Tigre und Rosario

(Bitte entschuldigt mein langes Schweigen – das WiFi wird von Hostel zu Hostel schwächer.)

Eigentlich wollte ich ja am Montag (22. April – lange her) bereits nach Rosario weiterreisen. Ich hatte auch schon ausgecheckt und sass mit meinen Lieblingsbrasilianern in der Lobby, da erfuhr ich, dass sie nach Tigre fahren wollten. Ich hatte schon sehr viel Positives über Tigre gehört und mir war mehrfach nahe gelegt worden, es zu besuchen. Aber alleine hatte ich keine Lust gehabt. Irgendwie fühlte ich mich aber auch noch nicht bereit, schon weiterzuziehen, und innerhalb von fünf Sekunden war der Entschluss gefasst und ich fuhr mit nach Tigre.

Dummerweise war in Tigre am Montag absolut nichts los. NICHTS. Schliesslich wollten auch die Tigre-aner einmal Wochenende haben. Das Einzige, was wir machen konnten, war eine Schifffahrt durch das Delta des Paraná. Eine Stunde lang braunes Wasser, kalte Winde, versunkene Schiffe und einsame Häuser. Die Natur in Tigre ist wunderschön, die Stimmung sehr friedlich. Wer aber etwas viel Energie hat und Action möchte, dem würde ich empfehlen, einen Tag auszusuchen, an dem die Museen und der Funpark geöffnet sind. Hinzu kam, dass gewisse Metro- und Zugstrecken ausgebaut wurden, wodurch wir einen extrem langen Weg hatten. Auf der Hinfahrt tanzten und sangen wir, auf der Rückfahrt war «der Pfuus duss» und wir schnarchten um die Wette. Kein Wunder: Wir hatten alle nicht mehr als drei Stunden geschlafen, weil wir am Abend zuvor wie Teenager mit Bier und Musik vor dem Polizeiposten gechillt hatten.

Tigre

Da am Abend Karaoke angesagt war (wir versuchten bereits seit Donnerstag eine Bar zu finden, die geöffnet hat – das Osterwochenende ist nicht unbedingt ein gutes Reisedatum), buchte ich zwei zusätzliche Nächte in Buenos Aires und entschied mich, erst am Mittwoch weiterzufahren. Der Karaoke-«Abend» dauerte bis Dienstag um 8 Uhr. Den Dienstag benötigte ich, um mich auszukurieren. Ich verschlief praktisch den ganzen Tag. Erst fürs Abendessen und zur «Saideira», unserem Abschiedsbier in der Lobby, kroch ich aus dem warmen Nest.

Am nächsten Tag ging es für mich dann weiter nach Rosario, einige der Gruppe waren schon weitergezogen, einige blieben. Der Abschied fiel mir wirklich schwer. Die Menschen waren mir ans Herz gewachsen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns wieder sehen werden.

Bevor ich nach Rosario kam, hatte ich natürlich etwas gegoogelt. Online findet man Tips wie «falls du da keine Familie hast oder geschäftlich hinmusst – bleib weg, viel zu gefährlich», aber auch das Gegenteil, dass es eine wunderschöne Stadt sei und so weiter. Da in Rosario die argentinische Flagge zum ersten Mal gehisst wurde und es auch Che Guevaras Geburtsort ist, wollte ich es mir dennoch anschauen. Eine kleine Stadt mit viel historischem Hintergrund kann ich mir doch nicht entgehen lassen.

Fast fünf Stunden dauerte die Busfahrt von Buenos Aires aus. Wobei wir nur schon 20 Minuten brauchten, um einmal um das Busterminal zu fahren – Buenos Aires ist momentan wirklich eine einzige grosse Baustelle.

Da der Bus ziemlich unterkühlt war, erreichte ich Rosario mit Halsschmerzen und Schnupfen. Als ich im Hostel ankam, hatte ich nicht das Gefühl, dass dieses Hostel gross zur Genesung beitragen würde. Es war zwar wirklich süss, sehr heimelig und eher wie Leben in einer Gastfamilie, aber die Zimmer hatten Glastüren, die sich nicht abschliessen liessen und die beiden Badezimmertüren konnte man auch nicht richtig schliessen. Man duschte praktisch in der Rezeption. Nun gut, ich denke, man gewöhnt sich mit jedem Hostelaufenthalt an neue Unannehmlichkeiten.

Ich begann also meinen Besuch in Rosario etwa so wie in Buenos Aires: grantig und genervt und alles andere als mit offenem Herzen. Hinzu kam, dass das Wetter wirklich schlecht war. Es regnete, war kalt und windig. Sehr windig. Nicht gerade das beste Wetter, um eine Stadt zu besichtigen. Und obwohl ich keine Lust hatte, musste ich unbedingt raus und eine Wäscherei finden. Mein gestörter Tagesablauf in Buenos Aires hatte irgendwie dazu geführt, dass ich keine saubere Wäsche mehr hatte. Als ich dann schon mal draussen war und mein Herz trotz des Wetters etwas öffnete, fand ich den Charme von Rosario ziemlich schnell: Die Stadt ist im Gegensatz zu Buenos Aires viel kleiner, die Gebäude nicht so einschüchternd hoch, aber historisch genauso wertvoll, zwischen «neuen» halbzerfallenen Papierhäusern hat es überall Schmuckstücke aus dem 17. Jahrhundert – und zumindest am Tag sehe ich keinen Grund, warum man der Stadt fernbleiben soll. Auch im Hostel wurde mir versichert, dass man im Zentrum am Tag total sicher ist. Und auch im Regen ist die Stadt wunderschön: Das Ufer des Paraná war bis auf die Fischer und mich praktisch verlassen und auch das atemberaubende Monument für die argentinische Flagge hatte ich fast für mich alleine. Ich kann mir nur vorstellen, wie schön Rosario sein muss, wenn die Sonne scheint und man am Ufer spazieren gehen kann, ohne davon gewindet zu werden, oder Kayak fahren oder auf der Flussinsel Reiten gehen…

Monumento a la Bandera, Rosario
Paraná-Ufer

Am Samstag, 27. April, fuhr (hier stand einmal «fahre») ich weiter zu den Iguazú-Wasserfällen. Ich möchte sowohl die argentinische wie auch die brasilianische Seite sehen. Das Wetter soll allerdings auch da eher regnerisch und gewitterig sein. Aber immerhin warm, bei 26° C.

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