Cataratas del Iguazú

Eigentlich möchte ich hier gar nichts schreiben ausser: Fahrt da hin, schaut es euch auch, seid überwältigt! (Und macht unbedingt eine Speedboatfahrt unter die Wasserfälle, am besten in Badesachen und nicht in Jeans.)

… aber irgendwie gibt es dennoch so viel zu erzählen.

Von Rosario nach Puerto Iguazú fuhr ich mit einem Langstreckenbus der Gesellschaft Crucero del Norte. Weil ich relativ spontan buchte und am Samstag reisen wollte, gab es nur einen Bus, der nur über Semicama-Plätze verfügte (Sitze, die man maximal 160° neigen kann). Ich hatte entsprechend keine Wahl und erst im Bus wurde mir bewusst, dass diese Fahrt sogar länger sein würde als mein Flug nach Buenos Aires und ich irgendwie absolut nicht bereit dafür war. Netterweise hatte ich moralische Unterstützung und chattete die halbe Fahrt lang mit Brasilien. Diese moralische Unterstützung half aber nicht über den Gestank im Bus hinweg, auch nicht über die zig lebendigen und toten Schaben und noch weniger über die richtig eklige Toilette… Ich hatte vorgängig viel über Busfahrten in Südamerika gelesen, grundsätzlich seien die wirklich gut, ich glaube, ich hatte einfach ein unglückliches Händchen. Was allerdings auch bedeutet, dass jede zukünftige Busfahrt nur besser werden kann.

Die letzten fünf Stunden im Bus war das WC unbenutzbar – in Puerto Iguazú angekommen, war ich extrem dankbar, dass ich immerhin die Weisheit besessen hatte, ein Hostel vis-à-vis des Busterminals zu buchen. Ich rannte also mit meinem Gepäck über die Strasse, schmiss es in die Rezeption, fragte nach einem WC (der Check-in war erst ein paar Stunden später) und stand 15 Minuten vor einer verschlossenen WC-Tür. Erst ganz kurz vor der Explosion, öffnete sich die Tür und ein total glücklicher, frisch geduschter Asiate kam heraus. Er war ziemlich erstaunt, als ich ihn leicht rabiat aus dem Weg schaufelte…

Nun gut. Anschliessend sass ich ein paar Stunden im Städtchen rum, bevor ich einen Bus zum Park Güirá Oga nahm, der irgendwie spannend aussah (der Park, nicht der Bus). Zu den Wasserfällen wollte ich erst am Montag fahren, dafür braucht man mindestens einen Tag. Beim Park angekommen, stellte ich allerdings fest, dass sie im Dschungel verständlicherweise kein WiFi hatten für Kreditkartenzahlungen und ich zu wenig Bargeld dabei hatte. (Nach knappen drei Stunden Schlaf im Bus, sei mir verziehen, dass ich daran nicht gedacht hatte.) Ich machte mich also zu Fuss auf den Rückweg zum Hostel (gut 1,5 Stunden), kam an der Casa de las Botellas vorbei (ein Haus komplett aus Plastikflaschen, bei dem der Eintritt aber leider auch zu teuer war für mein Cash-Budget) und schliesslich zum Park La Aripuca, der mit 150 Pesos (knapp CHF 3.50) der günstigste war bisher. Ich sparte dann sogar noch 10 Pesos, weil der Kassierer Mitleid mit mir hatte, als ich mein Bargeld zusammenkratzte. La Aripuca (der Name einer Falle, mit der Tiere gefangen wurden, ohne sie zu verletzen) beinhaltet unter anderem eine solche «Aripuca» in Wohnhausgrösse, gebaut aus unterschiedlichen Bäumen aus dem Regenwald der Region Misiones. Ziemlich beeindruckend! Da können unsere (natürlich trotzdem sehr geliebten) Schweizer Bäumchen einpacken. Hier sah ich zudem eine Yerba-Mate-Pflanze, die Pflanze, aus der der Mate der Argentinier hergestellt wird.

La Aripuca

Anschliessend kraxelte ich ins Hostel. Da es in den Zimmern keinen WLAN-Empfang gibt, setzte ich mich in die Rezeption, wo ich einen Argentinier aus Rosario kennenlernte, der hier im Urlaub war. Er erzählte mir, dass er eine Spanierin kennengelernt hatte, die am Montag ebenfalls zu den Cataratas, den Wasserfällen, fahren wollte, sie und ich könnten uns ja zusammentun. Ich dachte mir nichts weiter dabei – wir wollen hier ja keine Zwangsfreundschaften erarbeiten.

Beim Frühstück am nächsten Morgen lernte ich die Spanierin dann allerdings kennen. Ana heisst sie. Es war Liebe auf den ersten Blick. Bereits bei den Leuten, die ich in Buenos Aires getroffen hatte, konnte ich den «Vibe» fühlen. Und mit Ana war es genauso. Wir unterhielten uns, als würden wir uns schon ewig kennen und natürlich fuhren wir zusammen zu den Wasserfällen.

Im Park angekommen, entschieden wir uns eine Speedboattour zu machen. Das ist mit 2000 Pesos im Vergleich zwar ziemlich teuer, aber Leute, es ist es Wert!

Zuerst machten wir allerdings einen Trail, weil die Tour erst eine Stunde später losging. Es gibt mehrere Trails, die alle sehr gut befestigt sind und mit denen auch die Flipflop-Träger kein Problem haben. Und während wir uns zu Beginn noch lautstark unterhalten hatten, waren wir plötzlich still und staunten wie kleine Kinder. Es ist wirklich unbeschreiblich schön. UNBESCHREIBLICH! Deshalb müsst ihr dorthin!

Vor lauter Staunen vertrödelten wir dann fast die Bootsfahrt und mussten rennen, um den Truck zu erwischen, der uns zum Anlegeplatz bringen würde. 30 Minuten dauerte die Fahrt durch den Dschungel, wobei uns Pflanzen und Tiere gezeigt wurden, die uns unterwegs begegneten. Für die Bootsfahrt kriegt man eine wasserdichte Tasche für den Rucksack und die Schuhe, weil man wird ja nass. Und dann ging es los. Nicht einfach geradeaus zu den Wasserfällen, sondern kreuz und quer über den Fluss, über Stock und Stein, eher wie eine Achterbahn- als eine Bootsfahrt. Genau nach meinem Geschmack! Und ja, wir wurden ein bisschen nass. Es wurde sogar einige Zeit für Fotostops eingeplant, damit jeder ein Foto von sich vorne auf dem Boot machen konnte. Und dann ging es erst so richtig los. Der Kapitän navigierte mehrere Male unter die Wasserfälle. Und wir wurden nicht nur ein bisschen nass. Sondern so richtig. Bis das Boot mit Wasser vollgelaufen war. Hätten wir doch zu Beginn wenigstens Hosen und T-Shirts ausgezogen… Aber nun gut… Spass gemacht hat es trotzdem. Und wie!

Nachdem wir uns mit den anderen unvorbereiteten Bootsfahrern im Dschungel ausgezogen und die Kleider ausgewrungen hatten, fuhren wir mit dem parkeigenen Zug zum grössten Wasserfall Garganta del Diablo. Die Sonne sank schon langsam und die Atmosphäre war atemberaubend. Wir liefen einige Minuten über die Stege, die über den sehr ruhigen, friedlichen Fluss führten, dessen Fläche sich bis in den Horizont erstreckt, bevor sich das sanfte Wasser rundherum in unzähligen Wasserfällen tosend in den Abgrund stürzt. Es gibt wirklich keine Worte für dieses Spektakel. Wir standen da. Schüttelten die Köpfe über dieses surreale Bild, das sich uns bot, und genossen die Kraft und Energie, die sich um uns herum entluden.

Mit immer noch nassen Kleidern, sprachlos und unendlich glücklich fuhren wir zurück ins Hostel. Was für ein perfekter Tag!

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