuhren wir aber weiter. Peter war es nicht geheuer, dass sein Auto hier in der Seitengasse ein Rad verlieren könnte, das vielleicht nie mehr montiert werden würde… Direkt nach der Grenze in Bolivien wollte er sowieso neue Pneus kaufen, und hoffte, dass ihm da auch mit einem neuen Radlager geholfen werden könnte. Die Fahrt war – zumindest für Peter – alles andere als entspannend. Die Angst, dass unterwegs etwas passieren könnte, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Ich hingegen genoss die Aussicht – ich konnte ja nichts an der Situation ändern…

Vertrauenswürdiges Ersatzteillager

Nach einer knappen Stunde Fahrt hielten wir in Abra Pampa, der einzigen etwas grösseren Stadt zwischen Humahuaca und der Grenze. Da uns langsam die Pesos ausgingen, kauften wir uns Brot und Aufschnitt in einem herzigen Lädeli. Eine der Verkäuferinnen strahlte übers ganze Gesicht, als sie uns sagte, dass sie ein bisschen Englisch spricht. Es schienen nicht viele Touristen in diesem Städtchen zu halten.

Picknick in Abra Pampa

Dann ging es weiter zur Grenze. Wir waren uns zuerst nicht sicher, ob wir direkt nach Bolivien sollten oder noch einen Tag warten. Unterwegs hatten wir nämlich festgestellt, dass die Mechaniker am Samstagnachmittag nicht arbeiteten und wir sowieso ziemlich sicher bis am Montag an der Grenze festsitzen würden… Online liest man zudem, die argentinische Seite sei die hübschere, um festzusitzen. Nach 30 Sekunden Beratung entschieden wir uns nach Bolivien zu fahren. Es war nicht ganz klar, ob alle nötigen Dokumente für das Auto vorhanden waren, um die Grenze zu überqueren… Also würden wir es besser mal versuchen, damit wir notfalls einen zweiten Anlauf am Sonntag wagen konnten.

Willkommen bei meiner ersten Grenzüberschreitung per Landweg in Südamerika. Wie man sich das vorstellt, war es alles andere als eindeutig, wo wir uns anstellen mussten. Schilder fehlten und (glücklicherweise, eigentlich) auch Autos, denen wir nachfahren konnten. Wir fuhren also einfach an ein paar geparkten Bussen vorbei und wurden von Zollbeamten zu einem Fenster auf der rechten Seite verwiesen: Migration. Da war natürlich niemand. Geduld ist eine Tugend.

Nach ein paar Minuten schlenderte ein Beamter zum Fenster, musterte uns und unsere Pässe ausgiebig, drückte uns einen Zettel mit Stempel in die Hand (kein Stempel im Pass, sniff), und schickte uns über die Strasse zum Zoll. Da wurden die Autodokumente studiert und mit einen Stempel verschönert. Dann wurden wir wieder auf die andere Seite geschickt, zu einem weiteren Schalter. Hier wurden nochmals die Autounterlagen gesichtet und tatsächlich schien etwas zu fehlen. Der Beamte versuchte uns zu erklären, was fehlte. Er wollte uns wegschicken, denn es sei nicht erlaubt, das Auto nach Bolivien zu überführen. Dank unserem schlechten Spanisch gab er seine Erklärungsversuche aber nach ein paar Minuten auf, wurschtelte irgendetwas am Computer, drückte uns einen gestempelten Zettel in die Hand, sagte: «It’s okay. Go.», und wedelte Richtung Bolivien. Puh! Besser gehen, bevor er es sich anders überlegt!

Wir checkten in Villazón ins günstigste Hotel ein und erkundeten die Stadt. Im Park sahen wir die Flaggen von Bolivien und Argentinien gehisst, darunter standen ein paar uniformierte Menschen. Die argentinische Hymne wurde gesungen. Sowohl von den uniformierten wie auch anderen Anwesenden. Alle standen still. Auch wir. Aber erst, nachdem wir von einem älteren Popcorn-Verkäufer darauf aufmerksam gemacht wurden, dass wir die Hymne respektieren und ebenfalls still stehen müssen. Natürlich, es war der 25. Mai, der Nationalfeiertag Argentiniens. Offenbar wird dieser auch an der Grenze in Bolivien gefeiert.

Villazón ist eine Stadt voller Märkte. Überall werden Waren angeboten und wahrscheinlich hauptsächlich an shoppingwütige Argentinier verkauft. Es ist mir ein Rätsel, wie die hundert Verkäufer von Thermoshirts und die zweihundert Verkäuferinnen von Toilettenartikeln überleben… Es fiel mir auch auf, dass zwar viele Touristen durch Villazón fuhren, aber nicht viele hielten. Auf den Märkten waren wir eine Seltenheit. So wurden wir von einem Unbekannten auf Englisch angesprochen. Einfach nur, weil es ihn interessiert, woher wir kamen – oder eher, weil er sein Englisch vorführen wollte. Ich wurde auch ganz selbstlos von einer kleinen Verkäuferin umarmt, deren Tochter danach um Geld bettelte; und ein junger Mann versuchte bei Peter seinen Freund gegen mich einzutauschen. (Hat nicht funktioniert, imfal.)

Muttertagskuchen

Am Montag starteten wir dann schon um 7 Uhr unsere Mechanikertour. Peter wollte unbedingt der Erste sein. (Wir hatten am Sonntagabend noch zwei Deutsche kennengelernt, die ihren Van flicken lassen mussten…) Eine gute Stunde sassen wir im Auto und warteten auf den Mechaniker… bis Peter entschied, etwas in der Weltgeschichte herumzufahren und wir per Zufall einen Mechaniker fanden, der eine echte Garage hatte (und nicht nur eine staubige Seitenstrasse). Drei Stunden verbrachte Peter mit dem Mechaniker, der die ganze Stadt abklapperte, um Ersatzteile zu finden. Ich vertrieb mir bisweilen die Zeit in meinem Lieblingscafé. Nachdem der Mechaniker alle Ersatzteile aufgetrieben hatte, ging es weitere vier Stunden (Siesta eingerechnet) bis wir das Auto zurückkriegten. Wir hielten es nicht für möglich, aber um 15 Uhr waren wir startklar und fuhren weiter nach Tupiza! Juhu!

(Der grösste Teil dieses Blogs schrieb ich am 26. Mai in Villazón, unterdessen ist aber das Tablet abgelegen und ich versuche auf dem Handy zu bloggen – the struggle is real!)

Von A nach B über C, D und vielleicht auch E

Das mehr oder weniger planlose Reisen gefällt mir wunderbar. Man geht einfach mit dem Flow. Anstatt alles schon gebucht zu haben, kann man mitten im Tag seine Meinung und die Route ändern.

Georgia, aus London, hatte uns beim Jenga von Iruya erzählt, diesem Bergdörfchen, das sie unbedingt besuchen wollte. Peter biss an und fand, da würde er auch gerne hinfahren. Ich könne auch mit, wenn ich denn wolle. So sicher war ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aber ich könne mich auch am nächsten Morgen entscheiden.

Nach dem Jenga in der einen Bar (ich verlor drei von sechs Runden, durfte den Titel als Jenga-Queen aber behalten), besuchten wir noch die Bar vom grossen Matthias. Diesmal etwas früher und somit zum richtigen Zeitpunkt: Wir erlebten Matthias in Aktion. Er war zuständig, den Besuchern die einheimische Kultur näher zu bringen. So zeigte er traditionelle Kleidung und spielte diverse Instrumente. Er erklärte uns, dass dies ein Familienbetrieb war und er sein Zimmer nur eine Tür weiter hatte.

Matthias

Nun gut, am nächsten Morgen war ich die Faulheit in Person. Ich war eigentlich schon fest entschlossen noch mindestens einen Tag in Tilcara zu bleiben und meine Jeans zu flicken, die ich ungünstiger Weise zerrissen hatte, stundenlang im hübschen Café mit dem guten Apfelkuchen zu sitzen… da überzeugte mich Georgia, dass ich doch mitkommen soll. Unbedingt. Es ist nicht schwierig, mich zu einem Abenteuer zu überreden, und so packte ich meine Jeans weg, zog meine Wanderhose an, verlor direkt die Hälfte eines Hosenbeins, weil der Reissverschluss kaputt ging, fluchte, zog Strumpfhosen mit Jeansshorts an und war ready to go. Zwei kaputte Hosen in einem Tag? Damit kann ich umgehen. Vor allem bei den eiskalten Temperaturen, die momentan aufgrund des starken Windes herrschten. Kein Problem.

Wir liessen also die Katzen zurück und brachen auf zu Roadtrip-Tag 3. Wir wurden direkt belohnt: Die Szenerie war der Hammer! Die Zeitangaben der Routenplaner war einmal mehr nicht zutreffend, diesmal hielten wir allerdings auch exzessiv häufig für Fotos. Der Weg war nach Iruya war definitiv ein sehr grosser Teil des Ziels!

Der Höhepunkt? Die farbigen Berge, die völlig unerwartet in der Ferne auftauchten und von denen nie jemand spricht (vielleicht die Rückseite von Hornocal?) – und alles, was danach passierte. Auch hier mussten wir wieder eine ziemliche Höhendifferenz auf einer Landstrasse zurücklegen und als wir fast auf dem Gipfel angekommen waren, hielten wir und wanderten über steinige Felder in Richtung der bunten Berge. Zwischen uns und den Bergen lag ein weites Tal. Plötzlich tauchten Hunde auf der Höhe auf. Und Schafe. Und dann sichteten wir sie: eine Hirtin in traditionellen Kleidern. Während die Hunde bellend auf uns zu rasten, wahrte sie Distanz. Wir warteten und näherten uns dann langsam. Georgia studiert Spanisch und spricht wahnsinnig gut, sie begann sich mit der Frau zu unterhalten, die uns erklärte, dass sie gerade ihre Steinschleuder bereitgemacht hatte. Sie mag es nicht, fotografiert zu werden – schon gar nicht ungefragt – und schreckt mit der Schleuder Touristen ab. Da wir aber alle unsere Handys eingesteckt gelassen hatten, sprach sie nun gerne mit uns. Sie erklärte, dass sie mit den Schafen jeden Tag von dem Dorf hinter dem kleinen Hügel über diese Berge wanderte. (Ich bin echt schlecht im Distanzen abschätzen, aber es sah sehr weit weg aus…) Sie lebte schon ihr Leben lang in dieser abgeschiedenen Region, früher hatten sie kein Licht, bis heute verwenden sie das Wasser aus den Bergflüssen und die Kinder reiten zur Schule. Einmal im Monat fahren sie nach Humahuaca mit dem Bus, um die nötigsten Besorgungen zu machen, ab und zu fahren jedoch auch Transporter in die Städtchen. Alles, was nicht Kartoffeln oder Fleisch ist, müssen sie kaufen – auf dieser Höhe und so abgeschieden wächst praktisch nichts. Die Hirtin begleitete uns zurück zum Auto. Peter und ich waren unglaublich froh, dass wir Georgia dabei hatten, ansonsten wäre uns dieser Austausch mit der fröhlichen Einheimischen entgangen.

Iruya ist ein wahnsinnig pittoreskes Dörfchen, eingequetscht in ein schmales Tal, umgeben von zauberhaften Bergen. Wir erreichten es etwa um 16.30 Uhr und mussten mit Schrecken feststellen, dass fast alles geschlossen hatte. Und zwar nicht nur bis 17 Uhr wie in Salta, sondern bis 19 oder sogar 20 Uhr. Gut hatten wir seit dem Frühstück um 9 Uhr nichts mehr gegessen…

Wir spazierten also ein bisschen herum, fanden einen Kiosk mit Bananen und Bier sowie einen Spiel- und Trainingsplatz, der meines Erachtens auf die falsche Seite ausgerichtet worden war: statt mit Sicht auf die Berge, mit Sicht auf die Häuserfassaden. Wer tut so etwas? Wahrscheinlich sahen die Geräte deshalb so heruntergekommen aus, weil niemand ausser ich sie benutzt.

Gutes tun für den Körper

Wir blieben eine Nacht in Iruya, die Landschaft war so eindrücklich, dass wir alle völlig erschöpft waren und uns eine teure Nacht gönnten.

Am nächsten Morgen – wir wollten eigentlich den trockenen Fluss hinunter fahren – liefen wir auf dem Hauptplatz in eine Versammlung. Das heisst: Flaggen wurden gehisst, Schüler lasen Geschichten vor und dann wurde auch tänzerisch etwas dargeboten, von allen Altersklassen.

Nach zwei Stunden Tanz und Gesang, entschieden wir uns gegen die Flussfahrt. Die Rückfahrt von Iruya nach Humahuaca war dann deutlich schneller als die Hinfahrt, wir (und unsere durchgeschüttelten Eingeweide) feierten die Einfahrt auf die Teerstrasse.

Georgias Plan war am Freitag Hornocal zu besuchen und ich hatte mich irgendwo auf der Dirtroad entschieden, am Samstag mit Peter nach Bolivien zu fahren und dann von Tupiza aus eine viertägige Tour mit Ende in San Pedro de Atacama zu machen. Wir waren bereits so nahe an der bolivianischen Grenze, dass es sich irgendwie falsch anfühlte, nach San Pedro (in Chile) zu fahren und von dort aus eine Rundtour zu machen (die durch Bolivien führen würde). Peter war zudem froh, jemanden mitzunehmen, der wenigstens (möglicherweise) verstand, was sie an der Grenze wollten, und ich war und bin auch froh, wenn ich keine Grenzen in einem Nachtbus überqueren muss.

Und. Hallo? Noch kurz einen ungeplanten Abstecher nach Bolivien? Warum nicht…

Auf jeden Fall trafen wir in Humahuaca ein und stolperten in einige Hostels, um nach Vakanzen und Preisen zu fragen. Die Vakanzen waren kein Problem, die meisten gaben zu, dass sie momentan nur ein oder zwei Gäste hatten. Wir schlugen allerdings erst bei einem Hostel zu, dass uns für 250 Pesos pro Nacht inklusive Frühstück unterbringen wollte. Wir kriegten sogar ein Privatzimmer, denn ausser zwei Argentinierinnen war niemand hier…

Am Freitag wollte ich einen Pausentag einlegen, um Wäsche zu waschen und – tatsächlich – zu bloggen. Ich blogge nämlich nicht nur für euch, sondern auch für mich, damit ich das Geschehene Revue passieren lassen kann. Ich glaube, mein Gehirn würde explodieren, wenn ich wie unsere französischen Freunde von Ort zu Ort rennen würde, ohne ab und zu einfach zu ruhen und darüber nachzudenken, was ich alles erlebt hatte.

Und somit sind wir alle wieder up-to-date: Es ist Freitagabend, morgen geht es nach Bolivien, wo ich wahrscheinlich ein paar Tage ohne Internet auskommen muss… Wir hören uns in Chile!

(PS: Peter bat mich, uns auch von seiner tollen Fahrweise und seiner unglaublichen Stärke zu berichten. 500 Push-ups, 250 davon einarmig. Er hat das Auto auch über den Fluss getragen. Entspricht alles der Wahrheit. Ich schwöre!)

Roadtripping

Tag 1, Roadtrip nach Purmamarca

Am Sonntag ging es schon früh los. Das heisst, so ungefähr um 10.30 Uhr. Schliesslich mussten wir zuerst alle noch erwachen und frühstücken und die Roadtrip-Teilnehmer wurden neu gemischt. Das heisst: Peter fuhr definitiv mit seinem Auto mit, Willem wollte auch mitkommen, und da das Mietauto der Franzosen relativ klein war, gönnte ich mir den Luxus, bei Peter mitzufahren (was zu guter Letzt auch einiges günstiger ausfiel, da er nur eine Beteiligung an den Benzinkosten wünschte und ich mir somit die Miete sparte). Den Franzosen war das auch recht. Als wir endlich alle ready to go bei den Autos standen – es sind nicht die Frauen, die lange brauchen, um fertig zu werden –, fiel ihnen allerdings ein, dass sie ja Franzosen waren und deshalb noch Croissants brauchten, ansonsten würden sie die knapp dreistündige Fahrt nach Purmamarca nicht überstehen. Oh. Und Geld. Lasst uns doch mal einen ATM suchen… Nach ein paar Wochen in Argentinien bin ich schon sehr viel geduldiger geworden, meine Toleranz beschränkt sich allerdings auf Südamerikaner, auf Europäer warte ich immer noch nicht gerne.

Die Fahrt nach Purmamarca führte uns vorbei an Quebradas, Überresten von Flüssen und wunderschönen Hügeln. Die Franzosen, die vor uns fuhren, fuhren dann einmal direkt an Purmamarca vorbei. Nach einem U-Turn auf der leeren Strasse, fanden wir aber den Weg ins Städtchen. Das ist richtig niedlich: viele Marktstände, Restaurants und sogar WCs für Touristen – aber sonst ziemlich ruhig. Wir konnten uns nur vorstellen, wie es hier in der Hochsaison von Touristen wimmeln musste. Wir unternehman nur eine kleine, knapp einstündige Wanderung (obwohl man das noch nicht einmal Wanderung nennen kann) rund um Purmamarca und zum Cerro de los Siete Colores (Berg der sieben Farben).

Purmamarca

Purmamarca befindet sich auf ungefähr 2300 m. ü. M. Unterdessen hatte ich mich an diese Höhe gewöhnt, aber sobald es extrem steil wurde auf dem kleinen Rundgang, merkte man uns allen an, dass wir doch noch mit der Höhe kämpften. Es war zudem ziemlich heiss und gleichzeitig windig, was nicht gerade half.

On the road

Nach dem Rundgang mit herrlicher Aussicht fuhren die Franzosen und Willem weiter nach Tilcara, wo wir unser Lager für die Nacht aufschlagen wollten. Der ursprüngliche Plan war, dass wir weiter zu den Salinas Grandes fahren wollten – die Franzosen erklärten uns allerdings erst nach dem gemütlichen Aufenthalt in Purmamarca, dass sie diese schon bei ihrer Fahrt nach Argentinien gesehen hatten und, da sie sowieso die Salt Flats in Bolivien besuchen wollten, nicht wirklich Interesse hatten da hin zu fahren. Peter und ich entschieden uns, dass wir die Fahrt trotzdem machen wollten, es schien nicht zu weit weg zu sein und wir hatten noch Kapazität für mehr Naturspektakel.

Was wir allerdings nicht berücksichtigt hatten, war, dass die Strecke zu den Salinas nicht einfach geradeaus ging: Zuerst mussten wir auf einer steinigen Landstrasse auf 4170 Meter steigen. Oben angekommen, sahen wir die Salinas in der Ferne. Und entschieden uns nach einigem Hin und Her, umzukehren, denn zum Einen war diese Höhe langsam echt anstrengend, vor allem auch für Peter, der fuhr, zum Anderen hatte die steile Strasse den Tank ziemlich geleert und wir waren uns nicht sicher, ob wir die Steigung von den Salinas hoch wieder schaffen würden.

Da, in der Ferne, sind die Salinas Grandes

Unterdessen hätten wir von den Franzosen eine Nachricht erhalten sollen, in welchem Hostel sie eingecheckt hatten. Ich musste sie allerdings alle einzeln anschreiben, bis ich eine Antwort erhielt. Als wir im Hostel ankamen, schaute mich Seb, der mir versprochen hatte, mich zu informieren, völlig entgeistert an: Er habe keine argentinische SIM-Karte und wollte sich nicht mit dem WiFi verbinden… (Stellt euch hier einen völlig entgeisterten Gesichtsausdruck meinerseits vor.)

Am Abend gingen wir essen (wie die Argentinier erst nach 10 Uhr) und setzten uns danach (ohne Peter) in eine Bar mit Live-Musik. Bis 4 Uhr morgens. Für mich war das People-Watching auf höchstem Niveau, schliesslich war ich mit vier Jungs (alle um die 25) aus, die mit ihrem fast nicht existenten Spanisch versuchten Südamerikanerinnen aufzureissen. Nachdem die Live-Band zusammengepackt hatte, sassen statt uns fünf, plötzlich 15 Leute an unserem Tisch – inklusive Matthias, einem älteren Einheimischen, von dem wir vermuteten, dass er der Besitzer des Lokals war.

Der erfolgloseste Aufreisser war der eine Franzose, der relativ gut Spanisch konnte, sich – scheinbar erfolgreich – mit zwei Mädels unterhielt und uns am Ende des Abends mitteilte, dass beide vergeben waren. Die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Der erfolgreichste war Seb – zwar nicht bei den Frauen – aber er schaffte es, uns mit einer schrecklichen Gesangseinlage und einem versuchten Strip gratis Bier von Matthias einzusacken. Matthias versuchte uns zwar zu erklären, dass ihm das Lokal nicht gehörte, und er uns eigentlich nichts ausgeben konnte – aber der Gesang war so schrecklich, dass er auch keine andere Möglichkeit mehr sah, als uns ein Bier auszugeben (abgesehen davon gab es sonst niemanden mehr in der Bar, bei dem wir für das Bier hätten bezahlen können). Erst zwei Abende später fanden wir übrigens heraus, was genau Matthias’ Aufgabe in der Bar war. Dazu aber in einem anderen Blog.

Tag 2, Roadtrip nach Humahuaca/Hornocal

Nach der langen Nacht brachen wir so gegen 11 Uhr auf zu unserem Roadtrip-Tag 2. Gemäss Routenplaner sollten wir in 1,5 Stunden bei dem Cerro de los 14 Colores (Hornocal) ankommen. Auch hier war aber die Dirtroad nicht eingerechnet. Während die Franzosen in einem ziemlichen Tempo vorausfuhren, genossen wir die Aussicht und schonten das Auto, schliesslich gehörte das Auto Peter und war kein Mietauto – und er war seit einigen Tagen auf der Suche nach einem Ersatzrad, also wäre eine Panne ziemlich ungünstig…

(Habe ich schon erwähnt, dass die Franzosen sich auch in Humahuca verfuhren und statt die Brücke nach Hornocal zu nehmen, daran vorbei fuhren und uns fast in ein trockenes Flussbett fuhren? Nein? Tja dann.)

Auf 3500 m. ü. M. angekommen, raubte uns die Aussicht einmal mehr den Atem (schon wieder wortwörtlich)! Es war noch viel besser als Purmamarca. Wir spazierten etwa 20 Minuten auf die Hügelkette zu, bis wir zu einem Aussichtspunkt kamen. Es war unglaublich. Kein Foto kann dieser Sicht gerecht werden. Wir sassen eine zeitlang einfach da, eingemummelt, weil es doch sehr windig und kalt war, und starrten die Berge an.

Keine Chance, die Schönheit dieser Bergkette in einem Bild festzuhalten
2 Franzosen, 1 Burrito, 1 Australier und 1 Belgier

Zurück in unserem superfancy Hostel (Hostel Los Molles in Tilcara), schmiedeten wir Pläne für die weiteren Tage. Seb fuhr das Mietauto zurück nach Salta, seine Reisezeit war nach zwölf Monaten bald zu Ende. Die beiden anderen Franzosen, die seit sechs Wochen zusammen unterwegs waren, wollten dringend nach Bolivien – ohne einen Tag zu verlieren. Ursprünglich hätten sie mit Peter fahren sollen, doch der wollte nicht so Hals über Kopf aufbrechen. Zudem hatten wir eine Londonerin kennengelernt, die uns von Iruya erzählte, einem extrem abgeschiedenen Bergdörfchen, das im Sommer offenbar ein pulsierender Touristenort sein muss. Mein Plan war ursprünglich noch etwas in Tilcara zu bleiben, da es hier ein paar nette Cafés und Bars gab – Bars mit Jenga sind meine Favoriten, alle in Südamerika spielen Jenga. Einfach ein netter Ort zum Erkunden und Ausruhen. Danach wollte ich nach San Pedro de Atacama in Chile, um die Wüste zu erkunden.

Doch es sollte alles anders kommen…

Katzenbild für die Klicks 🤔😉 (mein Wärmekissen in Tilcara)