Shadowhunters-Convention

Fan sein will gelernt sein

Der wahre Grund, warum ich nicht länger als Mitte Juli in Südamerika bleiben konnte? Ich hatte im Herbst meinen Hormonen nachgegeben und Tickets für eine Shadowhunters-Convention gekauft. (Shadowhunters ist eine Fantasy-Serie basierend auf einer Buchreihe von Cassandra Clare – den Rest überlasse ich Google.) An dieser Convention in Mailand (es gibt auch welche in Paris, Brüssel, London, …) sollten einige der Schauspieler der Serie anwesend sein: Fragen beantworten, Autogramme schreiben, für Fotos posieren.

Zu Dritt machten wir uns also auf zur Convention und – obwohl ich mich ursprünglich doch ein bisschen schämte, in meinem Alter an eine Veranstaltung zu gehen, die wahrscheinlich nur kreischende Teenager anlockt – fühlte mich bald ziemlich normal. Nein, eigentlich schlecht. Wie ein richtig miserabler Fan.

Für diese Conventions gibt es unterschiedliche Pässe. Wir hatten einen Mittelklasse-Pass, den Vampire-Pass. Das heisst, beim Anstehen für Autogramme oder Fotos durften wir die Werwolf-Pass- und die Tagespass-Besitzer überholen. Standen wir dann zuvorderst in der Schlange, wurden wir aber garantiert von Menschen mit (unbezahlbaren) Warlock-, VIP- oder Super-VIP-Pässen überholt.

Während wir uns irgendwie schlecht fühlten, wenn wir Leute überholten, die schon lange anzustehen schienen, hatten wir das Gefühl, dass die Passbesitzer mit teureren Pässen das Überholen richtig genossen, uns zur Seite schoben oder auch abwertend mit einem «ach so, nur ein Vampire» bedachten. Man fängt schon fast an, sich schlecht zu fühlen, dass man selber nicht so viel für seine «Lieblinge» ausgegeben hat. Natürlich hatten wir, zusätzlich zu den im Pass inkludierten Autogrammen und Fotos, auch noch Geld ausgegeben, aber insgesamt sicher weniger, als wir für einen der teureren Pässe hätten hinblättern müssen.

Obwohl ich mich das ganze Wochenende nicht wirklich mit der Fanhierarchie abfinden konnte, gab es einige grossartige Erlebnisse. Einige davon versuche ich unten so wirklichkeitsliebend wie möglich zu beschreiben.

Adam und die Eifersucht

Wir trafen Adam, einen Influencer, der den Serien-Junkies vielleicht bekannt ist als abnormallyadam. Adam ist aus Australien und macht Reaction-Videos zu Episoden diverser Serien und ist ein wahnsinnig herzlicher und umgänglicher Mensch. Als Influencer erlebt Adam leider auch die Schattenseiten der Anonymität im Internet: Ihm wurde auf Twitter sehr viel Hass entgegengebracht, weil er auf einer Convention Interviews mit den Schauspielern führen durfte, bei den Fotosessions dabei war und auch sonst mitarbeiten konnte. (Dies alles, weil die Veranstalter ihn cool fanden und dabei haben wollten.) Die daraus resultierende Eifersucht einiger Fans führte zu bösen Posts und so weit, dass sogar alte Posts von ihm gesucht wurden, um zu «beweisen», dass er eigentlich kein guter Mensch ist. Ironie?

Ich freue mich zumindest sehr, ihn kennengelernt zu haben und hoffe, er kann trotz all dem Hass, seine Fröhlichkeit beibehalten. Fame is a bitch.

Dom Sherwood und Alex Kinsey

Obwohl ich schon ziemlich aufgeregt war, Schauspieler wie Dom Sherwood oder Harry Shum Jr. zu treffen, begeisterte mich die überraschende Anwesenheit von Alex Kinsey fast mehr. Alex ist in Europa nicht wirklich bekannt, gewann aber mit Sierra 2013 X-Factor in Amerika und brachte vor kurzem seine erste Solo-EP «Party of One» auf den Markt, die mich schwer begeistert (vor allem die sexy Single «Hot Mess» – hört rein!). Er ist ein guter Freund von Dom und begleitete diesen sowohl zu Autogramm- als auch zu Fotosessions. KREISCH! Als Monika und ich am Sonntag unsere Fotos mit Dom machten, fragte sie Alex, ob er ein Selfie mit uns schiessen würde. Er war dabei, wollte aber noch warten, bis Dom mit den Fotos fertig war. Dom kriegte das Gespräch mit und lud uns kurzerhand ein, ein Foto mit der Convention-Kamera zu schiessen. Die Staff war in heller Aufruhr, weil wir a) die anstehenden Leute aufhielten (Tschuldigung!) und b) nicht für das Foto bezahlt hatten (ohjemine). Dom erklärte den Mitarbeitenden, dass es ein Geschenk von ihm an uns sei, und wir hyperaktivierten davon, bevor uns jemand eine Rechnung unter die Nase halten konnte. Während der ganzen Convention kamen ab und zu unsere inneren Teenager durch (ohne Kreischen und Heulen), aber es war nie so übel wie nach diesem Gratisfoto. Während ich nicht aufhören konnte zu quatschen, brillierte Monika im grossen Schweigen. Ihre Nervosität äusserte sich in einem zombieartigen Überlebensmodus: Sie sagte kein Wort, verzog keine Miene und erst als ich sie fragte, ob sie das Erlebte nicht nervös gemacht hätte, zeigte sie mir stillschweigend ihre zittrigen Hände. Zum Glück. Sonst hätte ich annehmen müssen, sie sei «dead, dead, dead».

Alex, yours truly, Monika, Dom, KREISCH!

Luke Baines und die Afterparty

Am Sonntagabend ging es auf zur Afterparty im Club B38 mit den Schauspielern. Das heisst: Es wurden Lounges mit je neun Personen eingerichtet und die Schauspieler wechselten für eine Stunde von Tisch zu Tisch. Jeweils für fünf Minuten durften wir sie mit Fragen löchern – die Mitarbeitenden von KineticVibe standen mit Timern immer bereit die Gesprächsrunden abzubrechen, wobei sich sogar die Schauspieler wehrten, wenn die Zeit zu ungenau gemessen wurde: Tessa Mossey zum Beispiel wurde wieder aufgescheucht, kaum hatte sie sich gesetzt, und blieb demonstrativ noch etwas bei uns sitzen.

Nach der ungefähren Stunde Red-und-Antwort-Stehen der Schauspieler merkten wir dann, warum die Mitarbeitenden so gestresst waren: Die anschliessende Party war nicht nur für Convention-Besucherinnen, sondern für das gesamte Partyvolk, das Eintritt bezahlen wollte. So mussten die Lounges weg und der Platz für die Tanzenden freigeräumt werden. Diese Nicht-Eingeweihten fragten sich wohl auch, warum alle Blicke von der Tanzfläche aus auf die Galerie gerichtet waren (da, wo Schauspieler und Crew feierten), sich die Leute auf der Galerie Tanzbattles lieferten und sich jedesmal eine Traube bildete, wenn sich jemand (zum Beispiel Anna Hopkins und Nicola Correia-Damude) auf die Tanzfläche des Pöbels bewegte.

Was in unserem Partypreis von 70 Euro (Party-Eintritt, ein Gratisdrink und eine Stunde schwatzen), leider nicht inbegriffen war, waren saubere Toiletten. Ich hätte es wissen müssen. Mailand kennt das Konzept von sauberen Toiletten nicht. Schon bevor die Party losging, watete man durch Flüssigkeiten und Papierfetzen, Türen sind sowieso Mangelware. Wir standen also alle bei der rollstuhlgängigen Toilette an, weil diese die sauberste war, da kam Luke Baines um die Ecke und wunderete sich, weil die Toiletten hinter der Schlange unbesetzt waren. Er ging rein, kam wieder raus: «Okay, das ist wirklich eklig, aber ich werde es überleben. Falls ihr einen Knall hört, bin ich ohnmächtig geworden, bitte helft mir.» Als er wieder raus kam, meinte er: «Es ist möglich. Es ist wirklich eklig, sich hinzusetzen ist natürlich nicht zu empfehlen. Aber ihr schafft das. Stellt euch vor, es sei ein Festival…» WC-Talk mit Luke Baines? Gerne wieder!

Und dann war(en) da noch…

Doms Reaktion auf Monikas Geschenk (es Bärner Müntschi): Er hat das Bier noch nicht einmal richtig in der Hand, als er es bereits mit einem lauten Plopp und dem folgenden Kommentar öffnet: «Ich habe nicht einmal meine Vorsätze gebrochen, es ist 10 nach 12.» – Alex: «Die Regel ist: kein Bier vor 12. Er hält sich immer dran. Ausser es ist Wochenende, oder er ist mit mir unterwegs, oder…»

Der KineticVibe-Mitarbeiter, der uns erklärt, dass VIP- bis Vampire-Pass-Besitzer links und Werwolf- und Tagespassbesitzer rechts anstehen sollen und drei Sekunden später alle anschreit, wir sollen gefälligst den Gang links freihalten (und somit alle rechts anstehen), ob wir ihm denn nicht zugehört hätten.

Die Eltern, die den ganzen Tag in der Bar gesessen und auf ihre Töchter (und/oder Söhne?) gewartet haben, die einen Stock höher ihre Lieblinge anschmachteten. (Warum ich das weiss? Wir gönnten uns jeweils ein Nachmittagsbierchen in der besagten Bar…)

Der Moment als Ramonas anfängliche «Warum bin ich eigentlich hier?»-Stimmung zu «OMG! Ich habe ein Foto mit Matthew D’Addario!» und ein paar anderen hyperaktiv in Stitch-Stimme vorgetragenen Liebeserklärungen umschlägt.

Fazit

Alles in Allem war es ein tolles Wochenende – mit viel emotionalem Auf und Ab… Denn, natürlich sind die Schauspieler auch nur Menschen – aber es ist trotzdem speziell, die Leute live zu sehen, die man drei Jahre lang auf dem Bildschirm beobachtet hat, wie sie den Lieblingscharakteren aus den Büchern Leben einhauchen.

Würde ich wieder gehen?

Wohl eher nicht. Zum Einen, ist es wirklich ein sehr teurer Spass, zum Anderen habe ich ja jetzt Fotos und Unterschriften und bin eine Erfahrung reicher… Und irgendwie möchte ich auch nicht noch einmal von einer VIP-Pass-Besitzerin von der Tanzfläche gehüftschwingt werden, während sie sich erbarmungslos den Weg zu den tanzenden Schauspielern bahnt… Aber naja, wer weiss, wann der nächste Hormonschub kommt…

Stitch, ich, Monika (am Milano Latin Festival, das netterweise in der Nähe war)

Credits: Danke an Monika und Ramona für die Blog-Inputs, sonst würde hier nur die Hälfte stehen 😁

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