Mendoza (und der Wein)

Habe ich schon von dem gratis Wein berichtet? Anstatt der geplanten drei Nächte, blieb ich sieben. Aber nicht nur wegen des Weins – denke ich. Ich hatte schon von Anfang an vermutet, dass ich länger in Mendoza bleiben würde, halte mir beim Buchen aber gerne die Möglichkeit offen, das Hostel zu wechseln und buche deshalb lieber etwas weniger Nächte im Voraus. Da hier Herbst ist, und somit Nebensaison, ist das auch absolut kein Problem.

Am Donnerstag regnete und gewitterte es. Da ich schlauer Fuchs meine Schuhe draussen auslüften liess, hatte ich am Nachmittag zwei durchtränkte Schuhpaare und schloss mich somit für den Rest des Tages mit den Flipflops im Hostel ein. Wirklich schlimm war dies an diesem trüben Tag aber nicht – und die Schuhe trockneten auch brav bis zum nächsten Morgen. Am Abend sassen Moritz, der Berner, und ich mit einem jungen argentinischen Pärchen bei Cerveza (es kann nicht immer Wein sein) und Mitternachtspasta zusammen. Gabriel sprach ein bisschen Englisch, Julieta gar nicht, Moritz spricht besser Spanisch als ich – meine Fähigkeiten kennt ihr ja bereits… Mit Bier geht aber bekanntlich alles leichter: Wir sassen gut fünf Stunden zusammen und unterhielten uns so gut wie eben möglich. Unser Vorteil: Julieta studiert Audiophonologie und arbeitet mit Kindern zusammen, um ihnen beim Sprechen lernen zu helfen. So eine saubere Betonung werden wir wahrscheinlich nie mehr zu hören kriegen.

Ich schaffte es dann noch zwei weitere Tage praktisch nichts zu machen. Am Freitag besuchte ich mit Fem und Ben, einem Pärchen aus Holland/Südafrika, die ich zusammen mit Moritz beim Frühstücken im Hostel kennengelernt hatte (und die hier einen super Blog unterhalten: www.2sillyllamas.com), das Museo del Área Fundacional, das die Artefakte und archäologische Überreste von vor dem Erdbeben, das Mendoza 1861 völlig zerstörte, zeigt. Und am Samstag – nach einem weiteren Abend mit (zu) viel Wein – spazierte ich durch die Stadt und legte mich im Parque General San Martin in die Sonne.

Trotz leichtem Kater am Sonntag, floh ich mit Moritz in die Berge. Unter Tränen und Schweiss (eigentlich nur Schweiss, dafür viel davon) kämpften wir uns in der Mittagssonne auf den Cerro Arco. Der Hausberg Mendozas ist mit dem Bus in 40 Minuten (oder schneller) zu erreichen. Der Gipfel liegt 1670 Meter über Meer, der Aufstieg beträgt 580 Meter in 4,5 Kilometern (sagt das Internet) und führt über einen steinigen Feldweg, auf dem ab und zu auch Offroader vorbei stauben. Technisch schwierig ist der Weg entsprechend nicht, ich würde allerdings empfehlen, nicht in der brütenden Mittagssonne wandern zu gehen, denn Bäume gibt es auf der Strecke keine.

Oben angekommen, fanden wir einen hübschen Gratweg, den man ein gutes Stück bewandern konnte, um dann einen anderen Weg zurück ins Tal zu nehmen. Während der Aufstieg eher enttäuschend war und mehr Kampf als Wanderung, fühlten wir uns auf dem Gratweg zuhause. Die Aussicht war atemberaubend. Der Abstieg dann aber ziemlich steil und rutschig. Die Knie zitterten als wir die Kletterei endlich überstanden hatten. Trotzdem war zumindest ich froh, dass wir nicht denselben Weg nach unten gewandert sind.

Zurück im Hostel gab es… ihr wisst schon… und ein «Asado», ein typisches argentinisches Barbecue. Nach gut zehn Jahren ohne Fleisch und davon einigen ganz ohne tierische Produkte, griff ich trotzdem zu – zum Reisen gehört schliesslich auch Traditionen und Kulinarik kennenzulernen. Argentinisches Steak heisst «well done». Tagelang kann man so auf diesem Stück Fleisch rumkauen und spart entsprechend einiges an Essenskosten. Danke liebes Rind, dass wir dich essen durften. Was den Abend allerdings so wirklich perfekt machte, waren der Gastgeber Gaston und seine Frau Nati, die mir «Tage wie diese» vorsangen – wer hätte gedacht, dass es in Südamerika Fans der Toten Hosen gibt. (Nun gut, Die Toten Hosen wussten es. Sie spielten nämlich 2018 ein Konzert in Mendoza, an dem Nati mit Campino singen durfte. HERRLICH! Mein Fangirl-Herz kreischt!)

Unterdessen bin ich übrigens schon nach Salta weitergereist – es ist das WiFi, nicht der Wein, der mich zu einer solch langsamen Bloggerin macht – und zwar wieder mit dem Flugzeug. Das kostete fast genauso viel wie die 17-stündige Busfahrt – entsprechend fiel meine Entscheidung einmal mehr gegen das Klima und für den Komfort aus.

Salta

2 Kommentare zu “Mendoza (und der Wein)

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