Keine Vibes in Córdoba

Mein Aufenthalt in Córdoba hat grossartig angefangen. Um nicht mitten in der Nacht eine Bushaltestelle suchen zu müssen, wählte ich das bequeme Taxi. Ich hatte vorgängig etwas gegoogelt, da man bei Taxifahrten in Südamerika grundsätzlich vorsichtig sein sollte. Die Taxis am Flughafen seien aber alle sicher (ausser man steigt natürlich zu irgendeinem Fremden in ein unbeschriftetes Auto ein – aber dann ist man auch einfach ein bisschen doof). Also fuhr ich mit Juan zu meinem Hostel. Obwohl ich ihm erklärte, dass ich nicht viel Spanisch spreche, machte er Konversation, zeigte mir spannende Orte, erklärte mir, welches Hotel ich in Salta, wenn ich denn da sei, unbedingt nehmen müsse, drückte mir einen Stadtplan in die Hand und zeigte mir beim Hostel auch noch in welche Richtung die Hauptattraktionen seien. Total aufgestellt von der netten Taxifahrt (und immer noch aufgedreht vom tollen Flug) betrat ich das Hostel und flog dem Rezeptionisten – immer noch breit grinsend – fast in die Arme. Ein «Achtung Stufe»-Schild wäre hier auf jeden Fall (haha) eine gute Investition.

Der Rezeptionist grinste genauso doof wie ich. Anfänglich dachte ich, er macht sich über mich lustig – soll er doch –, dann erklärte er mir, dass dies sein erster Arbeitstag sei. Entsprechend verliefen wir uns auf dem Weg zu meinem Zimmer auch zweimal. Angekommen, stellte sich heraus, dass sie mich spontan (und ohne Aufpreis) in einen 6er- statt 8er-Schlag umgebucht hatten, damit ich mir nicht das Schnarchen von sieben Männern anhören musste. In diesem Zimmer war bisher nur eine Frau untergebracht, die aber keine der drei Nächte in ihrem Bett verbrachte. (Sondern wahrscheinlich irgendwo bei ein paar «Saideiras».) Wir unterhielten uns nicht. Sie seufzte jedesmal so verzweifelt, wenn sie mich sah, dass ich ihr nicht zu nahe treten wollte.

Zwei meiner drei Tage in Córdoba regnete und nieselte es. Ich stürmte von Laden zu Laden, suchte ein interessantes Museum (das, das mich am meisten interessierte, hatte natürlich erst ab Dienstag geöffnet – also keine Geschichte Córdobas für mich), und versuchte die Schönheit der Stadt auch bei Regen zu entdecken, so wie dies in Rosario der Fall war… aber die Funken wollten nicht fliegen.

In einer Regenpause suchte ich den Parque Sarmiento auf, der einen See besass, auf dem man bei gutem Wetter Pedalo fahren kann. Nun gut, ein Seechen, das schon fast voll war mit versunkenen Booten. Drei Jungs versuchten tatsächlich noch ein Pedalo zu manövrieren (das liegt jetzt wahrscheinlich auch auf Grund). Der Park wirkte, als wäre seit Jahren niemand mehr hier gewesen. Ja, diese Endzeitstimmung gefiel mir irgendwie… aber ganz ehrlich: In dieses Wasser möchte ich nicht fallen. Und so hielt ich mich von den Booten fern.

Am Sonntagabend wagte ich mich dann an den Handwerkermarkt, der nur am Samstag und am Sonntag von 16 bis 22 Uhr stattfindet. Ich war gegen 21 Uhr da, nachdem mir die Rezeptionistin versichert hatte, dass es nicht gefährlich sei, ich könne auch mit dem Handy in der Hand rumspazieren, «nothing will happen». Und sie hatte recht. Das einzige, das passierte, war, dass ich das hippe Güemes-Quartier kennenlernte, das mit schönen Bars und modernen Restaurants aufwartete und die Studenten Córdobas versammelte. Hier steckte er also, der Charme von Córdoba.

Am Montag (also heute) schien dann endlich überraschenderweise die Sonne. Da mein Bus nach Mendoza erst um 22 Uhr fahren würde, streunte ich den Tag etwas durch die Stadt. Ich schlenderte den Alvear-Kanal entlang (der wirklich hübsch ist mit den schönen Steinmauern und den vielen krummen Bäumen) und fand auf dem Paseo Sobremonte eine kleine Oase mit schönem Blick auf den Palacio de Justicia.

Und dennoch: Córdoba ist wohl mein Paris Argentiniens. Denn auch in Paris war ich dreimal und – trotz schöner Flecken – hat die Stadt mich nie in ihren Bann gezogen.

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