Auch Tomb Raider kann sich mal irren

«See you there» war wohl ein etwas vorschnelles Ende des letzten Blogs, schliesslich gab es da noch den Nachmittag und Abend, den unsere «Reisegruppe» in einem gemütlichen Café verbringen wollte, bis die jeweiligen Busse fuhren (ausser mir konnten alle am selben Abend weiterreisen, mein Bus fuhr erst morgens um 5.30 Uhr), und die Grenzüberquerung und Calama…

Nun denn, nachdem wir in diesem Café unsere Bestellungen aufgegeben hatten, mussten wir es Hals über Kopf verlassen, weil der TV nur Kindersendungen zeigte und die Jungs doch eigentlich Champions-League-Finale schauen wollten. Zum Glück fanden wir ein Lokal, das den richtigen Sender hatte und verbrachten da gut fünf Stunden… Danach nächtigte ich in einem günstigen Hostel nahe dem «Busbahnhof». Auch dies, eine ganz andere Welt als Argentinien: Während in Argentinien die Busbahnhöfe grosse Gebäude mit Abfahrtsperrons und Schaltern waren, gab es in Uyuni einfach eine (oder zwei) Strasse(n) voller kleiner Läden, die Busfahrten verkauften. Die Busse fuhren vor oder in der Nähe dieser Shops. Reiste man am selben Tag, konnte man sogar den Rucksack deponieren – das traf für mich zwar sowieso nicht zu, dieses Vertrauen hätte ich wohl aber auch nicht aufgebracht…

Ziemlich verschlafen stolperte ich noch vor 5 Uhr aus dem Hostel (weckte den auf dem Sofa schlafenden Nachtwächter etwas unsanft) und machte mich mit erstaunlich vielen Menschen – aber ohne Kaffee – auf den Weg nach Chile. An der Grenze – irgendwo mitten in der Wüste – war es schon offensichtlich, dass in Chile wieder eine ganz andere Welt auf mich warten würde. Nach einer Fahrt auf unbefestigten Landstrassen, standen wir in Bolivien Schlange vor einem schlecht einbetonierten Container. (Es dauerte zudem ein wenig bis wir Gringos wussten, wohin wir genau mussten.)

Noch in Bolivien (auch hinter dem irreführenden Zaun ist noch Bolivien)

Kaum unter dem blauen Bogen hindurchgefahren, befanden wir uns auf geteerten, gut signalisierten Strassen und landeten in echten Gebäuden. Wir wurden mit Hilfe der Busfahrer, die unsere Zollscheine kontrollierten, durch die Passkontrolle geschleust, mussten dann in einem fast fluchtsicheren Unterstand unser Gepäck ausladen und warten, dass der Zollbeamte unsere Zettel kontrollierte, der Hund – nach gutem Zureden – unser Gepäck beschnüffelte, und danach unser Gepäck noch – eher pro forma – von Menschen «durchsucht» wurde. Ehrlich gesagt, ich fühlte mich ein bisschen wie ein Schwerverbrecher.

Ich hoffe, dies zu fotografieren, war kein Verbrechen

Niemand wurde zurückgelassen. Nun ging es weitere drei Stunden durch die Wüste nach Calama. In dieser Zeit ging mir das kurze Gespräch durch den Kopf, das ich an der bolivianischen Grenze mit dem Pakistani, der hinter mir sass, geführt hatte. Ich hätte ihm vielleicht sagen sollen, dass er sich glücklich schätzen müsse, dass er reisen könne – aber wer bin ich denn? Seine negative Einstellung Bolivien gegenüber und seine generell genervte Art veranlasste mich auf jeden Fall, das Gespräch kurz zu halten. Er sei nur zwei Tage in Bolivien gewesen, der Dreck wäre nicht auszuhalten, schrecklich. Zudem hätte sein Hotel seine Membership-Reservation nicht ausgeführt und er hätte ein Vermögen bezahlen müssen… Ich habe ja auch schlechte Tage, aber ich posaune die nur ungerne fremden Menschen ins Gesicht, und nach ein paar Tagen in der Kälte, freute ich mich einfach nur, dass ich bald in wärmere Gegenden kommen würde.

Calama, der erste Halt in Chile, überraschte mich ziemlich. Ich hatte eine Wüstenstadt wie Uyuni in Bolivien erwartet, doch dieser Ort war voller hübscher, umzäunter Häuser und die Innenstadt hatte eine süsse Fussgängerzone. Zumindest im Zentrum war das Wüstenfeeling inexistent. Ich blieb allerdings nur drei Stunden da, bevor mein Bus nach Antofagasta fuhr. (Ich hatte übrigens gut zwei Wochen, bis ich mir diesen Namen merken konnte, es gibt zu viele gut klingenden Möglichkeiten: Antafogasta, Antafogosto, Antofogasta…)

In Antofagasta checkte ich in das günstigste Hostel ein, das zu Fuss nur zehn Minuten vom Busterminal weg war. Ich fragte Marcela, die Besitzerin, wie weit es denn zu Fuss ins Zentrum sei. «15 Minuten, mi niña» – ja, das klang besser als erwartet, ich buchte direkt drei Nächte. Und wurde im Zimmer von einem Mitbewohner darauf aufmerksam gemacht, dass es eher so 50 Minuten waren. Aber Marcela konnte das ja kaum wissen, sie war ja 24/7 im Hostel. Haja. (Und nein, das «Missverständnis» war nicht auf mein schlechtes Spanisch zurückzuführen.) Immerhin konnte man am Meer entlang spazieren bis ins Zentrum, das war schonmal etwas. Und es war günstig. Juhu!

Abgesehen von ganz kurzen Standardgesprächen mit meinen zwei wirklich sehr netten Mitbewohnern, versuchte ich mich zurückzuhalten. Während ich am Anfang der Reise ja noch Angst hatte, niemanden zu treffen, brauchte ich nun dringend etwas Zeit für mich alleine und wollte wirklich mit niemandem etwas unternehmen, auch wenn sowohl Ruben von Santiago wie auch Délphine aus Frankreich mehrfach sagten «Ich geh da hin, möchtest du mitkommen?». «Nein, merci.» «Danke, eher nicht.» «Mein Kopf ist gerade unter dem Kissen, ich kann dich leider nicht hören.»

Ich genoss Antofagasta richtig, endlich wieder etwas Wärme! Durch den Küstenwind war es ab und zu zwar trotzdem kalt, aber nur, weil ich statt der üblichen drei bis fünf Kleidungsschichten nur noch zwei trug. Ich spazierte viel an der Küste entlang, schaute den riesigen, kraftvollen Wellen zu, die an den Steinen brachen, shoppte Jeans (weil ich ja immer noch einen Riss in meiner Lieblingshose hatte und Mama gesagt hatte, dass die irreparabel wären. Danke Mama! – Die Hose habe ich unterdessen natürlich entsorgt, ohne dabei zu vergessen, ein paar Minuten darüber nachzudenken, ob ich den Stoff vielleicht für etwas anderes verwenden könnte…), und gönnte mir ein Wachsbad für 13 Franken… Man muss etwas für seine Reiseschönheit machen, imfal.

Nur eines der 1000 Wellenfotos…
… und ein paar Muscheln

Obwohl ich mich von sozialen Kontakten fernzuhalten versuchte, nahm ich die Tipps von Ruben, was es in Antofagasta zu tun gibt, gerne an, und spazierte zwei Stunden zu den Huanchaca-Ruinen. Als ich sie erreichte, war ich völlig überwältigt. Fühlte mich wie Tomb Raider. Fragte mich, wie alt die den waren. Dachte noch «Sieht seltsam aus. Modern. Wahnsinn!» Ich stolperte durch das Museum, das mit unzähligen Tafeln die Geschichte von Bergbau und Salzabbau Chiles erzählte. Schön gemacht. Aber wer schon einmal eine schlechte Power-Point-Präsentation gesehen hat, weiss, weniger ist mehr. Entsprechend gibt es hier keine Details, weil ich alles wieder vergessen habe. Zudem, wunderte ich mich, warum dieses Museum hier stand und was denn dies genau mit den Ruinen zu tun hatte… Erst am Schluss, in einem super gemachten Kurzfilm, wurde mir klar, dass dies die Ruinen einer Salzverarbeitungsstätte waren. Von 1888. Zwar alt, aber mein Tomb-Raider-Herz fühlte sich betrogen, und ich mich ein bisschen dumm. (Aber zu meiner Verteidigung: Der Name klingt echt alt…)

Ruinas de Huanchaca

Cataratas del Iguazú

Eigentlich möchte ich hier gar nichts schreiben ausser: Fahrt da hin, schaut es euch auch, seid überwältigt! (Und macht unbedingt eine Speedboatfahrt unter die Wasserfälle, am besten in Badesachen und nicht in Jeans.)

… aber irgendwie gibt es dennoch so viel zu erzählen.

Von Rosario nach Puerto Iguazú fuhr ich mit einem Langstreckenbus der Gesellschaft Crucero del Norte. Weil ich relativ spontan buchte und am Samstag reisen wollte, gab es nur einen Bus, der nur über Semicama-Plätze verfügte (Sitze, die man maximal 160° neigen kann). Ich hatte entsprechend keine Wahl und erst im Bus wurde mir bewusst, dass diese Fahrt sogar länger sein würde als mein Flug nach Buenos Aires und ich irgendwie absolut nicht bereit dafür war. Netterweise hatte ich moralische Unterstützung und chattete die halbe Fahrt lang mit Brasilien. Diese moralische Unterstützung half aber nicht über den Gestank im Bus hinweg, auch nicht über die zig lebendigen und toten Schaben und noch weniger über die richtig eklige Toilette… Ich hatte vorgängig viel über Busfahrten in Südamerika gelesen, grundsätzlich seien die wirklich gut, ich glaube, ich hatte einfach ein unglückliches Händchen. Was allerdings auch bedeutet, dass jede zukünftige Busfahrt nur besser werden kann.

Die letzten fünf Stunden im Bus war das WC unbenutzbar – in Puerto Iguazú angekommen, war ich extrem dankbar, dass ich immerhin die Weisheit besessen hatte, ein Hostel vis-à-vis des Busterminals zu buchen. Ich rannte also mit meinem Gepäck über die Strasse, schmiss es in die Rezeption, fragte nach einem WC (der Check-in war erst ein paar Stunden später) und stand 15 Minuten vor einer verschlossenen WC-Tür. Erst ganz kurz vor der Explosion, öffnete sich die Tür und ein total glücklicher, frisch geduschter Asiate kam heraus. Er war ziemlich erstaunt, als ich ihn leicht rabiat aus dem Weg schaufelte…

Nun gut. Anschliessend sass ich ein paar Stunden im Städtchen rum, bevor ich einen Bus zum Park Güirá Oga nahm, der irgendwie spannend aussah (der Park, nicht der Bus). Zu den Wasserfällen wollte ich erst am Montag fahren, dafür braucht man mindestens einen Tag. Beim Park angekommen, stellte ich allerdings fest, dass sie im Dschungel verständlicherweise kein WiFi hatten für Kreditkartenzahlungen und ich zu wenig Bargeld dabei hatte. (Nach knappen drei Stunden Schlaf im Bus, sei mir verziehen, dass ich daran nicht gedacht hatte.) Ich machte mich also zu Fuss auf den Rückweg zum Hostel (gut 1,5 Stunden), kam an der Casa de las Botellas vorbei (ein Haus komplett aus Plastikflaschen, bei dem der Eintritt aber leider auch zu teuer war für mein Cash-Budget) und schliesslich zum Park La Aripuca, der mit 150 Pesos (knapp CHF 3.50) der günstigste war bisher. Ich sparte dann sogar noch 10 Pesos, weil der Kassierer Mitleid mit mir hatte, als ich mein Bargeld zusammenkratzte. La Aripuca (der Name einer Falle, mit der Tiere gefangen wurden, ohne sie zu verletzen) beinhaltet unter anderem eine solche «Aripuca» in Wohnhausgrösse, gebaut aus unterschiedlichen Bäumen aus dem Regenwald der Region Misiones. Ziemlich beeindruckend! Da können unsere (natürlich trotzdem sehr geliebten) Schweizer Bäumchen einpacken. Hier sah ich zudem eine Yerba-Mate-Pflanze, die Pflanze, aus der der Mate der Argentinier hergestellt wird.

La Aripuca

Anschliessend kraxelte ich ins Hostel. Da es in den Zimmern keinen WLAN-Empfang gibt, setzte ich mich in die Rezeption, wo ich einen Argentinier aus Rosario kennenlernte, der hier im Urlaub war. Er erzählte mir, dass er eine Spanierin kennengelernt hatte, die am Montag ebenfalls zu den Cataratas, den Wasserfällen, fahren wollte, sie und ich könnten uns ja zusammentun. Ich dachte mir nichts weiter dabei – wir wollen hier ja keine Zwangsfreundschaften erarbeiten.

Beim Frühstück am nächsten Morgen lernte ich die Spanierin dann allerdings kennen. Ana heisst sie. Es war Liebe auf den ersten Blick. Bereits bei den Leuten, die ich in Buenos Aires getroffen hatte, konnte ich den «Vibe» fühlen. Und mit Ana war es genauso. Wir unterhielten uns, als würden wir uns schon ewig kennen und natürlich fuhren wir zusammen zu den Wasserfällen.

Im Park angekommen, entschieden wir uns eine Speedboattour zu machen. Das ist mit 2000 Pesos im Vergleich zwar ziemlich teuer, aber Leute, es ist es Wert!

Zuerst machten wir allerdings einen Trail, weil die Tour erst eine Stunde später losging. Es gibt mehrere Trails, die alle sehr gut befestigt sind und mit denen auch die Flipflop-Träger kein Problem haben. Und während wir uns zu Beginn noch lautstark unterhalten hatten, waren wir plötzlich still und staunten wie kleine Kinder. Es ist wirklich unbeschreiblich schön. UNBESCHREIBLICH! Deshalb müsst ihr dorthin!

Vor lauter Staunen vertrödelten wir dann fast die Bootsfahrt und mussten rennen, um den Truck zu erwischen, der uns zum Anlegeplatz bringen würde. 30 Minuten dauerte die Fahrt durch den Dschungel, wobei uns Pflanzen und Tiere gezeigt wurden, die uns unterwegs begegneten. Für die Bootsfahrt kriegt man eine wasserdichte Tasche für den Rucksack und die Schuhe, weil man wird ja nass. Und dann ging es los. Nicht einfach geradeaus zu den Wasserfällen, sondern kreuz und quer über den Fluss, über Stock und Stein, eher wie eine Achterbahn- als eine Bootsfahrt. Genau nach meinem Geschmack! Und ja, wir wurden ein bisschen nass. Es wurde sogar einige Zeit für Fotostops eingeplant, damit jeder ein Foto von sich vorne auf dem Boot machen konnte. Und dann ging es erst so richtig los. Der Kapitän navigierte mehrere Male unter die Wasserfälle. Und wir wurden nicht nur ein bisschen nass. Sondern so richtig. Bis das Boot mit Wasser vollgelaufen war. Hätten wir doch zu Beginn wenigstens Hosen und T-Shirts ausgezogen… Aber nun gut… Spass gemacht hat es trotzdem. Und wie!

Nachdem wir uns mit den anderen unvorbereiteten Bootsfahrern im Dschungel ausgezogen und die Kleider ausgewrungen hatten, fuhren wir mit dem parkeigenen Zug zum grössten Wasserfall Garganta del Diablo. Die Sonne sank schon langsam und die Atmosphäre war atemberaubend. Wir liefen einige Minuten über die Stege, die über den sehr ruhigen, friedlichen Fluss führten, dessen Fläche sich bis in den Horizont erstreckt, bevor sich das sanfte Wasser rundherum in unzähligen Wasserfällen tosend in den Abgrund stürzt. Es gibt wirklich keine Worte für dieses Spektakel. Wir standen da. Schüttelten die Köpfe über dieses surreale Bild, das sich uns bot, und genossen die Kraft und Energie, die sich um uns herum entluden.

Mit immer noch nassen Kleidern, sprachlos und unendlich glücklich fuhren wir zurück ins Hostel. Was für ein perfekter Tag!

Tigre und Rosario

(Bitte entschuldigt mein langes Schweigen – das WiFi wird von Hostel zu Hostel schwächer.)

Eigentlich wollte ich ja am Montag (22. April – lange her) bereits nach Rosario weiterreisen. Ich hatte auch schon ausgecheckt und sass mit meinen Lieblingsbrasilianern in der Lobby, da erfuhr ich, dass sie nach Tigre fahren wollten. Ich hatte schon sehr viel Positives über Tigre gehört und mir war mehrfach nahe gelegt worden, es zu besuchen. Aber alleine hatte ich keine Lust gehabt. Irgendwie fühlte ich mich aber auch noch nicht bereit, schon weiterzuziehen, und innerhalb von fünf Sekunden war der Entschluss gefasst und ich fuhr mit nach Tigre.

Dummerweise war in Tigre am Montag absolut nichts los. NICHTS. Schliesslich wollten auch die Tigre-aner einmal Wochenende haben. Das Einzige, was wir machen konnten, war eine Schifffahrt durch das Delta des Paraná. Eine Stunde lang braunes Wasser, kalte Winde, versunkene Schiffe und einsame Häuser. Die Natur in Tigre ist wunderschön, die Stimmung sehr friedlich. Wer aber etwas viel Energie hat und Action möchte, dem würde ich empfehlen, einen Tag auszusuchen, an dem die Museen und der Funpark geöffnet sind. Hinzu kam, dass gewisse Metro- und Zugstrecken ausgebaut wurden, wodurch wir einen extrem langen Weg hatten. Auf der Hinfahrt tanzten und sangen wir, auf der Rückfahrt war «der Pfuus duss» und wir schnarchten um die Wette. Kein Wunder: Wir hatten alle nicht mehr als drei Stunden geschlafen, weil wir am Abend zuvor wie Teenager mit Bier und Musik vor dem Polizeiposten gechillt hatten.

Tigre

Da am Abend Karaoke angesagt war (wir versuchten bereits seit Donnerstag eine Bar zu finden, die geöffnet hat – das Osterwochenende ist nicht unbedingt ein gutes Reisedatum), buchte ich zwei zusätzliche Nächte in Buenos Aires und entschied mich, erst am Mittwoch weiterzufahren. Der Karaoke-«Abend» dauerte bis Dienstag um 8 Uhr. Den Dienstag benötigte ich, um mich auszukurieren. Ich verschlief praktisch den ganzen Tag. Erst fürs Abendessen und zur «Saideira», unserem Abschiedsbier in der Lobby, kroch ich aus dem warmen Nest.

Am nächsten Tag ging es für mich dann weiter nach Rosario, einige der Gruppe waren schon weitergezogen, einige blieben. Der Abschied fiel mir wirklich schwer. Die Menschen waren mir ans Herz gewachsen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns wieder sehen werden.

Bevor ich nach Rosario kam, hatte ich natürlich etwas gegoogelt. Online findet man Tips wie «falls du da keine Familie hast oder geschäftlich hinmusst – bleib weg, viel zu gefährlich», aber auch das Gegenteil, dass es eine wunderschöne Stadt sei und so weiter. Da in Rosario die argentinische Flagge zum ersten Mal gehisst wurde und es auch Che Guevaras Geburtsort ist, wollte ich es mir dennoch anschauen. Eine kleine Stadt mit viel historischem Hintergrund kann ich mir doch nicht entgehen lassen.

Fast fünf Stunden dauerte die Busfahrt von Buenos Aires aus. Wobei wir nur schon 20 Minuten brauchten, um einmal um das Busterminal zu fahren – Buenos Aires ist momentan wirklich eine einzige grosse Baustelle.

Da der Bus ziemlich unterkühlt war, erreichte ich Rosario mit Halsschmerzen und Schnupfen. Als ich im Hostel ankam, hatte ich nicht das Gefühl, dass dieses Hostel gross zur Genesung beitragen würde. Es war zwar wirklich süss, sehr heimelig und eher wie Leben in einer Gastfamilie, aber die Zimmer hatten Glastüren, die sich nicht abschliessen liessen und die beiden Badezimmertüren konnte man auch nicht richtig schliessen. Man duschte praktisch in der Rezeption. Nun gut, ich denke, man gewöhnt sich mit jedem Hostelaufenthalt an neue Unannehmlichkeiten.

Ich begann also meinen Besuch in Rosario etwa so wie in Buenos Aires: grantig und genervt und alles andere als mit offenem Herzen. Hinzu kam, dass das Wetter wirklich schlecht war. Es regnete, war kalt und windig. Sehr windig. Nicht gerade das beste Wetter, um eine Stadt zu besichtigen. Und obwohl ich keine Lust hatte, musste ich unbedingt raus und eine Wäscherei finden. Mein gestörter Tagesablauf in Buenos Aires hatte irgendwie dazu geführt, dass ich keine saubere Wäsche mehr hatte. Als ich dann schon mal draussen war und mein Herz trotz des Wetters etwas öffnete, fand ich den Charme von Rosario ziemlich schnell: Die Stadt ist im Gegensatz zu Buenos Aires viel kleiner, die Gebäude nicht so einschüchternd hoch, aber historisch genauso wertvoll, zwischen «neuen» halbzerfallenen Papierhäusern hat es überall Schmuckstücke aus dem 17. Jahrhundert – und zumindest am Tag sehe ich keinen Grund, warum man der Stadt fernbleiben soll. Auch im Hostel wurde mir versichert, dass man im Zentrum am Tag total sicher ist. Und auch im Regen ist die Stadt wunderschön: Das Ufer des Paraná war bis auf die Fischer und mich praktisch verlassen und auch das atemberaubende Monument für die argentinische Flagge hatte ich fast für mich alleine. Ich kann mir nur vorstellen, wie schön Rosario sein muss, wenn die Sonne scheint und man am Ufer spazieren gehen kann, ohne davon gewindet zu werden, oder Kayak fahren oder auf der Flussinsel Reiten gehen…

Monumento a la Bandera, Rosario
Paraná-Ufer

Am Samstag, 27. April, fuhr (hier stand einmal «fahre») ich weiter zu den Iguazú-Wasserfällen. Ich möchte sowohl die argentinische wie auch die brasilianische Seite sehen. Das Wetter soll allerdings auch da eher regnerisch und gewitterig sein. Aber immerhin warm, bei 26° C.