Reisevorbereitungen à la Anna

Ich bin die Königin der Pokastri…Prokastri… ihr wisst schon… Die Vorfreude ist gross, die Träume noch grösser, die Zeit (wird immer) knapp(er), der Umsetzungswille hält sich in Grenzen.

Seit vier Monaten weiss ich nun schon, dass meine Tage ab Ende März 2019 nicht mehr mit bezahlter Arbeit ausgelastet sein werden, und ich im April mit dem Rucksack die Welt – oder zumindest Südamerika – bereisen möchte… Und dennoch hatte ich bis Ende März praktisch nichts geplant. Nun gut, ich hatte mich impfen lassen gegen alle möglichen Krankheiten – was etwas kompliziert war, da ich ja noch nicht wusste, wohin ich genau gehen werde –, ebenso hatte ich bereits einen Flug nach Buenos Aires, ein Hostelbett für zehn Tage und einen Sprachkurs für sage und schreibe fünf Vormittage gebucht. Auch wenn spontanes Reisen durchaus mein Plan ist, wäre es doch gut, mich noch etwas schlau zu machen über die Länder, die ich unter die Lupe nehmen möchte: Topografie, Wetter, die Möglichkeiten von A nach B zu gelangen oder auch herrschende Gefahren, die ich als behütet aufgewachsene Schweizerin meist zu verdrängen weiss.

Bereits im Februar hatte ich den «Atlas Obscura», ein Weihnachtsgeschenk meines Bruders, zur Hand genommen und mir ein paar spannende Orte notiert. In einem meiner zehn Notizbücher. So wusste ich immerhin schon, dass es Argentinien, Chile und Peru sein werden, die ich besuchen möchte. Aktuell suche ich jedoch wieder nach dem richtigen Notizbuch und den Seiten, die meine damaligen Gedanken sammeln.

Als ich am 29. März den ersten Tag meiner neu gewonnenen Freiheit genoss, wollte ich mich direkt in die Vorbereitungen stürzen. Schliesslich besass ich weder einen guten Reiserucksack, noch die richtigen Schuhe. Eigentlich nichts, das wirklich für längere Reisen gedacht ist. Ich hatte nicht einmal gegoogelt, was denn eine gute Ausrüstung sein könnte. Gegen Mittag rief mich meine beste Freundin an, um sich zu erkunden, was ich so treibe. Geputzt hatte ich. Den Müll weggebracht. Meinen Bürotisch aufgeräumt. «Versuchst du, dich vor der Planung zu drücken?», fragte sie mich knallhart. «Nein, natürlich nicht. Das sind alles Dinge, die auch gemacht werden müssen», war meine aufrichtig gemeinte Antwort, die keine Minute später mit «Argh, du hast recht. Ja. Südamerika ist zu gross. Ich weiss nicht, wo ich anfangen soll», ergänzt wurde.

T minus zwölf. Und ich hatte immer noch nichts gemacht. Zudem musste ich mich ja auch darum kümmern, dass ich bald nicht mehr versichert war und arbeitslos und und und. Aber ich hatte ja noch zwölf Tage. Das reicht schon. Wer wird denn da schon nervös werden? Naja… mein Freund. Mein Freund wurde nervös. Zum Einen möchte er mich natürlich nicht gehen lassen (er hat auch schon nachgefragt, ob ich mit einem gebrochenen Bein denn zuhause bleiben würde), zum Anderen hätte er schon lange einen 20-seitigen Reiseplan geschrieben und seit zwei Monaten die Koffer gepackt. Auch das mit Versicherungen usw. hätte er schon lange geregelt und könnte so die letzten paar Tage einfach auf dem Sofa verbringen und warten bis die Reise losgeht. Was ich bei der Arbeit konnte, kann ich im Privatleben aber irgendwie nicht. Ich schreibe brav Listen, die immer länger werden und erledige die Sachen der Liste dann um fünf vor zwölf. Oder um zwei vor.

Es ist jetzt Dienstag. Ich habe einen 60-Liter-Reiserucksack gekauft, ein RFID-Portemonnaie gegen böses Kopieren meiner Kreditkarten und einen sexy Bauchgürtel (in Seide, der aussieht wie eine überdimensionierte Schlafmaske) in dem ich meinen Pass unter dem T-Shirt verstecken kann. Ich fühle mich paranoid. Und pleite. Ich bin froh, habe ich den Flug schon gebucht, sonst müsste ich wohl doch zuhause bleiben.

T minus acht.

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