Kleine Schritte, lange Wege

Der erste Tag

Mein Hostel liegt im Florida-Quartier, eine Fussgängerzone mit allerlei Läden, Strassenverkäufern und dutzenden «Cambio»-schreienden Geldwechslern. Meine ersten Schritte in dieser ungewohnten Umgebung sind zögerlich, werden immer bestimmter, und führen mich von den Menschenmengen weg in Richtung Naturschutzgebiet und Wasser. Dichtestress – nach vier Jahren im Home-Office muss ich mich wohl zuerst wieder an Menschen gewöhnen.

Wie schon am Flughafen ist das Presslufthammergeräusch auch in der Stadt ein dauernder Begleiter. Statt zielstrebig von A nach B, laufe ich planlose Kreise und Zickzack. Nach ein paar durch Absperrungen verursachten Sackgassen, gelange ich endlich ins Puerto-Madero-Quartier, in dem sich verglaste Hochhäuser aneinanderreihen, was mich sehr an Vancouver erinnert. Der Park Reserva Ecológica Costanera Sur, mein eigentliches Ziel, begrüsst mich dann aber leider mit geschlossenen Toren. Auf dem Schild steht gross: «Öffnungszeiten ab April: Dienstag bis Sonntag, 8 bis 18 Uhr.» Es ist April. 15 Uhr. Donnerstag. So viel zu den Schildern. Oh, da hängt ja noch ein handschriftliches, vielleicht steht da etwas dazu. Jup: «April, Dienstag bis Sonntag, 8 bis 18 Uhr.» Tja, dann nicht.

Ich schlendere also noch ein bisschen planlos umher, besichtige die Messi-Statue, von der bis auf die Füsse nichts mehr steht, und frage mich, was die perfekte Kleidung für dieses Klima wäre: Durch die vom Atlantik her wehenden Winde, ist es vor allem im Schatten sehr frisch, während es in der prallen Sonne fast unerträglich heiss ist. Hoffentlich gewöhne ich mich daran.

Die Füsse von Lionel Messi

Zu Fuss von Florida nach Palermo

An meinem zweiten Tag mache ich mich auf nach Palermo. Wenn es schon möglich ist, zu Fuss von Florida nach Palermo zu gelangen, will ich das auch tun! Unterwegs stolpere ich über ein paar Tourismusmagnete wie den Cementerio de la Recoleta – in einem dessen riesigen Mausoleen auch Eva Perón (besser bekannt als Evita) begraben liegt –, den EcoParque – früher der Zoo, tatsächlich sehe ich eine Giraffe und ein paar Strausse, der Rest ist abgesperrt, da (Überraschung!) im Umbau – sowie den Park um den Lago de Rosedal. Dieser Park ist wunderschön zurechtgemacht, beherbergt einen Poetenweg mit Büsten berühmter Dichter (auch Shakespeare ist dabei, juhuu), einen Rosenweg sowie eine kleine Theaterbühne im See. Hier gefällt es mir. Hier bleibe ich ein bisschen.

Lago de Rosedal

Nach etwas Erholung und insgesamt gut vier Stunden Fussmarsch, erreiche ich den Parque Norte beziehungsweise die dazugehörige Promenade, von der aus ich die Flussmündung des Rio de la Plata begutachten kann. Zuerst habe ich den Fluss gar nicht erkannt, mein verwöhntes Auge hat blaues Wasser erwartet, aber der Rio de la Plata trägt so viel Schlamm mit sich, dass das Wasser effektiv braun ist. Die Anzahl Fischer (unendlich viele) lässt darauf schliessen, dass es immerhin nur Schlamm ist und nichts Schädliches.

Rio de la Plata

Ziemlich kaputt, verschwitzt und hungrig betrete ich ein Restaurant. Der Kellner und ich erschrecken wohl gleichermassen. Es erstaunt mich sehr, dass hier, an diesem «abgelegenen» Ort, nur Menschen in Businessklamotten sitzen und auch die Kellner mit weissem Hemd und Sakko zurechtgemacht sind. Und der Kellner (und die Gäste), finden es wohl nicht prickelnd, wenn sich ein Tourist im Tanktop und Sportschuhen in diese gediegene Atmosphäre verläuft… Nichtsdestotrotz werde ich ganz freundlich bedient und geniesse meine Cerveza in dem hübschen Patio. (Trotz gediegener Atmosphäre, ist es zum Glück durchaus bezahlbar.)

Hin und zurück

Nun bin ich vier Stunden da hinausgewatschelt, nun muss ich auch wieder zurück. Damit sich der Ausflug so richtig lohnt, wähle ich einen Weg dem Fluss entlang. Gemäss maps.me wäre der auch etwas kürzer. Durch die erschwerenden Umstände (Baustellen…) muss ich allerdings einmal mehr in den Zickzack-Marsch verfallen, was dazu führt, dass ich erst beim Eindunkeln wieder in Florida bin. Und hier finde ich den Spirit, den ich bisher etwas vermisst habe. Die Fussgängerzonen sind hübsch beleuchtet, Menschen schlendern durch die Strassen (und rennen nicht) und irgendwie ist es fast schon friedlich. Hier gefällt es mir, hier bleibe ich ein bisschen.

Highlight:

Trotz meines auffälligen Touristenlooks und dem mich als Hostelgast markierenden Papierarmbändchen werde ich zweimal auf Spanisch nach dem Weg gefragt. Einmal kann ich sogar helfen. Mit Händen. Ohne Füsse.

4 Kommentare zu “Kleine Schritte, lange Wege

    • Danke für den ersten Kommentar! 😀 Ich war leider etwas „verschollen“ im Nachtleben von Buenos Aires die letzten Tage, werde aber bald wieder von mir hören lassen 🙂 Ganz liebe Grüsse, Anna

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  1. Liebe Anna von Herzen wünschen wir Dir alles gute zu Deinem Geburtstag und weiterhin viel Spass am Reisen und entdecken. Heb Sorg.. liebe Grüsse Roswitha und Christoph

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