Work-Life-Balance

Mundartkonzert auf Portugiesisch

Endlich war es so weit: Das Konzert von Tiago Iorc stand auf dem Plan! Tiago Iorc ist ein brasilianischer Singer-Songwriter, der in Amerika aufgewachsen war und früher auch auf Englisch gesungen hat. Seine portugiesischen Lieder gefielen mir aber von Anfang an schon rein musikalisch besser. Als ich dann noch anfing, die Texte zu verstehen, war es um mich geschehen…

Ich ging mit Diego zum Konzert, ohne den ich wahrscheinlich gar nie etwas von Tiago erfahren hätte. Das Konzert sollte um 21 Uhr starten, um gute Plätze zu ergattern, waren wir schon um 19 Uhr da. Ich war innerlich etwas gestresst, weil ich dachte, dass das schon viel zu spät war – im Hinterkopf hatte ich die in der Schweiz vor Konzerthallen campierenden Fans. Deshalb rechnete ich gar nicht mehr damit, gute Plätze zu kriegen. Aber siehe da: Es stand niemand Schlange. Wir gingen auf die Gallerie hoch, wo wir Stehplätze hatten. Und auch hier: Bis auf ein paar vereinzelte Menschen war eigentlich niemand da und wir ergatterten die bestmöglichen Plätze dieser Kategorie. Wir ketteten uns praktisch ans Geländer und konnten unseren Caipirinha bestellen, ohne die Plätze aufzugeben. Zwei Stunden warteten wir auf den Beginn des Konzerts und beobachteten die reintröpfelnden Menschen. Als das Konzert um 21.20 Uhr begann, waren neben uns vielleicht noch so 30 Leute auf der Gallerie aufgetaucht. Die Sitzplätze in der Saalmitte sahen von oben ziemlich leer aus. Nur an den Seiten tümmelten sich etwas mehr Leute. Irgendwie tat mir Tiago leid, seine anderen Konzerte waren immer voll, und eigentlich hätte auch dieses Konzert ausverkauft sein sollen. Erst später erfuhr ich, dass das Konzert der in Brasilien sehr berühmten Sängerin Ana Carolina, die nach Tiago Iorc auftrat, schon Monate vor Tiagos Konzert feststand. Die beiden Musikstile passten auch absolut nicht zu einander, es waren also praktisch zwei Konzerte an einem Abend mit einem Ticket. Als Ana Carolina auftrat, war der Saal voll, die Tiago Fans hatten einfach nicht mehr genug Tickets gekriegt. Zum Glück hatte das bei uns geklappt!

Das Konzert war wunderschön, die Musik live noch besser als ab Kopfhörern und die paar Fans, die da waren, gaben alles, um eine volle Halle vorzutäuschen. Das Kulturfeeling, das ich mir wünschte, inmitten von BrasilianerInnen ein Mundartkonzert zu besuchen, blieb allerdings etwas auf der Strecke. Vielleicht nächstes Mal.

Caipirinhas im Literglas

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag an den Strand gehen, aber das Wetter spielte nicht so richtig mit, also unternahmen wir erst am Abend etwas. Mit Diego und Freunden von ihm besuchte ich eine Bar an der Lagoa da Conceição. Da Caipirinhas im Literglas günstiger waren, gab es genügend Alkohol für alle. Wir hatten massig Spass, denn mit jedem Schluck wurde mein Portugiesisch besser und ihr Englisch auch und wenn man die Wörter nicht kannte, war auch Fuchteln und Grinsen eine herrliche Art zu kommunizieren. Schliesslich bezahlten wir pro Person für Literweise Caipi, genausoviel Bier und eine riesige Portion mit Käse überbackenen Pommes etwa 22 Franken. In der Schweiz hätte das wohl für einen Caipi und etwas Popcorn gereicht. Gefährlich ist es hier!

Lagoa da Conceição

Am nächsten Tag uberte ich mit meinem kleinen Kater vom Hostel wieder nach Lagoa, denn ich hatte hier meine nächste Unterkunft gebucht. Ich wusste, wir hatten am Abend zuvor etwa 30 Reais (8 Franken) für die Fahrt bezahlt, heute zeigte Uber plötzlich das Doppelte an. Allerdings lohnten sich ein paar Minuten Geduld tatsächlich und die Preise sanken wieder. Ich hatte schon von den Preisschwankungen gehört, aber dass sie so extrem waren, war mir nicht bewusst. Gemäss Info auf ihrer Webseite, erhöht Uber die Preise, wenn in einem Gebiet gleichzeitig viele Fahrten angefragt werden. Entweder man bezahlt diesen teureren Preis und erhält dann eine der wenigen zur Verfügung stehenden Fahrten. Oder man wartet ein paar Minuten, bis sich weitere Uber-Fahrer in das hochfrequentierte Gebiet begeben haben und bezahlt dann eben wieder den normalen Preis. Da ich keine Eile hatte, hatte ich zum Glück gewartet. Anders als in Chile übrigens, wo Uber nicht legal ist, und man deshalb vorne sitzen soll und Fahrten zum Flughafen nicht gerne gemacht werden, gehört Uber hier zum Leben wie ein Taxi. In Rio am Flughafen gab es unter dem Taxi-Schild ein offizielles Uber-Schild und am Tiago-Iorc-Konzert gab es vor der Halle ebenfalls eine extra Uber-drop-off- und Pick-up-Zone.

Mein neues Hostel sah gut aus. Das Zimmer war zwar mega klein und hatte kein Fenster, was mir etwas Sorgen bereitete, glücklicherweise waren aber statt zu sechst nur zu dritt und das änderte sich während der Zeit meines Aufenthalts auch nicht gross. Cool war auch der Barbereich, der einen passablen Arbeitsplatz abzugeben schien. Zumindest war ich heute nicht die Einzige, die hier ihren Laptop auspackte, um ein paar nach Arbeit ausschauenden Sachen zu erledigen.

Work it

Der Barbereich war tatsächlich ein super Arbeitsort. Bequem, mit Steckdosen, den Tag über verlassen, herrlich. Da ich während meiner ersten Woche in Lagoa bereits riesig viel Arbeit erhielt (danke!!), lernte ich erst nach ein paar Tagen wirklich Leute kennen. Zum Beispiel Rea aus der Schweiz. Wir erkannten unser Schweizerin sein daran, dass wir uns im Korridor beide händeringend den Vortritt geben wollten, ohne zu wissen, in welcher Sprache. Und Joicly. Joicly arbeitete im Hostel und wir starteten nach ein paar Tagen ein Englisch-Portugiesisch-Tandem. (Nachdem sie dachte, ich sei ultrakomisch, weil ich den ganzen Tag in der Bar vor dem Laptop sass…) Wir begannen den Unterricht mit der Übersetzung von ein paar sexy Liedern und ernteten amüsante Blicke der Portugiesisch- und/oder Englisch-sprechenden Gäste und Mitarbeitenden des Hostels. Wir hatten unseren Spass.

(Auch am Strand kann man lernen, imfall!)

Meine ersten beiden Wochen waren also sehr arbeitsintensiv, ich übersetzte und wenn ich nicht übersetzte, lernte ich. Dennoch gab es ein paar nette Ausflüge an den Strand oder in umliegende Bars. Dank Rea und Joicely kam ich auch sehr schnell von meinen üblichen Spaghetti-mit-Tomatensauce-Mahlzeiten weg, denn zusammen zu kochen macht einfach mehr Spass (vor allem, wenn wenigstens eine Person kochen kann…)

Ich verlängerte meinen Aufenthalt im Hostel in Lagoa drei Mal. Als es dann gegen Mitte November ausgebucht war, und ich gehen musste, fiel mir dies nicht leicht. Meine nächste Station war Barra da Lagoa, ein Hostel auf dem Hügel mit wunderbarer Aussicht über Meer und Strand. Hier gefiel es mir auf Anhieb und ich blieb ein bisschen.

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