Fünf Freunde auf Odyssee

Da standen wir also, Linda, Lucia, Nina, Rebecca und ich, Anna. Freitagmorgen, unter der Byebye-Bar am Flughafen Zürich, ready to take off. Eigentlich hätten wir Nina hier das grosse Geheimnis verraten sollen: die Destination. Schliesslich war dies ihr Hochzeitsgeschenk – da wir es nicht fertig gebracht hatten, ihr eine Bacheloretteparty zu schmeissen, wollten wir sie ordentlich zu einer Wochenendreise einladen… dass diese nun über ein Jahr nach der Hochzeit stattfand, ist wieder eine andere Geschichte. Nina wusste zu diesem Zeitpunkt aber schon seit geschlagenen fünf Minuten(!), wohin wir sie entführen wollten, weil sich jemand (nicht ich, ausnahmsweise) im gemeinsamen Chat verplappert hatte. Wir hatten uns grosse Mühe gegeben, Nina keine Hinweise auf die Destination zu liefern und waren bemüht, sogar Wetterberichte ohne Stadtnamen zu verschicken… Auch Nina hatte sich dann grosse Mühe gegeben, beim Morgenkaffee vor mir zu verheimlichen, dass sie die verräterische Nachricht schon gelesen hatte und somit die Destination bereits kannte. Nun denn: Sarajevo in Bosnien-Herzegovina war unser Ziel.

Unsere ersten gemeinsamen Stunden verliefen wunderbar reibungslos, alle durften boarden, und Umsteigen in Ljubljana war auch ein Leichtes. Vor dem kleinen Flughafen von Sarajevo fanden wir auch schnell zwei Taxis, die uns für lockere 60 km (nicht Kilometer, sondern konvertible Mark) zu unserem Guesthouse brachten. Natürlich wollten wir zuerst etwas zwischen die Zähne kriegen und steuerten ein Restaurant an, das uns für seine Cevapcici-Spezialität empfohlen worden war. Während des Kauens grinste uns Linda plötzlich verdächtig hysterisch an und sagte – immer noch grinsend: «Das ist jetzt kein Witz, imfal. Aber unser Rückflug wurde soeben storniert.» Wir sollten uns – natürlich telefonisch – bei der Airline (Adria Airways) melden. Macht man immer gerne im Ausland, ist ja so besonders günstig. Meiner momentan arbeitslosen Seele setzte die Lage nicht besonders zu, den Nicht-Arbeitslosen unter uns (also alle anderen), kam die Stornierung eher ungelegen, war die Chance doch gross, dass wir es nicht wie geplant am Sonntagabend zurückschaffen würden.

Wir versuchen also, uns erst einmal nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und den Tag zu geniessen, indem wir durch die Strässchen schlenderten und bei Džirlo bosnischen Kaffee und fruchtige Sirups tranken. Der Gastgeber des Teehauses, das auf TripAdvisor übrigens die Nr. 1 der sarajevischen Cafés ist, ist ein wunderbar inspirierender Lebemann, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und eine beruhigende innere Zufriedenheit versprüht. Die wahre Entschleunigung.

Der Blick vom Džirlo aus

Am Abend versuchte Linda vom Festnetz unserer Unterkunft (von lieben Menschen geführt), die von Adria angegebene Nummer für Hilfe bei Flugstornierungen anzurufen. Nach zehn Minuten in der Warteschlange, wurde das aber auch schon zu teuer (und zu blöde) und sie schrieb eine E-Mail. Gemäss Webseite war die Hotline zudem nur Montag bis Freitag besetzt. Wir hofften allerdings, dass sich Adria trotzdem am Wochenende dazu herunter lassen würde, uns zu kontaktieren, um uns einen alternativen Heimflug anzubieten.

Wir genossen den Freitagabend und Samstag so gut es ging. Sarajevo ist ein wahres Schmuckstück, eine bezaubernde Stadt mit herrlichem Kaffee und süssen kleinen Läden.

Sarajevo

Am Samstag fuhren wir mit der Seilbahn auf den Trebević, ein Berg, von dem man über die ganze Stadt blicken konnte, spazierten etwas in der Sonne und bestaunten die Überreste der Bob- und Rodelbahn, die für die Winterspiele 1984 errichtet worden war. Am späteren Nachmittag diskutierten wir einmal mehr, ob wir vielleicht zum Flughafen fahren sollten, in der Hoffnung, jemanden von Adria anzutreffen und einen Rückflug buchen zu können. Ein Teil der Chicas setzte sich zum Drink in eine Bar, Lucia und ich machten uns auf zum Guesthouse, um unsere Pässe zu holen, da wir diese – im Falle eines positiven Ausgangs am Flughafen – ja wohl brauchen würden. Im Guesthouse angekommen, versuchten wir es allerdings nochmals telefonisch bei der Fluggesellschaft. Sogar die Besitzerin telefonierte für uns herum, da Bosnisch leider nicht in unserem Repertoire ist.

Las chicas en la Bobbahn

Es verging fast eine Stunde bis uns klar wurde, dass auch eine Fahrt zum Flughafen nichts an unserem Problem lösen würde. Adria Airways war nicht zu erreichen – schon gar nicht am Wochenende. Wir setzten uns zu den anderen in die Bar, wo wir dank Rebecca noch Gratisshots vom Lebemann abstaubten (sein Café war direkt gegenüber und man kannte sich hier gut in der Strasse).

Am Sonntag machten wir uns schon am Vormittag auf zum Flughafen. Unser Flug wäre theoretisch um 15 Uhr gewesen, aber vielleicht gab es ja frühere Möglichkeiten, nachhause zu kommen …

… Ähm. Nope.

Von Adria Airways war am Flughafen niemand anzutreffen. Ein Swiss-Mitarbeiter, den wir vor den leeren Airline-Büros abpassten, informierte uns, dass auch ihre Flüge überbucht waren und er bereits versuchte, die «überbuchten» Swiss-Gäste nachhause zu fliegen. Bis am Dienstag seien die Chancen sehr gering, überhaupt aus Sarajevo rauszukommen. Egal in welche Richtung. Einige der Chicas hatten bereits vorgängig andere Möglichkeiten geprüft, nachhause zu kommen. Zum Beispiel gab es von Split aus noch einen Flug. Und Split war ja nur etwa fünf Autostunden von Sarajevo entfernt. Da der Bus bereits weg war, blieb nur noch ein Mietauto. Während zwei Chicas den Flug um 19 Uhr buchten, reservierten die anderen ein Mietauto. Wir waren sehr darauf bedacht, beides gleichzeitig zu machen, denn ein Mietauto ohne Flug, würde uns auch nicht weiterhelfen.

Theoretisch hätte ich ja auch noch länger in Sarajevo bleiben können, aber einen Roadtrip verpassen? Ich glaube nicht.

Wir fuhren also fünf Stunden von Sarajevo durch die Berge nach Split. Ein herzliches Dankeschön an die drei Fahrerinnen, die uns durch einige Vollbremsen von Unfällen mit wahnsinnigen, uns entgegenkommenden Überholmanöver-Fahrern bewahrten. Danke! Würkli!

Gegen 17 Uhr erreichten wir Split. Ein wunderschöner Flughafen, ich sags euch! Ganz neu. Ich war schon ganz begeistert und freute mich, dass wir bald in einem Flieger nachhause sitzen würden. Auto abgegeben, in die Check-in-Halle eingetreten, auf die grosse Abflug-Anzeige gestarrt… Da fehlt ein Flug. Der Flug um 19 Uhr nach Zürich, der steht nicht auf der Tafel. Noch einmal in die Buchungsmail geschaut: Da steht «Edelweiss, Zürich nach Split». Nicht Split nach Zürich. Irgendwie konnte ich nicht aufhören zu lachen und auch den anderen Chicas stand die grinsende Hysterie ins Gesicht geschrieben. Filmreif. Warum dies passiert war, war allerdings schnell klar: Auf der Edelweiss-Webseite kann man nur Flüge ab Zürich buchen. Alle Flüge mit anderen Abflugflughäfen müssen über die Swiss-Webseite gebucht werden und die Freude über den Nachhauseflug war so gross, dass die Richtung nicht allzu genau überprüft wurde. Immerhin konnten wir die Plätze innerhalb kürzester Zeit noch gebührenfrei stornieren. Und: Es gab tatsächlich noch einen Flug nach Zürich, um 21 Uhr. Online wies der aber nur noch zwei Plätze in der Business-Class auf. Wir hofften, jemanden zu finden, der uns vielleicht noch reinschmuggeln würde, aber auch hier galt die Regel: Mitarbeiter der Edelweiss würden frühestens zwei Stunden vor dem Flug auftauchen, bis dahin blieb uns nur warten übrig. Wir gönnten uns also ein Abendessen und beschlossen das weitere Vorgehen: Linda buchte einen Flug ab Split am Montagabend und ich schloss mich ihr an. Eine Zweistädtereise an einem Wochenende? Warum nicht. Rebecca und Nina buchten die Business-Class-Tickets und Lucia pokerte, in der Hoffnung auf No-Shows oder eine andere Möglichkeit, das Flugzeug um 21 Uhr zu boarden.

Linda und ich machten uns schon einmal auf den Weg in die Stadt. Mit einem Bus. Der plötzlich an einem ziemlich verlassenen Mini-Bahnhof hielt und der Fahrer auf die Gleise zeigte und einfach nur «Der Bus hält hier, nehmen Sie den Zug» sagte. Oder eher: «Tren. You take tren. 20 minutes. Go! GO!» Ausnahmslos alle Buspassagiere schauten verwirrt. Wir wussten auch nicht, ob der Zug in 20 Minuten losfahren würde oder 20 Minuten ins Zentrum hatte… Aber nun gut, warum nicht. Dann hatten wir heute einmal (fast) alle motorisierten Fortbewegungsarten durchgemacht – ausser das Flugzeug. Das einzige, das wir wirklich wollten.

Linda und ich hatten uns unterdessen damit abgefunden, einen Tag festzusitzen und feierten sogar die Zugfahrt in der kleinen Zugkomposition. Am Zielbahnhof angekommen, suchten wir WLAN und buchten ein Zimmer für drei Leute – die Spannung hat hier ein Ende: Vor Lucia warteten noch vier weitere Leute auf No-Shows, sie würde also in Kürze zu uns stossen und dann ebenfalls am Montagabend fliegen.

Wir genossen unsere Zeit in Split: gutes Essen, Cocktails in einer Rooftop-Bar, Gratis-Städtetour, Shopping, nettes Airbnb… Und tatsächlich boardeten wir am Montagabend den Flieger nach Zürich. Wuhu!

Danke euch, Chicas, für ein abenteuerreiches, tolles Wochenende!

Übrigens: Natürlich versuchten wir von Adria noch Geld zurückzukriegen über das Online-Formular für solche Angelegenheiten. Schliesslich hatten wir einiges an Mehrkosten tragen müssen und mindestens das Geld für den nicht durchgeführten Flug wollten wir zurückhaben. Unterdessen, etwa acht Wochen nach dem Flug, hat die Adria Airways allerdings Konkurs angemeldet und somit kann uns auch keine Versicherung mehr helfen, das Geld zurückzukriegen. Bye bye money…

Shadowhunters-Convention

Fan sein will gelernt sein

Der wahre Grund, warum ich nicht länger als Mitte Juli in Südamerika bleiben konnte? Ich hatte im Herbst meinen Hormonen nachgegeben und Tickets für eine Shadowhunters-Convention gekauft. (Shadowhunters ist eine Fantasy-Serie basierend auf einer Buchreihe von Cassandra Clare – den Rest überlasse ich Google.) An dieser Convention in Mailand (es gibt auch welche in Paris, Brüssel, London, …) sollten einige der Schauspieler der Serie anwesend sein: Fragen beantworten, Autogramme schreiben, für Fotos posieren.

Zu Dritt machten wir uns also auf zur Convention und – obwohl ich mich ursprünglich doch ein bisschen schämte, in meinem Alter an eine Veranstaltung zu gehen, die wahrscheinlich nur kreischende Teenager anlockt – fühlte mich bald ziemlich normal. Nein, eigentlich schlecht. Wie ein richtig miserabler Fan.

Für diese Conventions gibt es unterschiedliche Pässe. Wir hatten einen Mittelklasse-Pass, den Vampire-Pass. Das heisst, beim Anstehen für Autogramme oder Fotos durften wir die Werwolf-Pass- und die Tagespass-Besitzer überholen. Standen wir dann zuvorderst in der Schlange, wurden wir aber garantiert von Menschen mit (unbezahlbaren) Warlock-, VIP- oder Super-VIP-Pässen überholt.

Während wir uns irgendwie schlecht fühlten, wenn wir Leute überholten, die schon lange anzustehen schienen, hatten wir das Gefühl, dass die Passbesitzer mit teureren Pässen das Überholen richtig genossen, uns zur Seite schoben oder auch abwertend mit einem «ach so, nur ein Vampire» bedachten. Man fängt schon fast an, sich schlecht zu fühlen, dass man selber nicht so viel für seine «Lieblinge» ausgegeben hat. Natürlich hatten wir, zusätzlich zu den im Pass inkludierten Autogrammen und Fotos, auch noch Geld ausgegeben, aber insgesamt sicher weniger, als wir für einen der teureren Pässe hätten hinblättern müssen.

Obwohl ich mich das ganze Wochenende nicht wirklich mit der Fanhierarchie abfinden konnte, gab es einige grossartige Erlebnisse. Einige davon versuche ich unten so wirklichkeitsliebend wie möglich zu beschreiben.

Adam und die Eifersucht

Wir trafen Adam, einen Influencer, der den Serien-Junkies vielleicht bekannt ist als abnormallyadam. Adam ist aus Australien und macht Reaction-Videos zu Episoden diverser Serien und ist ein wahnsinnig herzlicher und umgänglicher Mensch. Als Influencer erlebt Adam leider auch die Schattenseiten der Anonymität im Internet: Ihm wurde auf Twitter sehr viel Hass entgegengebracht, weil er auf einer Convention Interviews mit den Schauspielern führen durfte, bei den Fotosessions dabei war und auch sonst mitarbeiten konnte. (Dies alles, weil die Veranstalter ihn cool fanden und dabei haben wollten.) Die daraus resultierende Eifersucht einiger Fans führte zu bösen Posts und so weit, dass sogar alte Posts von ihm gesucht wurden, um zu «beweisen», dass er eigentlich kein guter Mensch ist. Ironie?

Ich freue mich zumindest sehr, ihn kennengelernt zu haben und hoffe, er kann trotz all dem Hass, seine Fröhlichkeit beibehalten. Fame is a bitch.

Dom Sherwood und Alex Kinsey

Obwohl ich schon ziemlich aufgeregt war, Schauspieler wie Dom Sherwood oder Harry Shum Jr. zu treffen, begeisterte mich die überraschende Anwesenheit von Alex Kinsey fast mehr. Alex ist in Europa nicht wirklich bekannt, gewann aber mit Sierra 2013 X-Factor in Amerika und brachte vor kurzem seine erste Solo-EP «Party of One» auf den Markt, die mich schwer begeistert (vor allem die sexy Single «Hot Mess» – hört rein!). Er ist ein guter Freund von Dom und begleitete diesen sowohl zu Autogramm- als auch zu Fotosessions. KREISCH! Als Monika und ich am Sonntag unsere Fotos mit Dom machten, fragte sie Alex, ob er ein Selfie mit uns schiessen würde. Er war dabei, wollte aber noch warten, bis Dom mit den Fotos fertig war. Dom kriegte das Gespräch mit und lud uns kurzerhand ein, ein Foto mit der Convention-Kamera zu schiessen. Die Staff war in heller Aufruhr, weil wir a) die anstehenden Leute aufhielten (Tschuldigung!) und b) nicht für das Foto bezahlt hatten (ohjemine). Dom erklärte den Mitarbeitenden, dass es ein Geschenk von ihm an uns sei, und wir hyperaktivierten davon, bevor uns jemand eine Rechnung unter die Nase halten konnte. Während der ganzen Convention kamen ab und zu unsere inneren Teenager durch (ohne Kreischen und Heulen), aber es war nie so übel wie nach diesem Gratisfoto. Während ich nicht aufhören konnte zu quatschen, brillierte Monika im grossen Schweigen. Ihre Nervosität äusserte sich in einem zombieartigen Überlebensmodus: Sie sagte kein Wort, verzog keine Miene und erst als ich sie fragte, ob sie das Erlebte nicht nervös gemacht hätte, zeigte sie mir stillschweigend ihre zittrigen Hände. Zum Glück. Sonst hätte ich annehmen müssen, sie sei «dead, dead, dead».

Alex, yours truly, Monika, Dom, KREISCH!

Luke Baines und die Afterparty

Am Sonntagabend ging es auf zur Afterparty im Club B38 mit den Schauspielern. Das heisst: Es wurden Lounges mit je neun Personen eingerichtet und die Schauspieler wechselten für eine Stunde von Tisch zu Tisch. Jeweils für fünf Minuten durften wir sie mit Fragen löchern – die Mitarbeitenden von KineticVibe standen mit Timern immer bereit die Gesprächsrunden abzubrechen, wobei sich sogar die Schauspieler wehrten, wenn die Zeit zu ungenau gemessen wurde: Tessa Mossey zum Beispiel wurde wieder aufgescheucht, kaum hatte sie sich gesetzt, und blieb demonstrativ noch etwas bei uns sitzen.

Nach der ungefähren Stunde Red-und-Antwort-Stehen der Schauspieler merkten wir dann, warum die Mitarbeitenden so gestresst waren: Die anschliessende Party war nicht nur für Convention-Besucherinnen, sondern für das gesamte Partyvolk, das Eintritt bezahlen wollte. So mussten die Lounges weg und der Platz für die Tanzenden freigeräumt werden. Diese Nicht-Eingeweihten fragten sich wohl auch, warum alle Blicke von der Tanzfläche aus auf die Galerie gerichtet waren (da, wo Schauspieler und Crew feierten), sich die Leute auf der Galerie Tanzbattles lieferten und sich jedesmal eine Traube bildete, wenn sich jemand (zum Beispiel Anna Hopkins und Nicola Correia-Damude) auf die Tanzfläche des Pöbels bewegte.

Was in unserem Partypreis von 70 Euro (Party-Eintritt, ein Gratisdrink und eine Stunde schwatzen), leider nicht inbegriffen war, waren saubere Toiletten. Ich hätte es wissen müssen. Mailand kennt das Konzept von sauberen Toiletten nicht. Schon bevor die Party losging, watete man durch Flüssigkeiten und Papierfetzen, Türen sind sowieso Mangelware. Wir standen also alle bei der rollstuhlgängigen Toilette an, weil diese die sauberste war, da kam Luke Baines um die Ecke und wunderete sich, weil die Toiletten hinter der Schlange unbesetzt waren. Er ging rein, kam wieder raus: «Okay, das ist wirklich eklig, aber ich werde es überleben. Falls ihr einen Knall hört, bin ich ohnmächtig geworden, bitte helft mir.» Als er wieder raus kam, meinte er: «Es ist möglich. Es ist wirklich eklig, sich hinzusetzen ist natürlich nicht zu empfehlen. Aber ihr schafft das. Stellt euch vor, es sei ein Festival…» WC-Talk mit Luke Baines? Gerne wieder!

Und dann war(en) da noch…

Doms Reaktion auf Monikas Geschenk (es Bärner Müntschi): Er hat das Bier noch nicht einmal richtig in der Hand, als er es bereits mit einem lauten Plopp und dem folgenden Kommentar öffnet: «Ich habe nicht einmal meine Vorsätze gebrochen, es ist 10 nach 12.» – Alex: «Die Regel ist: kein Bier vor 12. Er hält sich immer dran. Ausser es ist Wochenende, oder er ist mit mir unterwegs, oder…»

Der KineticVibe-Mitarbeiter, der uns erklärt, dass VIP- bis Vampire-Pass-Besitzer links und Werwolf- und Tagespassbesitzer rechts anstehen sollen und drei Sekunden später alle anschreit, wir sollen gefälligst den Gang links freihalten (und somit alle rechts anstehen), ob wir ihm denn nicht zugehört hätten.

Die Eltern, die den ganzen Tag in der Bar gesessen und auf ihre Töchter (und/oder Söhne?) gewartet haben, die einen Stock höher ihre Lieblinge anschmachteten. (Warum ich das weiss? Wir gönnten uns jeweils ein Nachmittagsbierchen in der besagten Bar…)

Der Moment als Ramonas anfängliche «Warum bin ich eigentlich hier?»-Stimmung zu «OMG! Ich habe ein Foto mit Matthew D’Addario!» und ein paar anderen hyperaktiv in Stitch-Stimme vorgetragenen Liebeserklärungen umschlägt.

Fazit

Alles in Allem war es ein tolles Wochenende – mit viel emotionalem Auf und Ab… Denn, natürlich sind die Schauspieler auch nur Menschen – aber es ist trotzdem speziell, die Leute live zu sehen, die man drei Jahre lang auf dem Bildschirm beobachtet hat, wie sie den Lieblingscharakteren aus den Büchern Leben einhauchen.

Würde ich wieder gehen?

Wohl eher nicht. Zum Einen, ist es wirklich ein sehr teurer Spass, zum Anderen habe ich ja jetzt Fotos und Unterschriften und bin eine Erfahrung reicher… Und irgendwie möchte ich auch nicht noch einmal von einer VIP-Pass-Besitzerin von der Tanzfläche gehüftschwingt werden, während sie sich erbarmungslos den Weg zu den tanzenden Schauspielern bahnt… Aber naja, wer weiss, wann der nächste Hormonschub kommt…

Stitch, ich, Monika (am Milano Latin Festival, das netterweise in der Nähe war)

Credits: Danke an Monika und Ramona für die Blog-Inputs, sonst würde hier nur die Hälfte stehen 😁

Santiago, die zweite

Die meisten haben es unterdessen mitgekriegt: Ich bin bereits seit einigen Wochen wieder zuhause. Wer zudem meinen Instagram-Account kennt, weiss, dass ich nach Rapa Nui eine weitere Woche in Santiago verbracht hatte und – nach meiner Rückkehr – die Beine nicht still halten konnte und in Europa herumgestolpert bin.

Gerade habe ich in meinem Tagebuch geblättert, um die Santiago-Seiten zu finden, musste dabei feststellen, dass ich gegen Ende etwas schreibfaul geworden war und nur Stichworte notiert hatte. Ich bin genauso gespannt wie ihr (falls…), was ich daraus in den folgenden Abschnitten basteln kann.

Nun denn: Nach den ruhigen Tagen auf der Osterinsel war ich im Partymodus. Buchte mich in Santiago also in einem Hostel im Bellavista-Quartier ein – da, wo die Clubs sind. Irgendwann gegen Mitternacht tauchte ich im Hostel auf, legte mich todmüde ins Bett (soviel zum Thema Partymodus) und wartete auf den Schlaf. Dieser wurde alle 0,5 Sekunden vom hämmernden Bass des Clubs nebenan verscheucht – und alle 30 Minuten zusätzlich von den beiden brasilianischen Teenagern (Licht ein – SEHR laute Unterhaltung – Koffer verrücken – Licht aus – Tür zuschlagen). Nachdem die beiden dann gegen 4 Uhr endlich im Bett lagen, hoffte ich, Schlaf zu finden. Genau 1,5 Stunden später klingelte unter mir jedoch bereits wieder der Wecker und die Brasilianerinnen fingen an sich anzuschreien. Mein Portugiesisch ist unterdessen so gut, dass ich heraushörte, dass sie heute die Valle-Nevado-Tour machen würden und sich offenbar anschreien mussten, weil sie sonst wieder eingeschlafen wären… Danke dafür!

Den nächsten Tag verbrachte ich grösstenteils mit Chrissy aus London, die mir erklärte, dass die beiden brasilianischen Chicas diesen Lebensstil schon seit drei Tagen verfolgten, und besuchte mit ihr den Cerro San Cristóbal. Ich war ja vor ein paar Tagen schon einmal da, musste nun aber feststellen, dass der Berg eine ungeahnte Dimension hatte und sich noch einige (Kilo-)Meter in den Nordosten erstreckte. Der perfekte Ort also, um einen Spaziergang oberhalb des Smogs einzulegen. Ich war fast die Einzige, die sich zu Fuss um den Hügel wagte. Trotz angenehmer Temperaturen versteckten sich wohl die meisten in ihren vier Wänden – oder fuhren Seilbahn, wie Chrissy. Da Seilbahnen für mich ich als Schweizerin eher zu den normalen Fortbewegungsmitteln gehören, verbrannte ich lieber ein paar Kalorien als Pesos.

Cerro San Cristóbal

Aufgrund des Schlafmangels und weil mir bewusst wurde, dass meine Zeit in Südamerika bald vorbei war, war meine Partylaune irgendwie doch schon wieder verflogen… Zurück im Hostel entdeckte ich allerdings ein Schild, das auf Barbetrieb und gratis Drinks ab 23 Uhr hinwies… Nun ja, wenn ich mich nicht zum Hostel raus bewegen musste, dann konnte man sich ja einen Gratisdrink gönnen. Ein paar Stunden später war die Frustration dann doch relativ gross, als Ionut aus Rumänien, der die gleiche Strategie wie ich verfolgte, und ich kurz vor 23 Uhr von Joaquin, einem Schweizer mit argentinischen Wurzeln, aufgeklärt wurden, dass die Partypeople sich um 23 Uhr beim Empfang treffen und dann zusammen ausgehen würden – nix mit Inhouse-Barbetrieb. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Es war fünf vor elf. Ich trug definitiv keine Clubkleidung und war auch viel zu faul, um irgendwohin zu fahren. Wir kauften uns also Bier beim Empfang und veranstalteten im Innenhof des Hostels eine kleine Privatparty, die damit endete, dass ich mich verpflichtete am nächsten Tag mit Joaquin eine Städtetour zu besuchen. Ich gebe zu, es beunruhigte meine südamerikanische Seele ziemlich, dass ich bereits um 9.30 Uhr bereit sein musste. Ich fühlte mich schon seit Wochen nicht mehr bereit vor 10 Uhr zu frühstücken…

Tatsächlich schaffte ich es am nächsten Morgen pünktlich aus der Heia (und es hatte sich gelohnt). Wir nahmen an der gratis Städtetour Tours4Tips teil, die von als Waldo verkleideten Personen durchgeführt wurden. (Ihr wisst schon, der mit dem rot-weiss-gestreiften Pullover, den man nie findet.) Es erstaunte mich selbst, dass ich es in den drei Monaten in Südamerika kein einziges Mal geschafft hatte, eine solche Tour mitzumachen.

Zu Beginn wurden uns die wichtigsten Fakten über Chile näher gebracht. Zum Beispiel, dass es in Chile pro Tag im Schnitt zehn Erdbeben gibt.
– Was macht man, wenn man ein Erdbeben spürt?
– Unter Tische kriechen oder sich in Türrahmen stellen.
– Alles korrekt. Aber was ist noch viel wichtiger? Richtig! Darauf achten, was die Chilenen machen. Schliesslich sind diese sich an Erdbeben gewöhnt. Und was machen die Chilenen? Meistens nichts. Ausser den Wein und den Fernseher festhalten. Der Landesname kommt schliesslich von «chill». Nach dem Erdbeben gibt es dann Alkohol. Und zwar den Terremoto-Drink, der auf jeder Cocktail-Karte zu finden ist. («Terremoto» heisst Erdbeben.)
Bereits während den Nachbeben würden die Chilenen Terremotos trinken und das vergangene Erdbeben feiern – so erzählte man uns. Ob es der Wahrheit entspricht?

Beim Fischmarkt (Mercado Central) lernten wir, dass das grosse pavillonartige Gebäude bestehend aus Eisenverstrebungen und kleinen Fensterchen in Glasgow angefertigt und dann nach Santiago transportiert worden war – und dies noch bevor es Strom gab; die Lampen wurden erst nachträglich angebracht. Wir kriegten ein paar Restaurant- und Lebenstipps: Für einen Heiratsantrag sei es besonders beliebt, eine wahnsinnig teure antarktische Königskrabbe zu bestellen und den Ring an ein Bein zu stecken (Wahrheitsgehalt auch hier nicht überprüfbar).

Mercado Central

Weiter ging es zu den La-Vega-Märkten, dafür mussten wir den Mapocho-Fluss überqueren. Unser Waldo kontrollierte, ob wir bereit waren für die Flussüberquerung. Alle, die den Rucksack noch auf dem Rücken trugen, waren offenbar nicht bereit. Denn während es auf der Westseite des Flusses relativ europäisch zu und her ging, war auf der Ostseite ein Gedränge und Einiges an Kleinkriminalität zu erwarten. Bis auf mich überlebten den Besuch in den einheimischen Markthallen alle gut. Allerdings wurde ich nicht Opfer der Kleinkriminalität sondern schlicht meiner Tollpatschigkeit: Da war dieser halbhohe Pfosten. Unsichtbar zwischen all den Menschenbeinen. Den traf ich. Mit erstaunlicher Genauigkeit. Der 15 × 15 Zentimeter grosse blaue Fleck (und die entsprechenden Schmerzen), den ich mir dabei zufügte, wurde ich erst vor ein paar Tagen gänzlich wieder los… Eine schöne Erinnerung…

Unser letzter Stop war der Cementerio Generale de Chile. Auf einer Fläche von 86 Hektaren (oder in Südamerikanisch: 212 Fussballfelder) ruhen gut zwei Millionen Menschen, inklusive die meisten Präsidenten Chiles und einige berühmte Künstler. Ein Grab, das besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist dasjenige von Carmencita. Es ist rundherum geschmückt mit kleinen Wunsch- und Dankestafeln sowie Plüschtieren, Kunstblumen und anderen Geschenken. Carmens Grab ist eine «animita», eine heilige Gedenkstätte, die von Menschen, die glauben, dass Carmens Seele ihnen hilft, verehrt wird. Es gibt hunderte solcher Gedenkstätten, doch Carmencita hat eine besondere Geschichte, respektive zwei. Die eine besagt, dass Carmen ein 9-jähriges-Mädchen gewesen sein soll, das vergewaltigt und ermordet wurde. Die zweite – offenbar die wahre – Geschichte sei allerdings, dass Carmen eine junge (nicht so unschuldige) Frau war, die sich auf dem Friedhof, auf der Stelle ihres Grabes, umgebracht hatte, nachdem ihre Eltern ihr die Liebschaft mit einem Jungen verboten hatten. Gemäss unserem Waldo würde diese zweite Geschichte ab und zu auch auf einem Zettel an ihrem Grab hängen, doch die Carmencita-Anhänger würden diesen jeweils wieder entfernen. Und wieder ein Abschnitt, der damit endet, dass wir nicht wissen, welche der Geschichten der Wahrheit entspricht. Vielleicht keine?

Carmencita

Zum Abschluss der Tour ging ich mit Joaquin und Delicia, die wir auf der Tour kennengelernt hatten, in ein Restaurant im Fischmarkt. Wir teilten uns eine Spezialität (leider weiss ich den spanischen Namen nicht mehr): Hummerfleisch mit Käse. Also eigentlich eine Art Fondue (allerdings sehr fettiges und nicht so cremig) mit Hummerstückchen. Zum Glück hatten wir dies nur geteilt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so ein Gericht alleine verspeisen kann, sogar als laktosetoleranter Mensch muss man davon Krämpfe kriegen.

Meine restlichen Tage in Santiago sind leider nicht weiter erzählenswert, bis auf den Besuch im Museum der Erinnerung und der Menschenrechte. Mit einem Audioguide kann man hier gut einen halben Tag verbringen. Die ganze Geschichte Chiles wird detailliert dargestellt und auch ein Einblick in die weltweiten Menschenrechtsverletzungen gegeben. Wer wie ich sehr gerechtigkeitsliebend ist, hat einen schweren Stand, das Museum zu besuchen ohne ein paar Tränen zu verdrücken.

Der Heimflug verlief problemlos. Zumindest nachdem ich mein Handy nach zwei Stunden panischem Suchen zwischen den Füssen eines Mitfliegers zwei Reihen weiter hinten wieder fand… Was mich ein bisschen quälte, war, dass ich meiner besten Freundin Michèle erzählt hatte, dass ich erst am 5. Juli wieder Schweizer Boden berühren würde und ihr somit vom 23. Juni bis zu meinem Überraschungsbesuch an ihrem Geburtstag am 27. Juni aus dem Weg gehen musste… Sie war allerdings so mit der Angst alt zu werden beschäftigt, dass sie tatsächlich keine Ahnung davon hatte, dass ich bereits gelandet war. Gut für mich. So reichte meine unscharfe Warnung «Ich bin ein paar Tage in den Bergen und habe wahrscheinlich keinen Empfang» und ich musste mir keine genaueren Pläne ausdenken…

Normal.

Willkommen zuhause, Anna… ;o)

P.-S.: Auch wenn der Blog etwas seltener gefüttert wird als bisher, werde ich versuchen, ab und zu ein paar Posts zu veröffentlichen.