Salta La Linda

Ich wollte meinen Aufenthalt in Salta gemütlich beginnen, soll heissen, am Flughafen etwas essen und dann ganz gemütlich herausfinden, wie ich zum Hostel komme. Aus dem Flieger ausgestiegen, das Gepäck geschnappt, stand ich allerdings praktisch schon VOR dem Flughafen. Ziemlich schnell stellte ich fest, dass es hier keine Busse gab, dafür Shuttles zu den Hostels für 120 Pesos (etwa 2.50 CHF). Dann machen wir das natürlich so. (Es gab natürlich auch Taxis, die Hälfte davon aber mit rostigen Türen oder eingedrückten Nasen…)

Im Hostel angekommen, war der erste Eindruck einmal mehr nicht überzeugend. Aber daran gewöhnte ich mich auch schon. Ich brauchte einfach ein paar Minuten (Stunden, Tage) bis ich mich an einem neuen Ort wohl fühlte. Das 4er-Zimmer war ziemlich klein und bei voller Belegung trat man sich sicher gerne auf die Füsse. Dafür war es mit 200 Pesos pro Nacht das bisher günstigste. Als es sich Host Pablo dann zur Aufgabe machte, mir Spanisch beizubringen, und ich eine herrliche Dusche vorfand, war ich doch froh dieses Hostel, das etwa 20 Gehminuten vom Zentrum entfernt liegt, gewählt zu haben.

Salta zog mich direkt in seinen Bann. Sie nennen es nicht für nichts «Salta La Linda» (die Schöne). Es ist ruhig, besteht praktisch nur aus ein- und zweistöckigen Häusern, die Sonne scheint, die Wolken sind wunderschön und zu meiner Überraschung gibt es im Zentrum einige fancy Cafés und Restaurants – während die Fassaden seit Jahren (vielleicht sogar Jahrzehnten?) nicht mehr renoviert worden sind, sind die Interieurs teilweise supermodern.

An meinem zweiten Tag in Salta besuchte ich das wirklich faszinierende MAAM, Museo de Arqueología de Alta Montaña, welches die Geschichte der Inkas in der Region erzählt und die Mumien der Kinder von Llullaillaco ausstellt. Diese wurden in einem religiösen Ritual ungefähr um 1500 geopfert. Offenbar wurden sie unter Drogen gesetzt und zum Sterben (Erfrieren) auf dem 6739 Meter hohen Lullaillaco zurückgelassen, wo sie 1999 von Johan Reinhard gefunden wurden. Gruselig? Sehr!

Am Nachmittag gegen 15 Uhr wollte ich eigentlich den San Bernardo besteigen, der Hausberg, von dem aus man eine Panoramasicht auf Salta und Umgebung hat. Da ich allerdings – typisch argentinisch – erst um Mittag das Hostel verliess, stand ich erst gegen 16 Uhr am Fuss des Berges (in der Hitze) und entschied mich, die Gondelbahn nach oben zu nehmen. Für 200 Pesos (ein Weg) eine eher teure Fahrt, die Aussicht war aber tatsächlich wunderschön. Allerdings sind die Aktivitäten auf dem Gipfel ziemlich beschränkt, und da ich kein Bargeld mehr hatte und mich nicht in ein Café mit Aussicht setzen konnte, machte ich mich ziemlich bald an den Abstieg, der aus unzähligen Treppenstufen bestand. Immerhin war der Weg im Schatten und somit ziemlich gemütlich. (Nach unten zumindest, das Keuchen derjenigen, die den Weg nach oben machten, erzählte eine andere Geschichte.)

Im Hostel traf ich bisher nur ältere Argentinier(innen) an, was mir gerade recht war. Ich brauchte etwas «Me Time», um mich von den Strapazen des Weintrinkens in Mendoza zu erholen. Zudem hatte ich für Donnerstag eine Gruppentour nach Cafayate gebucht. Meine erste Gruppentour (vielleicht auch die letzte?). Um die Natur rund um Salta zu geniessen, ist es am besten, ein Auto zu mieten und einen Roadtrip zu machen – da das alleine etwas schwierig ist, entschied ich mich für die Gruppentour. Was allerdings bedeutete, dass ich am Donnerstag zwischen 7 und 8 Uhr abgeholt werden würde, was bei meinem aktuellen Lebensstil nicht nur früh, sondern mitten in der Nacht bedeutete.

Am Donnerstag war ich also typisch schweizerisch um Punkt 7 Uhr abholbereit. Und wartete bis 7.55 Uhr. Offenbar sind alle vor mir abgeholt worden. Ich hatte den grossen Wunsch, im Bus zu schlafen, allerdings war die Idee dieses Ausflugs ja, die Natur zu sehen. Also musste ich wohl oder übel die Augen offen halten. Aus der Stadt raus, war dies aber auch nicht schwierig. Schon rund um Salta herum erstrecken sich wunderschöne Landschaften, die weiten Felder und grünen Berge im Hintergrund in der Nähe Saltas, wandeln sich zu roten, grünen, weissen kargen Trocken- und Wüstenlandschaften und -bergen. EIN TRAUM!

Der erste Stop war ein WC-Stop. Oder für mich ein Kaffee-hol-Stop. Denn wie man sich das so vorstellt, fahren pro Tag mehrere Touribusse dieselbe Route. Wir hatten 15 Minuten Zeit. Die Schlange zur Toilette war endlos. Die Schlange zum Kaffee etwas kürzer. Also entschied ich mich für Kaffee.

Während wir so durch die Quebrada de las Conchas («quebrada» ist ein Tal mit einem Fluss, der in der Trockenzeit kein Wasser führt) fuhren, dachte ich mir noch, dass es mit dem eigenen Auto sicherlich etwas cooler wäre, weil man dann HIER – mitten im Nirgendwo – anhalten könnte, um ein Foto zu schiessen, während der Bus einfach nur die bekannten Sehenswürdigkeiten anfährt. Keine zwei Minuten später erklärte uns Maria, unser Guide, dass wir super im Zeitplan lagen und deshalb in der nächsten Kurve einen Extrastop für Fotos einlegen würden. Kann sie Gedanken lesen?

Im Bus hatte es mehrere ältere Pärchen und Familien mit Kindern (insgesamt waren wir etwa 18 Leute) und bei diesem Stop wurde ich von einigen gefragt, wie es denn so sei, alleine zu reisen. Ich packte mein bestes Spanisch aus und war begeistert von der Liebenswürdigkeit und dem Interesse der Argentinier. Ebenso gab es ein deutsches Pärchen im Bus, mit denen ich dann erst ein paar Stops weiter ins Gespräch kam und mit denen ich ein paar Reisetips austauschte, denn sie reisten ungefähr die umgekehrte Route wie ich.

Zurück zur Landschaft (die Fotos werden dem Anblick nicht gerecht, es ist gigantisch):

Garganta del Diablo (die Touristen verstecken sich zum Glück)
Anfiteatro
Aussichtspunkt Tres Croces

Auf dem Heimweg legten wir nur noch einen Lama-Stop ein:

Das Lama ist rechts

Und dann einen WC-Stop. Bei dem ich bemerkte, dass ich im Bus gut eine Stunde geschlafen hatte. Ich war ziemlich überrascht, als ich die Augen öffnete und statt der roten kargen Berge plötzlich wieder grün sah.

Etwa um 19 Uhr wurde ich im Hostel abgeladen, wo ich direkt in drei Franzosen stolperte. (Wörtlich, denn als ich die Eingangstür öffnete, standen sie direkt dahinter.) Keine Stunde später hatte ich einen Roadtrip-Deal: Sie wollten für vier Tage ein Auto mieten, zwei Tage in den Süden (die Tour, die ich gerade gemacht hatte und ein bisschen mehr) und dann zwei Tage in den Norden (die Tour, die ich ab Sonntag für eine unbestimmte Anzahl Tage machen wollte, aber mir noch nicht ganz klar war, wie das ohne Auto funktionieren sollte). Und ich war fasziniert (das heisst, ich bin es immer noch), denn ich hatte mich gefragt, wie es denn andere Reisende schafften, einen Roadtrip zu organisieren und fand es bereits etwas schade, dass ich nicht auf den Geschmack eines solchen kommen würde. Und dann, so einfach: «Hallo. Wer bist du, woher kommst du, wie lange reist du, wir mieten ein Auto, hast du Lust mitzukommen?» Ich habe zwar gelernt, dass man nicht zu Unbekannten ins Auto steigen sollte. Aber ich denke, hier machen wir eine Ausnahme. (Für alle, die Angst haben, dass ich jemanden zu Tode fahre: Ich habe meinen Führerschein nicht mitgenommen und werde deshalb kein Strassenrisiko darstellen.)

2 Kommentare zu “Salta La Linda

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