Angriff der Killerbienen

Es war Sonntag, 1. März 2020. Wir machten uns auf zu einem Kletterabenteuer in Altos de Campana, einem Naturschutzgebiet eine Stunde südwestlich von Panama Stadt. Zu sechst und mit Hund reisten wir zum «Acid Rock». Ich freute mich, hatte ich doch erst zwei Wochen vorher einen Felsen erklommen und mich ein bisschen in die Sportart verliebt.

Bevor wir uns auf den etwa halbstündigen, sehr schmalen und unwirtlichen Weg durch den Dschungel machten, erfuhr ich noch, dass ein paar Wochen zuvor an genau diesem Felsen eine Gruppe Kletterer von Bienen angegriffen worden sei … Naja, mein Wissensstand bezüglich Bienen: Wer sie in Ruhe lässt und nicht provoziert, wird auch nicht gestochen – das sollte also kein Problem werden.

An der Kletterstelle angekommen, befestigten wir eine Reisehängematte im Baum und die besseren Kletterer unter uns (also ich nicht), machten sich auf an die Wand. Schon nach wenigen Minuten fand der sonst so sanfte Hund ein paar Bienen – wer wen attackierte, war unklar. Vereinzelt kamen einige der Insekten verdächtig nahe zu uns, ich stand so still wie möglich, fuchtelte nicht, hoffte, sie würden sich wieder verziehen.

Ein perfekter Klettertag

Derly hatte schon ein oder zwei Routen erklommen, Luis fing gerade an, eine Route im Vorstieg zu klettern als die Bienen immer zahlreicher wurden. Aus dem Nichts heraus stach mich eine in die Stirn. Das war der Anfang vom Ende. Ich solle mich doch in die Hängematte legen und zudecken, rief man mir von der Wand zu, als sich immer mehr Bienen um mich versammelten. Eingemummelt in der Hängematte hörte ich das Summen der Bienen aber immer noch ganz nahe und hörte auch, wie Derly und Lorgio ihre sieben Sachen packten und fanden, sie würden an einer anderen Stelle weiter unten klettern gehen. Daraufhin schlich auch ich mich langsam aus der Hängematte und stand in einem Schwarm Bienen. Ich packte die Hängematte zusammen, rannte an den zwei anderen Mädels, Aalia und Joritzel, vorbei, sowie an David, der Luis sicherte, der seinerseits noch im Berg «hing». Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch das Gefühl, ich sei die Einzige, die von Bienen verfolgt wurde und, dass, wenn ich mich nur genug schnell von der Gruppe entfernte und die Bienen «ablenkte», die anderen mehr oder weniger heil davon kommen würden. Ich stolperte über Stock und Stein, bis ich nicht mehr weiter kam: Entweder zurück durch die stacheligen Büsche, wo ich aber auch keinen Weg erspähen konnte oder geradeaus über zwei Meter senkrecht an einem glatten Fels entlang in die Tiefe, in der Hoffnung, der schmale von Blättern bedeckte (und vielleicht mit Skorpionen übersäte) Weg würde mich auffangen. Ich fühlte mich in einer Falle, das Summen wurde immer lauter, unzählige Bienen schwirrten um meinen Kopf und ich wedelte wie wild, damit sie sich nicht auf Nase und Mund setzen konnten – was sie zweifellos anstrebten. Ich versuchte mich erfolglos mit der Hängematte zu schützen, als das nicht gelang, brach ich in Panik aus. Ich schrie «Ayuda», obwohl mir absolut bewusst war, dass – auch wenn mir jemand zu Hilfe eilen würde – das absolut nichts an der Situation ändern würde. Ich fühlte mich wie im Film. Irgendwie dachte ich noch, «das passiert doch gar nicht wirklich», aber es passierte eben doch. Ich riss mich zusammen und sprang, rutschte, fiel den Felsen hinunter, landete auf dem Weg und verlor die Balance. Mein Sturz wurde von einem dünnen lianenartigen Pflanzenwesen gebremst, das sich mir um den Hals legte. (Den Schnitt und die blauen Flecken, die die Natur da an meinem Hals hinterliess, konnte man später ganz deutlich erkennen.) Die Bienen waren immer noch da. Ich befreite mich von der Pflanze, kletterte dem «offiziellen» Weg entlang wieder etwas nach oben, rannte schreiend an Derly und Lorgio vorbei, die von den Bienen grösstenteils verschont geblieben waren und mir die Richtung zum Auto zeigten. Endlich aus dem Dschungel raus, rannte ich über die struppige Steppe und legte mich in den winzigen Schatten hinter dem Auto. Ich hatte Durst, Angst, und es war abartig heiss. Wenige Minuten später tauchten die anderen Mädels auf, Aalia war auch ziemlich verstochen, zudem war sie offenbar allergisch – zum Glück passierte ihr aber nichts Schlimmes! Joritzel erzählte, dass sie auch vom Weg abgekommen und in einem Gebüsch gelandet war, wohin sie die Bienen offenbar nicht verfolgten. Derly und Lorgio kamen angerannt. Dann kam David – schrie über die Steppe, er bräuchte Hilfe, Luis aus dem Dschungel zu tragen.

Wir versuchten unterdessen eine Ambulanz zu erreichen und ein Auto zu stoppen. («Unser» Autoschlüssel lag noch in Luis’ Rucksack oben am Berg.) Es war eine nicht sehr befahrene Strecke und wir hatten Glück im Unglück: Eine Ambulanz wollten sie uns nicht schicken, sie hätten gerade keine und offenbar zählten wir nicht zu den Rettungswürdigen, jedoch hielt ein kleiner Lieferwagen an.

In der Zwischenzeit schleppten David und Lorgio Luis vom Berg. Als ich ihn sah, war es um meine Selbstbeherrschung geschehen. Luis’ Gesicht und Oberkörper waren übersät von roten Einstichstellen, er konnte die Augen kaum offenhalten, geschweige denn auf eigenen Beinen stehen. Er sah schrecklich aus, ich hatte Angst um ihn und fühlte mich schuldig, den anderen nicht mehr geholfen zu haben, und dumm, dass meine paar Stiche mich so in Panik versetzt hatten.

Luis …

Der Lieferwagenfahrer erklärte uns, dass er uns nicht mitnehmen könne, weil er arbeite und frisches Brot geladen hatte … doch das war Lorgio egal. Er riss die Türen auf, setzte Luis hinein, delegierte Aalia, Joritzel und mich mitzufahren. Ihn selbst, Derly und David hatte es nicht so krass erwischt, sie wollten sich um Luis’ Auto kümmern und Kletterausrüstung und Rucksäcke vom Berg holen – denn wir hatten fast alles zurückgelassen.

Kurz nach Abfahrt begann die grosse Kotzerei. Der Fahrer wurde wütend – sein Brot war jetzt definitiv für den Müll – und fragte «Was habt ihr denn alles genommen?» Erst als Joritzel ihm erklärte, dass wir wirklich nichts genommen oder getrunken hatten, ausser unfreiwillig viel Bienengift, dämmerte ihm, dass wir wirklich dringend in ein Spital mussten. Panamas Strassen und Autofahrer waren mir noch nie geheuer, und während der wilden, gut 45-minütigen Fahrt wusste ich nicht, ob ich mehr Angst vor dem Tod durch Bienengift oder durch einen Autounfall hatte.

Endlich im Spital angekommen, wurden Aalia und Luis direkt betreut – das heisst, während ich ab und zu in einen Mülleimer kotzte, musste ich mich noch darum kümmern, den von Schmerzen völlig zerstörten Luis aus der Dusche zu holen, weil, wie mir der Pflegehelfer erklärte, das nicht seine Aufgabe war …

Ich setzte mich in den Korridor vor das Zimmer, in dem Aalia und Luis verschwunden waren, eine Pflegerin nahm meine Daten auf und verfrachtete mich dann, nachdem ich in einen weiteren Mülleimer gekotzt hatte, in den Wartesaal. Ich legte mich in eine Ecke, hob ab und zu den Kopf, um mich in den grossen Eimer vor mir zu übergeben und dachte, dass mich irgendwann jemand abholen würde … Nichts geschah. Nach gut einer Stunde – wie ich später feststellte –, es war vielleicht so 16 Uhr, ging ich zurück auf die Station, stellte mich wackelig vor eine «neue» Krankenschwester, die mich ohne weitere Fragen mitnahm und auf das Bett zwischen Luis und Aalia bugsierte. Ich wollte nur noch schlafen. Alles war mir egal. Sie hängten mich an den Tropf und zogen 130 Bienenstacheln aus meinem Körper – an einigen hingen sogar noch Bienen dran. Ich hatte wahnsinnig Durst, die Krankenschwestern verweigerten mir aber das Wasser. Dann hatte ich kalt – und ohne Joritzels Hilfe hätte ich aber nie eine Decke gekriegt. Aalias Familie kam und brachte uns Snacks und dann zum Glück auch Wasser. Wir fanden allerdings schnell heraus, warum sie uns kein Wasser hatten geben wollten: Durch die Medis konnten wir nichts bei uns behalten und Luis kotzte einmal quer über den Zimmerboden. Wir riefen nach Krankenschwestern, irgendjemandem, der putzen würde. Mehrmals. Schliesslich kam Joritzel mit Eimer und Mopp und putzte den Boden selbst … (Als angehende Ärztin wusste sie nicht nur, wie sie mit uns umgehen musste, sondern auch, was in Spitälern so lief – oder eben nicht.)

Als ich so vor mich hindöste, entfernten sie mich plötzlich samt Bett aus dem Zimmer und stellten mich in eine Ecke im Korridor zu ein paar anderen Patienten. Müde Panik brach in mir aus: Mein Rucksack war noch im Zimmer, mein Spanisch klang gerade sehr betrunken und ich hatte schlicht Angst, dass sie mich hier vergessen würden. Dem war zum Glück nicht so: Aalias Mutter weckte mich vielleicht so gegen 17.30 Uhr und brachte mir Schuhe und Rucksack. Da Luis wahrscheinlich über Nacht im Spital bleiben musste, würden sie sich von nun an um mich kümmern, sie würden mich auch nicht ins Hostel fahren, sondern zu sich nachhause nehmen. Ich wollte weinen vor Dankbarkeit und Erleichterung. Sie brachte mich sogar zur Toilette. Als wir dann allerdings zurück zu meinem Bett wollten, hiess es, wir müssten jetzt in einem anderen Raum warten, ein Patient mit Verdacht auf Corona käme gleich mit der Ambulanz, alle Korridore müssten leer sein.

Nur ein paar Minuten später kam aber die Krankenschwester wieder und fragte uns: «¿Dónde está el muchacho?» – «Wo ist der Bursche?» – «Na, da in diesem Zimmer schräg gegenüber von hier …» – «Nein, da ist er eben nicht …» JETZT HATTEN SIE TATSÄCHLICH LUIS VERLOREN. Meinen Angstzuständen half das wirklich nicht. Einmal mehr fühlte ich mich wie im Film. Machtlos und ein bisschen verarscht.

Nach einer Viertelstunde warten – ohne dass dieser Corona-Patient kam –, schlichen wir uns in den Korridor, packten meinen Rucksack, und setzten uns zu Aalia und ihrer Schwester in den Wartesaal. Die liebe Familie hatte meine Rechnung schon bezahlt, wir mussten aber noch auf meine Abschlusskonsultation beim Arzt warten, der mir Rezepte für Medikamente und das weitere Vorgehen erklären sollte. Wir warteten und warteten, ich wollte immer noch vor mich hin sterben, vermisste mein T-Shirt, das auf meinem Bett zurückgeblieben war (und so wie ich die Lage einschätze, bis heute noch da liegt), und gemeinsam nervöselten wir, weil wir nicht einmal wussten, ob sie Luis in der Zwischenzeit gefunden hatten.

Immer wieder fragten wir, wann wir endlich die Konsultation beim Arzt hatten – und, ob mir doch bitte endlich jemand die Spritze aus dem Arm nehmen wollte, die sie mir nach der Entfernung des Tropfs da reingesteckt hatten … Der potenzielle Corona-Fall hatte einfach alles stillgelegt.. Gegen 20 Uhr sagte uns dann eine Krankenschwester, dass wir sowieso im falschen Wartesaal sassen und schickte uns in einen anderen. Wir warteten eine weitere Stunde, ich lernte Luis’ Mutter kennen, die unterdessen auch angekommen war, aber Luis noch nicht hatte sehen dürfen – bis dann plötzlich die Tür aufging und ein völlig geschwollener Luis vor uns stand. 500 Bienestiche zollten ihren Tribut. Und ja, offenbar durfte er nach Hause und ich sollte doch mit ihm mit und nicht mit Aalias Familie. Erst jetzt erfuhr ich allerdings, dass Aalias Familie tatsächlich nur wegen mir noch da war. Sie hatte ihre Abschlusskonsultation schon um 18 Uhr gehabt und hätte schon lange nach Hause gehen können … Wie kann man nur so lieb sein! Tatsächlich hatte auch Luis seine Rezepte schon bezogen … Nur ich wartete noch. Irgendwie gehen Ausländer da noch mehr unter dem Radar durch, als der aus dem ganzen Gesicht blutende Panamaer, der sicher 45 Minuten lang versuchte, einen Arzt zu sehen …

Ein paar Bienenstiche und eine blutgefüllte Spritze.

Es war schon fast 23 Uhr als ich ENDLICH zum Arzt durfte. ENDLICH wurde mir die Spritze aus dem Arm gezogen und ENDLICH konnten wir nach Hause fahren. Ich durfte das Gästezimmer bei Luis’ Familie belegen und schlief etwa 18 Stunden durch.

Ein erfolgreicher Sonntag. 15 Minuten Kletterspass – 8 Stunden Spital. So hatten wir uns das sicher nicht vorgestellt.

Der Tag danach. Ein bisschen geschwollen … die meisten Einstichstellen verwandelten sich dann in kleine Eiterpickel. Yummie.
Ein bisschen sehr geschwollen.

Luis’ Geschichte

«Ich sah dich von oben und habe dir zugerufen, dass du nach rechts gehen sollst, da wärst du zum Weg gekommen. Ich wollte dir helfen, doch ich hing ja noch im Berg und du hast mich nicht gehört. Die Bienen begannen, mich anzugreifen. Ich zog mein T-Shirt über den Kopf, doch sie flogen einfach hinein. Ich hatte noch versucht, die Route abzubauen, merkte dann aber, dass das nicht mehr möglich war und begann mich von Hand abzuseilen. David war zwar noch in der Nähe, aber sicherte mich nicht mehr am Seil, weil auch er vor den Bienen fliehen musste. Ich sah, wie er unten herumrannte, um von ihnen weg zu kommen. Plötzlich konnte ich mich nicht mehr weiter abseilen, weil das Grigri-Sicherungsgerät noch im Seil hing und in einem Karabiner feststeckte. Ich war mit Bienen übersät, schrie vor Schmerzen und Panik um Hilfe – nach zwei oder drei Schreien konnte ich gar nicht mehr schreien, weil die Bienen versuchten in meinen Mund zu fliegen. David hatte mich aber gehört, kam und entfernte das Grigri und ich seilte mich weiter ab. Ich schloss meine Augen und versuchte es blind, weil die Bienen auch meine Augen angriffen. Doch dann ein paar Fuss über dem Boden hing das Seil wieder fest, in einem Baum oder Gebüsch. Ich versuchte es mit meinen Händen zu befreien, doch nichts passierte. Ich dachte, das wars jetzt. Jetzt stecke ich hier fest und bin den Bienen ausgeliefert. Doch plötzlich, ich weiss nicht wie, löste sich das Seil und ich glitt sanft zu Boden. Bis heute weiss ich nicht, was passiert war. Wer mir geholfen hat. Es war so ein seltsames Gefühl. Ein Wunder. Ich stieg aus dem Klettergurt und rannte so schnell wie ich konnte den Weg herunter, so schnell bin ich noch nie gerannt. Nach ein paar Metern, als ich den «Hotspot» der Bienen hinter mir gelassen hatte, spürte ich, wie mein Körper aufzugeben begann. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich jetzt hinlegen und schlafen sollte, um Energie zu gewinnen, dass mir nichts passieren konnte und ich nach dem Schlafen weiter flüchten konnte. Da war mir noch nicht bewusst, dass die Bienen mich hätten töten können. Zum Glück kamen dann David und Lorgio und retteten mich.»

Die Bienen

Jeder, dem ich vom Angriff der Killerbienen erzähle, sagt zuerst «Aber Bienen sind doch gar nicht aggressiv? Was habt ihr dann gemacht?» Worauf ich antworten kann: «Es waren afrikanisierte Honigbienen.» Dank der toten Bienen, die uns die Ärzte aus Ohren und Haaren zogen, konnten sie feststellen, dass dies keine «normale» Bienen waren, sondern Hybride, die in den tropischen und subtropischen Zonen des amerikanischen Doppelkontinents vorkommen.

Wikipedia sagt dazu: «Die Hybride von Apis mellifera entstehen immer wieder durch die Vermischung (Kreuzung) imkerlich bewirtschafteter Bienenvölker mit gelegentlich zugesetzten Königinnen aus europäischer Abstammung und Drohnen dominanter, wild lebender Bienenvölker afrikanischer Abstammung. Sowohl diese Hybride als auch nur die wild lebenden Bienen werden wegen ihrer Angriffslust oft auch als Killerbienen bezeichnet.»

Biene ist also nicht gleich Biene.

An mehr oder weniger normalen Tagen sehen wir übrigens so aus. 😂❤️

Ich war nach meinem letzten Blog ein bizzeli schreibfaul, ich gebe es zu. Aus aktuellem Anlass möchte ich euch jedoch über meine Erfahrung mit Corona in Panama berichten. Ich war vom 28. Januar bis am 21. Juli 2020 in Panama, davon vom 24. März bis am 21. Juli in Quarantäne. Im Gegensatz zur Schweiz wurden in Panama nicht nur gewisse Läden und Schulen geschlossen und Versammlungsverbote ausgesprochen sondern zusätzlich richtige Ausgangssperren verordnet.

Panama
4 098 000 Einwohner1
75 517 km² Fläche1
Coronafälle: 67 4532
Corona-Todesfälle: 1 4712
Quellen: 1 Wikipedia; 2 worldometers.info

Was wann in Panama geschah (ohne Anspruch auf Vollständigkeit – gar nicht):

9. März 2020

Der erste offizielle Corona-Fall wurde gemeldet.

13. März 2020

Der Präsident erklärte den «Estado de emergencia».

17. März 2020

Die erste Ausgangssperre wurde erlassen: Zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr früh durfte nur auf die Strasse, wer einen Passierschein bzw. «Salvoconducto» besass.

Leere Strassen

23./24. März 2020

Per Dekret wurde die Schliessung der meisten nicht essentiellen Geschäfte (Restaurants, Transportwesen, Banken uvm.) ab dem 23. März erlassen.

Ab dem 24. März wurde die Ausgangssperre auf 24 Stunden ausgeweitet. Es war uns erlaubt jeden Tag für zwei Stunden raus zu gehen und zwar gemäss letzter Ziffer der Passnummer (meine Passnummer endet auf 4 somit durfte ich von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr einkaufen gehen). Ebenfalls wurde das «Ley Seca» verabschiedet: Bis auf Weiteres (schliesslich bis am 8. Mai 2020) war der Verkauf und Konsum von Alkohol verboten.

Eine der drastischsten Massnahmen war wohl, dass der Flughafen für internationale Flüge gesperrt wurde – vorerst nur für einen Monat, die Sperre wurde jedoch mehrmals verlängert. Aktueller Stand (3. August) ist, dass der normale Flugbetrieb erst wieder ab Ende August aufgenommen wird.

Als der erste offizielle Corona-Fall in Panama bekannt wurde, überraschte uns das nicht gross, schliesslich beobachteten wir das Geschehen im Osten aus der Ferne mit. Was mich jedoch überraschte, war die Schnelligkeit, mit der neue Dekrete erlassen wurden. Kaum hatte man sich an die nächtliche Ausgangssperre gewöhnt, wurde diese bereits auf 24 Stunden ausgeweitet. Die Massnahmen und auch die Geschwindigkeit, in der die Dekrete umgesetzt wurden, konnte ich allerdings sehr gut verstehen. Bei einem Vorfall ein paar Wochen zuvor durfte ich einen Spital von innen kennenlernen und der war bei Normalbetrieb schon so überlastet, dass sie einen Patienten nicht mehr fanden (ja, das gibt es offenbar nicht nur im Film…).

Ich zog es eigentlich gar nicht in Betracht, nachhause zu fliegen. Aufgrund der schnellen und strikten Massnahmen dachte ich, wir würden einen Monat einen «krassen» Lockdown haben und dann – auch wenn das Virus entgegen Trumps professioneller Meinung natürlich nicht einfach so wieder verschwindet – langsam wieder zu einer vorsichtigen Normalität zurückkehren. Einige der Leute im Hostel reisten nachhause oder sogar noch schnell in ein günstigeres Land, wie Kolumbien, um da die Krise durchzustehen. Ich hatte das unendliche Glück, dass Luis, ein Panamaer, den ich ziemlich am Anfang meines Aufenthalts kennenlernte, mich bei seiner Familie unterbrachte, und ich nicht im Hostel bleiben musste.

1. April 2020

Die Ausgangssperre wurde weiter verschärft: Montag, Mittwoch und Freitag durften die Frauen raus, Dienstag, Donnerstag und Samstag war «Männertag» – und zwar immer noch gemäss Passnummer, also nur zwei Stunden pro Tag und nur für Notwendiges. Sonntag mussten alle zuhause bleiben. Kontrolliert wurde dies sowohl im Supermarkteingang sowie mittels Polizeiposten entlang den Hauptstrassen.

13. April 2020

Die Maskenpflicht für Supermärkte und Drogerien wurde eingeführt.

Tatsächlich stand ich an diesem Tag in der Schlange vor dem Supermarkt (mit schön 1,5 Metern Abstand) und wurde (fast) abgewiesen. Die nette Dame, die hinter mir in der Schlange stand, schenkte mir eine Maske und rettete so meinen Einkaufstrip.

Einkaufen mit Abstand und Maske – Hände- und Schuhe werden am Eingang desinfiziert sowie die Temperatur gemessen

April/Mai

Von April bis Ende Mai wurden immer wieder Dekrete erlassen. Keines davon änderte jedoch an meiner persönlichen Gesamtsituation etwas.

Die Zeit in der «absoluten Quarantäne», wie sie es nannten, war hart – ich würde lügen, würde ich etwas anderes behaupten.

Der erste Monat war noch ganz okay, wir rechneten damit, dass bald Lockerungen kommen würden, planten Ausflüge für «danach» und genossen die Tage des erlaubten Nichtstuns. Ich arbeitete weiterhin als selbständige Übersetzerin und die Stunden ohne Arbeit füllten wir mit heiterem Domino-Spiel, «Friends»-Marathons und Kraft- und Klettertraining im kleinen Garten hinter dem Haus. Es war herrlich, es schien absehbar. Auch das Fehlen von Bier und Wein fiel gar nicht gross auf.

Ich hatte grosses Glück, bei einer Familie untergekommen zu sein, die mich wie ein Familienmitglied behandelte – oder eigentlich ja sogar besser. Ich musste mir keine Sorgen machen über Essen und hatte ein Dach über dem Kopf.

Und dennoch. Auch wenn ich gearbeitet, gelesen, sinnvolle (und natürlich auch sehr viele sinnlose) Videos, Serien und Filme geschaut, Pläne gemacht und ein bisschen Spanisch gelernt habe … irgendwann frisst dich die Quarantäne auf. Als sich dem ersten Monat Quarantäne ein zweiter anhängte, wurden wir schon langsam nervös. Wir hatten keine Ahnung, nicht einmal Anhaltspunkte, wie lange das noch gehen würde, die Zahlen schienen nicht so extrem, als dass wir Laien die Quarantäne noch gerechtfertigt fanden. Schlicht gesagt: Es war zermürbend. Irgendwann hast du das Internet totgeschaut, Selbstmotivation und -disziplin krümeln langsam vor sich hin … Im Mai musste ich mit Karpaltunnelsyndrom zum Arzt: Zu viel Laptop-Arbeit in ungünstigen Positionen und zu viel Kletterer-Krafttraining zollten ihren Tribut. Statt starke Finger- und Vorarmmuskeln kriegte ich Schmerzen und Paranoia.

Alltägliche Kontakte und Einflüsse von aussen sind so stark limitiert, dass man irgendwann das Gesamtbild aus den Augen verliert und jede Mücke zum Elefanten wird. Statt Karpaltunnelsyndrom hat man plötzlich Krebs und Muskelkater wird zu Arthritis.

Meine Südamerikareise war für mich ja nicht nur «ich geh ein bisschen ins Ausland», sondern ich hatte einen dauerhaft nomadischen Lifestyle angestrebt – doch Corona verunmöglichte dies schlagartig. Ich hatte schon in der Schweiz das Gefühl, die Decke fiel mir auf den Kopf – aber in Panama tat sie das dann wirklich.

29. Mai 2020

Ende Mai kam endlich die frohe Botschaft: Die Ausgangssperre wurde auf einen Schlag gelockert und galt nur noch von 19 Uhr bis 5 Uhr, unabhängig von Passnummern und Geschlecht. Wir freuten uns. Wie Kinder. EINE GANZE WOCHE LANG. Denn leider mussten die Regionen Panama und Panama Oeste ihre frisch gewonnene Freiheit dann bereits wieder an den Nagel hängen: Als die am stärksten von Corona betroffenen Gebiete, wurden die geschlechter- und passnummergetrennten Ausgangssperren wieder in Kraft gesetzt und wir wieder in unser Zimmer gesperrt.

So sah eine Woche «Freiheit» für uns aus

Ebenfalls wurde ein Plan kommuniziert, wie die Wiederöffnung der Geschäfte erfolgen soll. Betriebe und Co. wurden in sechs Blöcke eingeteilt, die nach und nach öffnen sollten. Am 1. Juni 2020 wurde der zweite Block geöffnet. Luis, der mit dem 3. Block wieder zu arbeiten beginnen würde, hoffte natürlich, dass dieser nur ein paar Tage oder Wochen später geöffnet werde. Heute, am 3. August, ist immer noch weit und breit keine Lockerung in Sicht.

18. Juli 2020

Als ich im Dezember erfuhr, dass ich im Juli Tante werden würde, plante ich natürlich, bis dann zurück zu sein. Als im März in Panama die Ausgangssperre eingesetzt wurde, dachte ich tatsächlich noch, ich würde im Mai wieder herumreisen und im Juli zuhause sein.

Am 18. Juli, nachdem mein Vater mühsam einen Flug für mich gebucht hat (mit seinen Flugmeilen – merci vielmol!), der mich am 27. Juli in die Schweiz bringen sollte, erliess Panama ein 24-seitiges Dekret. Darin wurde unter anderem die Sperrung des Flughafens für internationale Flüge für einen weiteren Monat, also bis Ende August, erlassen. Mein Flug wurde gestrichen.

Während ich an einem Tag Freudentränen heulte, weil ich einen Flug hatte, ich endlich wieder frische Schweizer Luft atmen können würde, heulte ich am nächsten, weil sie den Flug absagten, und am übernächsten (20. Juli), weil mein Vater es doch noch schaffte, mir einen Platz für den einzigen KLM-Flug am 21. Juli zu besorgen und ich meine Gastfamilie definitiv verlassen musste. Juli war anstrengend.

Panama vs. Schweiz

Trotz all den guten Sachen, der Sicherheit, die ich dank meiner Gastfamilie und meiner Selbständigkeit hatte, litt ich mental sehr unter der Quarantäne. Vier Monate (and counting) drinnen zu sein, ist kein Spass. Von weit weg betrachtet, hatte ich es natürlich aber sehr gut und ich bin dankbar, durfte ich die Quarantäne in einer Familie verbringen und war nicht in einem Hostel oder Hotel «eingesperrt». Ein wirklich RIESENGROSSES Dankeschön an dieser Stelle an Luis und seine Familie, für alles, was sie in der Zeit für mich getan haben!

Während in der Schweiz Kurzarbeit eingeführt, Erwerbsersatz bezahlt wurde usw., gilt in Panama die Regel: Wer nicht arbeitet, kriegt kein Geld. Die Verträge werden suspendiert und nach der Quarantäne wieder aufgenommen. Luis’ Arbeitgeber war «grosszügig» und bezahlte zweimal 50 Dollar zum Überbrücken. Lasst euch aber nicht täuschen, denn dieses Geld wird am Ende der Vertragslaufzeit vom letzten Lohn abgezogen.

Die Regierung gründete den «Plan Panama Solidario», in dessen Rahmen Essenstüten und Geld an die Bevölkerung verteilt wurden. In den bedürftigen Gebieten wurden alle zwei Wochen Säcke mit Essen abgegeben, ebenfalls erhielten Menschen mit geringen Einkommen bisher zweimal 80 Dollar. Gerade in der Stadt reicht dieser Betrag nicht weit.

Ich habe lange gesucht, um allgemeinere Informationen über die aktuelle Situation der Panamaer zu finden. Natürlich liest man über den Einbruch der Wirtschaft. Am wichtigsten für Panamas Wirtschaft ist der Dienstleistungssektor – da sowohl Flugbetrieb als auch Tourismus stillstehen, leidet das BIP natürlich stark. Wie es den Menschen allerdings geht, darüber findet man keine Informationen – man kann es sich natürlich aber ausrechnen. Leute, die davon leben, an Ampeln Früchte, an Touristenorten Schmuck oder auf der Strasse Essen zu verkaufen, leiden unter sehr starken Umsatzeinbussen, denn eigentlich dürften sie ihrem Geschäft ja gar nicht nachgehen und wenn, dann gibt es massiv weniger Kundschaft.

Es wird sich zeigen, wie sich das Leben und die Wirtschaft in Panama entwickeln wird. Für die Panamaer hoffe ich, dass sie das Virus bald in den Griff kriegen und die Menschen wieder etwas Freiheit geniessen können!

Meine liebe Gastfamilie – ein professionelles Selfie zu Erinnerung an meinen 32. Geburtstag 😉
Ich könnte noch viel mehr erzählen… aber hier ein Katzenbild

Ab in den Norden (zumindest ein bisschen)

Florianópolis hat so viele schöne Plätzchen zu bieten, dass ich es eigentlich gar nicht mehr verlassen wollte. Doch nach so langer Zeit so tiiiief im Süden, erwachte das Reisefieber in mir und ich folgte dem Südostwind in den Norden (oder so ähnlich). Schon mit Tal und Juan hatte ich einige Orte zwischen Florianópolis und São Paulo angeschaut, um eventuell mit ihnen einen Zwischenstop einzulegen. Aber viele Örtchen sind kompliziert zu erreichen und für das tiefe, sehr tiefe Budget nicht geeignet. Mein nächster Stop hiess also: Curitiba. (Nein, noch nicht São Paulo.)

Joicely, meine Portugiesisch-Lehrerin der ersten Stunde, war zu ihrer Schwester nach Curitiba zurückgekehrt und wollte unbedingt, dass ich sie besuchte. Ihre Schwester sei einverstanden, dass ich zumindest ein paar Nächte bei ihr wohnen würde. Nach einer vierstündigen sehr kalten, aber gemütlichen Busreise erreichte ich Curitiba.

Curitiba ist die Haupstadt des Bundesstaats Paraná und eine der grössten Städte im Süden. Sie hat den Ruf sehr sauber, grün (sehr viele Pärke) und organisiert (super Bussystem) zu sein.

Joicely holte mich am Busbahnhof ab und wir fuhren mit den fancy Bussen nach São José dos Pinhais, eine Stadt die im Süden direkt an Curitiba anschliesst.

Wie man sich das so vorstellt, war die Drei-Zimmer-Wohnung eigentlich schon voll. Ich fühlte mich mit meinem nicht gerade platzsparenden Rucksack etwas fehl am Platz, wurde aber sehr gastfreundlich aufgenommen. Joicelys dreijährige Nichte Maria begann sofort, mir alle ihre Spielsachen zu zeigen und mir aus ihrem Leben zu erzählen. Während ich allerdings Joicelys Portugiesisch langsam richtig gut verstand, hatte ich keine Ahnung, was Klein-Maria da so erzählte. Lächeln und Nicken. Ich erhielt mein eigenes Zimmer, das normalerweise das Zimmer des zwölfjährigen Sohnes war, erfreute mich an der Star-Wars-Deko und erfuhr, dass sein vollständiger Name Alex Anakin war. Jap, mein neues Zuhause.

Nach einem typischen brasilianischen Mittagessen (Reis, Pommes, Farofa – geröstetes Maniokmehl, das auf jeden Teller gehört –, Fleisch, ein bisschen Gemüse für die Farbe) fuhren wir in die Stadt und besuchten den bekannten botanischen Garten. Wer Curitiba googelt stösst direkt auf das Wahrzeichen der Stadt: Die Glaskonstruktion mit drei Kuppeln, in der ein tropischer Küstenwald wächst. So kurz vor Weihnachten kamen wir in den Genuss einer weihnachtlichen Blaskapelle mit Tanzeinlagen. Ehrlichgesagt fand ich das schon ein bisschen seltsam: Die Sonne brannte, wir schwitzten, sie spielten Jingle Bells…

Botanischer Garten, Curitiba

Da ich unbedingt Kuchen essen wollte/musste (es gibt solche Tage), besuchten wir ein kleines Café. Ich erfuhr, dass hier Kaffee am Abend, so à la Zvieri, nicht mit etwas Süssem kombiniert wurde, sondern mit etwas Salzigem. Schliesslich sei der Kaffee ja schon süss, da könne man nicht auch noch Kuchen dazu essen. (Ausser man macht es so schlau wie ich und verzichtet auf die sieben Löffel Zucker im Kaffee, dann liegt ein Viertel Stück Kuchen sehr gut drin, nicht mehr, weil sonst Zuckerschock und so.) Da der Kuchen eben sein musste, tranken wir Wasser dazu.

Als wir etwas später durch die Barstrassen schlenderten, fiel mir auf, wie unglaublich alternativ Curitiba war. In Florianópolis war ich ja selten im Zentrum und es ist auch eine ganz andere Art von Stadt, verteilt über eine Insel, aber hier in Curitiba gab es unglaublich viele Gothic-, Punk-, Metalmenschen, farbige Haare, Piercings und Tattoos. (Obwohl – vor allem grosse – Tattoos in Brasilien grundsätzlich schon normal sind und untättowierte Menschen eher die Ausnahme…)

Nach einer Nacht im Star-Wars-Zimmer wechselte ich bereits in ein Hostel. Joicely schien etwas enttäuscht darüber, allerdings konnte ich schlecht von der Wohnzimmercouch aus arbeiten und nebenbei noch mit Puppen spielen und brauchte eine bürofähige Unterkunft.

Ich checkte also in ein Hostel ein, in dem Joicely früher einmal als Voluntärin gearbeitet hatte. Bereits vom ersten Tag an genoss ich die Gastfreundschaft anderer Gäste. Einige kochten und luden einfach alle, die in der Nähe waren zum Essen ein (manchmal natürlich auch mit finanziellem Zustupf der Essenden). Ich brauchte eine Woche, bis ich mich auch getraute ein Abendessen zu kochen. Spaghetti mit Tomatensauce, Aubergine, Zucchini und Ricotta. Und ganz viel Basilikum. Es überraschte mich ziemlich, dass die Leute so begeistert waren. Natürlich gab ich mir mehr Mühe, als wenn ich dieses Mahl nur für mich gekocht hätte. Aber mir war nicht bewusst, dass sie hier so wenig italiensiche Pasta essen. Gelbe Zucchini war ihnen generell unbekannt, genauso wie perfekt gekochte Pasta. («Pasta» oder «massa» wird hier generell verkocht…)

Dennoch hielt ich es nicht länger als eine Woche aus. Irgendwie überzeugte mich die Stadt nicht so und trotz Gastfreundschaft hatte ich eher das Gefühl, sie wollten sich nur mit mir unterhalten, um sich über meinen Akzent lustig zu machen. (Wirklich. Es gibt Leute, die finden meinen Akzent sympathisch, andere sagen einfach er sei lustig, und dann gibt es die, die dich Wörter nachsagen lassen und dann einfach mal eine halbe Stunde lang darüber lachen, weil du es nicht hinkriegst…

Ich entschied mich also, nach São Paulo weiterzuziehen. Ich brauchte einige Zeit, bis ich mich dazu durchringen konnte. São Paulo hat mehr Einwohner als die ganze Schweiz, sei unglaublich gefährlich (Quelle: Blogs, Menschen, die da wohnen, Menschen, die zu Besuch waren, …) und und und. Allerdings gibt es auch Leute, die unglaublich von der Stadt schwärmten, also wollte ich mir mein eigenes Bild machen.

Noch ein bisschen Weihnachtsstimmung zum Schluss

«Celebration of Life»

as Tal usually says.

Nun bin ich seit bald zwei Monaten in Brasilien und habe mir schon lange nicht mehr die Zeit genommen, für euch (und nicht einmal für mich) über meine Erfahrungen zu schreiben. Dies, weil ich praktisch nie alleine unterwegs war, und mein Gehirn so völlig mit Lernen und Eindrücken speichern beschäftigt war, dass ich einfach keine Lust hatte, auf meinem Bildschirmgerät zu tippen.

Barra da Lagoa, Florianópolis

Nun denn. Als ich von Lagoa da Conceição nach Barra da Lagoa umzog, befiel mich wie üblich eine gewisse Melancholie. Diese wollte ich mit einem zwölfstündigen Schlaf ersticken. Im Hostel sah ich nur sehr wenige Gäste und ich fühlte mich noch verlassener als sowieso schon (ich armes Kind). Leider hatte ich die Rechnung ohne den Samstagabend gemacht: Weit weg, unten am Strand, war ein Festival, dessen Musik und Geschrei vom Wind immer wieder an meine Ohren getragen wurde. So lag ich zwar gute zwölf Stunden im Bett, schlief davon aber keine sechs.

Sicht vom Hostel (ja, das Hostel ist nur zu Fuss zu erreichen)

Es fiel mir entsprechend schwer, mich am frühen Morgen aufzuraffen und joggen zu gehen – aber joggen am Strand (nicht im roten Badekleid), um 6.30 Uhr – hallo, wie geil ist das denn? (Wirklich jetzt. Ironiebefreit.) Und es lohnte sich tatsächlich, denn als ich zurückkam, fragte mich die Fremde, die in der Küche stand, ob ich das jeden Morgen mache, sie würde gerne mitkommen, sie bräuchte jemand, der sie motivierte. Ich klärte sie auf, dass ich zum ersten Mal seit seeeeeehr langer Zeit joggen gewesen war und ich zwar über eine Stunde weg gewesen war, jedoch nur gute zehn Minuten davon joggend verbracht hatte. Sie meinte, das sei kein Problem, sie sei schon seit Eeeeewigkeiten nicht mehr Joggen gewesen. (Dass sie allerdings seit acht Monaten mit dem Fahrrad durch Südamerika kurvte, verschwieg sie zu diesem Zeitpunkt frech.) Die Fremde heisst übrigens Diana und ist aus Rumänien, wohnt aber seit einiger Zeit in London und hat einen fast perfekten britischen Akzent.

Als ich ein paar Stunden später arbeitsuchend am Laptop sass, lernte ich Tal kennen. Wir unterhielten uns. Zwei Stunden lang. Tal ist aus Israel und Schauspielerin/Tänzerin/Künstlerin und das merkt man, ihre Art Kontakte zu knüpfen, Gespräche zu führen, zu leben, sprüht vor Freude und Energie. Lustigerweise ist auch ihre Wahlheimat seit ein paar Jahren London, einen britischen Akzent hat sie aber definitiv nicht. Und will sie auch nicht haben, denn das ist Teil ihrer Performances.

Etwas später lernte ich noch die drei uruguayanischen Strassenmusiker Gabriel, Luís und Shooki (keine Ahnung, wie man das schreibt) kennen, die eigentlich am Tag zuvor ausgecheckt hatten, dann aber Mitten in der Nacht ins traute Heim zurückgekehrt waren … Und noch etwas später, ich weiss nicht mehr genau, wie dies alles zustande kam, aber, auf jeden Fall: Noch etwas später, «warfen» wir alle mit Lebensmitteln, die wir einzeln eingekauft hatten, um uns. Tal stand in der Küche, kombinierte die Lebensmittel zu einem Essen und ging in ihrer Chefkochrolle völlig auf: «Ja, alle Zwiebeln! Es sind vier? Dann vier! Ja, der ganze Bund Petersilie, wenn du noch einen zweiten findest, den auch!» Gabriel und ich schnipselten Gemüse, was das Zeug hielt – natürlich unter der genauen Aufsicht von Tal, keine Würfeligrösse wurde dem Zufall überlassen – und der Rest unterstützte uns moralisch mit Musik und Gesang oder aufmunternden Zurufen, wenn sich mal wieder ein Messer zu nahe am Hals des Anderen befand …

Ich, Diana, Tal und Juan bei einem unserer ersten Frühstücksgelage

Daraus entstand eine Art Ritual. Da uns die Musiker doch noch verliessen und Richtung Praia do Rosa abreisten, bestand das Koch-/Esskernteam schliesslich aus Tal, Diana, Juan (dem argentinischen Voluntär, der im Hostel arbeitete) und mir. Wir kochten nicht nur zusammen, sondern machten plötzlich fast alles zusammen: Diana und ich gingen morgens nach dem ersten Kaffee joggen, manchmal begleitet von Juan oder Tal, danach machten wir unter Tals Leitung fast eine Stunde Yoga und schliesslich gab es Frühstück: Früchte aller Art, Eierspeisen, IMMER Salat (weil das zu jeder israelischen Mahlzeit gehört), IMMER viel Brot, weil Rumänien ohne Brot nicht überleben kann, und IMMER ganz viel Kaffee, weil sonst meine Adern ausgetrocknet wären. Und manchmal, wenn wir ganz ausgefallen waren, gab es auch Tapioka oder Crepioca (eine Art Omelette, die auf Maniokwurzelstärke basiert). Jedesmal, wenn vereinzelt neue Leute ins Hostel eincheckten und sie per Zufall zur Zeit eines unserer Gelage in der Nähe waren, luden wir sie zum Essen ein. Es gab auch Jam-Sessions, da es im Hostel Gitarren und Trommeln gab, und Diana organisierte sogar eine kleine Bastelstunde. Ich lernte ein paar Ukulele-Akkorde und konnte schon fast ein ganzes Lied spielen, als Leo aus Deutschland uns verliess und seine Ukulele wieder mitnahm … Dann lernten Diana und ich ein bisschen Trommeln, aber auch hier verliess uns Lehrerin Tal vor unserem ersten grossen Erfolg …

Tal, ich und Leo, der mir seine Socken geschenkt hat, damit ich meine übel verbrannten und sich auflösenden Beine verstecken konnte.

Eigentlich wollte ich maximal eine Woche in Barra bleiben. Doch es wurden zwei. Denn Diana und Juan feierten noch Geburtstag und irgendjemand musste ja den Kuchen backen, die Kerzen anzünden und die Flasche Wein zum Frühstück öffnen. Auch für Diana und Tal war es eher ungewöhnlich, so lange an einem Ort zu bleiben. (Vor allem für Diana, die fast jede Nacht im Zelt hinter einer anderen Tankstelle verbrachte.) Aber «The Family» hatte sich so viel zu erzählen und beizubringen, dass es uns schwer fiel, uns zu trennen.

Wir fühlten uns im Hostel langsam so richtig zuhause, als am Donnerstag die Hiobsbotschaft kam: «Wir beginnen am Montag zu malen, ihr dürft natürlich bleiben, aber es wird wahrscheinlich nicht sehr angenehm.» Juan begann schon, uns zu vermissen, bevor wir abgereist waren oder überhaupt wussten, wohin wir reisen sollten, da erreichte uns die nächste Hiobsbotschaft: Das Hostel wollte Juan nicht mehr als Voluntär beschäftigen. Nachdem er in anderen Hostels in Barra keine Arbeit fand, beschlossen wir alle gemeinsam nach Praia do Rosa zu fahren. Fast alle, die ich getroffen hatte, gaben Praia do Rosa als Geheimtipp an: süsses Dörfchen, tolle Strände, Hippie-Community … Unsere drei Musikerfreunde hatten sich in einem Hostel von Freunden einquartiert und boten uns einen guten Preis (RS 35 oder CHF 8.50 pro Nacht) an. Diana pedalte los, während Tal, Juan und ich uns ein Uber teilten. Für RS 40 pro Person uberten wir also 1,5 Stunden in den Süden. Der Bus wäre zwar etwas günstiger gewesen (gute 20 Rappen), hätte uns aber nicht vor die Haustür gebracht, wir gönnten uns also den Luxus.

Praia do Rosa

Wir blieben nur eine Nacht im Hostel unserer Freunde. Dies hatte mehrere Gründe: Zum Einen war uns nicht ganz klar, was da neben Caipirinhas noch so konsumiert wurde, zum Anderen wurden wir am Sonntag um 8 Uhr aus dem Bett geräuchert, weil sie die glorreiche Idee hatten, einen Haufen Blätter zu verbrennen. Vor unserem Zimmer. Mit undichten Fenstern und Türen. Irgendwie fanden wir das nicht so gastfreundlich. Zudem war Diana mit dem Fahrrad angereist und wollte am Strand campen. Die Musiker warnten sie aber davor, alleine am Strand zu campen, da in den letzten Wochen zwei Frauen vergewaltigt worden waren … Was machten wir also? Die vier Freunde campten am Strand neben der Lagoa do Meio und verliessen das «Crack House», wie wir es liebevoll nannten.

Die Strassen sind dazu da, genutzt zu werden. Praia do Rosa.

Juan zeigte uns, wie man einen unterirdischen Herd im Sand machte, Tal bewies, dass sie keine Küche brauchte, um geiles Essen zu zaubern, Diana sprang in der Lagoa herum, in der sie phosphoreszierendes Plankton entdeckt hatte, und Anna (Ha! Das bin ich!) «hackte» mit dem Schweizer Taschenmesser (natürli) Holz für das Feuer klein. Es war ein wunderbar friedlicher Abend.

Lagoa links, Meer geradeaus.

Morgens um extrem früh (so um 5.10 Uhr) hörten wir plötzlich ein «Things are happening» von Tal, die den Sonnenaufgang ankündigte. Es verstand sich von selbst, dass wir danach noch einmal zwei Stunden weiterschliefen, bevor wir uns dem Frühstück widmeten. Wir belagerten den Platz am Strand fast den ganzen Tag, nannten ihn Freeland, wo jeder zur Durchreise willkommen war, aber WEHE DU SETZT DICH HIN!

Sonnenaufgang ❤

Um Geld zu sparen – die Arbeit blieb aus – campierten wir eine weitere Nacht, bevor Diana weiter in den Süden fuhr und Tal, Juan und ich uns eine Cabin leisteten. Das heisst, Juan überzeugte die Vermieter eines kleinen Ferienhäuschens, das normalerweise das Doppelte kosten würde, uns einen Rabatt zu gewähren. Schliesslich waren die vier Nächte in der Cabin für RS 33 pro Nacht und Person die günstigsten bisher (neben dem gratis Campen versteht sich).

Nach den weiteren paar Tagen in unserem kleinen Zuhause, die wir mit Strandbesuchen, kleinen Trails und Caipirinhas in Teekesseln zubrachten, trennte auch ich mich von Juan und Tal. Die beiden wollten direkt weiter nach São Paulo – Juans Arbeitssuche war auch hier im Süden erfolglos geblieben – und ich wollte nochmal nach Floripa, um mich von ein paar Freunden zu verabschieden.

Um möglichst günstig zu reisen, wählte ich BlaBlaCar: Leute, die sowieso irgendwohin fahren und Platz im Auto haben, posten dies online, verlangen einen Zustupf ans Benzin, und man kann sich einen Platz reservieren. Es ist allerdings eine relativ unsichere Variante, weil die Fahrt jederzeit storniert werden kann. Zudem wird man hauptsächlich von Tankstelle zu Tankstelle gebracht. Das hiess für mich: Von der Praia do Rosa irgendwie an eine Tankstelle an der Autobahn zu kommen. Zu Fuss waren das gute 1,5 Stunden. Aber es gab ja noch Autostop … Da Tal sich am Fuss verletzt hatte, hatten wir innerhalb des Dörfchens schon mehrfach erfolgreich gstöpplet und wurden immer von sehr herzlichen Menschen mitgenommen. Das würde sicher auch jetzt klappen. Ich lief also los und streckte allen Autos den Daumen entgegen. Sehr erfolglos, ehrlich gesagt. Zum Einen gab es erstaunlich wenige Autos, die am Samstagmittag (bei brütender Hitze) unterwegs waren, zum Anderen waren die, die es gab, offenbar nicht bereit eine verschwitzte, vollbepackte Gringa einzuladen. Mein Favorit war allerdings der, der anhielt, um mir zu erklären, dass er mich sehr gern mitnehmen würde, aber leider vorne links abbiegen würde und einen Termin hätte und deshalb auch keinen Umweg fahren konnte ….. 50 Minuten spatzierte ich so in der Mittagshitze über staubige Strassen. Bis endlich einer anhielt. Ich war nicht wählerisch und stieg in das kleine, vollbepackte Auto mit der Leiter auf dem Dach ein. Ich vergass seinen Namen. Und auch seine Lebensgeschichte. Ich vergass aber nicht, dass er sich zu Beginn entschuldigte, dass er abwechselnd Spanisch und Portugiesisch sprach, weil er eben schon ein paar Bierchen getrunken hatte. Ich hielt mich fest. (Wie ihr seht, habe ich überlebt. Auch die anschliessende BlaBlaCar-Fahrt für RS 15.)

«Celebration of Friends»

Ich lernte sehr viel von den drei (Über)Lebenskünstlern Diana, Juan und Tal: Kochen, Feilschen, Trommeln, Yoga-en, Salat zum Frühstück essen … Ich merkte, dass sie alle Eigenschaften hatten, die ich gerne hätte, respektive an denen ich arbeiten wollte. In meinen Augen waren sie selbstbewusst, selbstbestimmt und konnten alles. Im Reiseleben trennt man sich an der «Stelle» meistens wieder: Man trifft Leute, macht sich ein Bild, und auch, wenn man über alles redet und eigentlich fast keine Tabus kennt (weil die Freunde, mit denen man sonst Allerlei teilen würde, weit weg sind), trennt man sich wieder, bevor man das Wesen des Anderen richtig verstanden hat. Es überraschte mich entsprechend ziemlich, als Tal – die einfach alles irgendwie hinkriegte, seit Monaten ohne ein Wort Portugiesisch zu sprechen oder zu verstehen durch Brasilien kurvte und die Leute ihr mehr zuhörten als mir, die ich meine hübschesten Wörter und Satzstrukturen bereit legte – mit meinem Nähset anfing, das Loch in ihrer Hose zu stopfen und ich sie darauf aufmerksam machen musste, dass sie dazu den Faden nicht jeweils ganz durch den Stoff durchziehen musste (und die Hose hin und her wenden), sondern es reichte, auf der linken Seite zu nähen. Es schockierte mich, als Diana – die alleine durch Südamerika pedalte und für alles immer eine praktische Lösung hatte – beim Schwimmen im Meer plötzlich eine Panikattacke kriegte, weil der Strom uns abgetrieben hatte, sie mit den Füssen den Boden nicht mehr berühren konnte, und ich sie mit meinem Seepferdchen-Schwimmlevel an den Strand ziehen musste, während der Baywatch-Mann seinem Namen alle Ehre machte und die «bay watchte», ab und zu sein Pfeiffchen trillerte, aber seine Hose um Herrgottswillen nicht nass machen wollte. Und auch Juan – der immer alle vor sich selbst stellte und wirkte, als wäre er genau da, wo er wollte – brauchte ab und zu einfach jemanden, der ihm zuhörte und ihm erklärte, dass er ein guter Mensch sei und seinen Weg gehen würde. Ich weiss für mich auf jeden Fall, dass das drei Menschen sind, die ich unbedingt hatte treffen müssen, die mich ungemein wachsen liessen und mir viel Wissen und Verständnis auf den Weg gegeben haben.

Das, was ich bisher erleben durfte, war genau der Grund, warum ich zu dieser Reise aufbrechen wollte. Ich fühlte mich blockiert und gelangweilt in der Schweiz. Natürlich ist die Schweiz ein wunderbares Land. Natürlich hatte ich ein gutes Leben und ich weiss auch, dass diese Reise wahrscheinlich nicht möglich wäre, wäre ich nicht aus der Schweiz. Aber dennoch fühlte ich mich in dieser kleinen Welt eingeengt. Meine kleine Reisefamilie erinnerte mich daran, jeden noch so kleinen Moment zu geniessen und zu feiern, denn das Leben ist kurz: «Celebration of Salad», «Celebration of Wine», «Celebration of Very Disgusting Brazilian Cheese», «Celebration of Life» … Ebenfalls lernte ich, spontan und erfinderisch zu sein: Es gibt immer eine Möglichkeit, etwas zu machen, zu erreichen … Der Weg zum Ziel ist nicht immer der offensichtlichste und nicht immer der einfachste, aber wenn man die Augen offen hält, wird einem schon eine Lösung einfallen.

Highlights und Firsts

  • Kuchen backen im Hostel
  • (Überraschenderweise sehr gelungenen) Cheesecake machen mit undefinierbaren Zutaten und ohne etwas zu backen, weil kein Backofen zur Verfügung stand
  • Jeden Tag etwas Neues kochen, das nichts mit Spaghetti und Tomatensauce zu tun hat
  • Ukuleleakkorde und Trommelbeats lernen
  • In der Strasse tanzen zur Musik jamender Freunde
  • Campen und einen Herd in den Sand buddeln
  • Um Mitternacht nach dem Schwimmen im Meer in einer Lagune mit biolumineszentem Plankton plantschen
  • Joggen am Strand, barfuss, sechs Kilometer (Riesenleistung für mich)
  • Arbeiten mit Blick aufs Meer
  • Caipirinhas in der Teekanne zubereiten (Not macht erfinderisch)
  • Sonnenschirm? Pfff, wir haben Holzpfähle, Sarongs und Karton
  • Dein Kleid hat keinen Platz mehr im Rucksack? Juan wird es schon irgendwem verkaufen können
  • Schuhe sind überbewertet, Treks können auch barfuss absolviert werden
  • Grammatik? Wörter? Hände und Füsse!
  • Und ein wirklich ernstgemeinter Ratschlag: Yoga nach einer Caipirinha-intensiven Nacht ist nicht zu empfehlen
Ich. Dianas Fahrrad. Praia do Rosa. Abenddämmerung. Tschüss, bis zum nächsten Mal!

Work-Life-Balance

Mundartkonzert auf Portugiesisch

Endlich war es so weit: Das Konzert von Tiago Iorc stand auf dem Plan! Tiago Iorc ist ein brasilianischer Singer-Songwriter, der in Amerika aufgewachsen war und früher auch auf Englisch gesungen hat. Seine portugiesischen Lieder gefielen mir aber von Anfang an schon rein musikalisch besser. Als ich dann noch anfing, die Texte zu verstehen, war es um mich geschehen…

Ich ging mit Diego zum Konzert, ohne den ich wahrscheinlich gar nie etwas von Tiago erfahren hätte. Das Konzert sollte um 21 Uhr starten, um gute Plätze zu ergattern, waren wir schon um 19 Uhr da. Ich war innerlich etwas gestresst, weil ich dachte, dass das schon viel zu spät war – im Hinterkopf hatte ich die in der Schweiz vor Konzerthallen campierenden Fans. Deshalb rechnete ich gar nicht mehr damit, gute Plätze zu kriegen. Aber siehe da: Es stand niemand Schlange. Wir gingen auf die Gallerie hoch, wo wir Stehplätze hatten. Und auch hier: Bis auf ein paar vereinzelte Menschen war eigentlich niemand da und wir ergatterten die bestmöglichen Plätze dieser Kategorie. Wir ketteten uns praktisch ans Geländer und konnten unseren Caipirinha bestellen, ohne die Plätze aufzugeben. Zwei Stunden warteten wir auf den Beginn des Konzerts und beobachteten die reintröpfelnden Menschen. Als das Konzert um 21.20 Uhr begann, waren neben uns vielleicht noch so 30 Leute auf der Gallerie aufgetaucht. Die Sitzplätze in der Saalmitte sahen von oben ziemlich leer aus. Nur an den Seiten tümmelten sich etwas mehr Leute. Irgendwie tat mir Tiago leid, seine anderen Konzerte waren immer voll, und eigentlich hätte auch dieses Konzert ausverkauft sein sollen. Erst später erfuhr ich, dass das Konzert der in Brasilien sehr berühmten Sängerin Ana Carolina, die nach Tiago Iorc auftrat, schon Monate vor Tiagos Konzert feststand. Die beiden Musikstile passten auch absolut nicht zu einander, es waren also praktisch zwei Konzerte an einem Abend mit einem Ticket. Als Ana Carolina auftrat, war der Saal voll, die Tiago Fans hatten einfach nicht mehr genug Tickets gekriegt. Zum Glück hatte das bei uns geklappt!

Das Konzert war wunderschön, die Musik live noch besser als ab Kopfhörern und die paar Fans, die da waren, gaben alles, um eine volle Halle vorzutäuschen. Das Kulturfeeling, das ich mir wünschte, inmitten von BrasilianerInnen ein Mundartkonzert zu besuchen, blieb allerdings etwas auf der Strecke. Vielleicht nächstes Mal.

Caipirinhas im Literglas

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag an den Strand gehen, aber das Wetter spielte nicht so richtig mit, also unternahmen wir erst am Abend etwas. Mit Diego und Freunden von ihm besuchte ich eine Bar an der Lagoa da Conceição. Da Caipirinhas im Literglas günstiger waren, gab es genügend Alkohol für alle. Wir hatten massig Spass, denn mit jedem Schluck wurde mein Portugiesisch besser und ihr Englisch auch und wenn man die Wörter nicht kannte, war auch Fuchteln und Grinsen eine herrliche Art zu kommunizieren. Schliesslich bezahlten wir pro Person für Literweise Caipi, genausoviel Bier und eine riesige Portion mit Käse überbackenen Pommes etwa 22 Franken. In der Schweiz hätte das wohl für einen Caipi und etwas Popcorn gereicht. Gefährlich ist es hier!

Lagoa da Conceição

Am nächsten Tag uberte ich mit meinem kleinen Kater vom Hostel wieder nach Lagoa, denn ich hatte hier meine nächste Unterkunft gebucht. Ich wusste, wir hatten am Abend zuvor etwa 30 Reais (8 Franken) für die Fahrt bezahlt, heute zeigte Uber plötzlich das Doppelte an. Allerdings lohnten sich ein paar Minuten Geduld tatsächlich und die Preise sanken wieder. Ich hatte schon von den Preisschwankungen gehört, aber dass sie so extrem waren, war mir nicht bewusst. Gemäss Info auf ihrer Webseite, erhöht Uber die Preise, wenn in einem Gebiet gleichzeitig viele Fahrten angefragt werden. Entweder man bezahlt diesen teureren Preis und erhält dann eine der wenigen zur Verfügung stehenden Fahrten. Oder man wartet ein paar Minuten, bis sich weitere Uber-Fahrer in das hochfrequentierte Gebiet begeben haben und bezahlt dann eben wieder den normalen Preis. Da ich keine Eile hatte, hatte ich zum Glück gewartet. Anders als in Chile übrigens, wo Uber nicht legal ist, und man deshalb vorne sitzen soll und Fahrten zum Flughafen nicht gerne gemacht werden, gehört Uber hier zum Leben wie ein Taxi. In Rio am Flughafen gab es unter dem Taxi-Schild ein offizielles Uber-Schild und am Tiago-Iorc-Konzert gab es vor der Halle ebenfalls eine extra Uber-drop-off- und Pick-up-Zone.

Mein neues Hostel sah gut aus. Das Zimmer war zwar mega klein und hatte kein Fenster, was mir etwas Sorgen bereitete, glücklicherweise waren aber statt zu sechst nur zu dritt und das änderte sich während der Zeit meines Aufenthalts auch nicht gross. Cool war auch der Barbereich, der einen passablen Arbeitsplatz abzugeben schien. Zumindest war ich heute nicht die Einzige, die hier ihren Laptop auspackte, um ein paar nach Arbeit ausschauenden Sachen zu erledigen.

Work it

Der Barbereich war tatsächlich ein super Arbeitsort. Bequem, mit Steckdosen, den Tag über verlassen, herrlich. Da ich während meiner ersten Woche in Lagoa bereits riesig viel Arbeit erhielt (danke!!), lernte ich erst nach ein paar Tagen wirklich Leute kennen. Zum Beispiel Rea aus der Schweiz. Wir erkannten unser Schweizerin sein daran, dass wir uns im Korridor beide händeringend den Vortritt geben wollten, ohne zu wissen, in welcher Sprache. Und Joicly. Joicly arbeitete im Hostel und wir starteten nach ein paar Tagen ein Englisch-Portugiesisch-Tandem. (Nachdem sie dachte, ich sei ultrakomisch, weil ich den ganzen Tag in der Bar vor dem Laptop sass…) Wir begannen den Unterricht mit der Übersetzung von ein paar sexy Liedern und ernteten amüsante Blicke der Portugiesisch- und/oder Englisch-sprechenden Gäste und Mitarbeitenden des Hostels. Wir hatten unseren Spass.

(Auch am Strand kann man lernen, imfall!)

Meine ersten beiden Wochen waren also sehr arbeitsintensiv, ich übersetzte und wenn ich nicht übersetzte, lernte ich. Dennoch gab es ein paar nette Ausflüge an den Strand oder in umliegende Bars. Dank Rea und Joicely kam ich auch sehr schnell von meinen üblichen Spaghetti-mit-Tomatensauce-Mahlzeiten weg, denn zusammen zu kochen macht einfach mehr Spass (vor allem, wenn wenigstens eine Person kochen kann…)

Ich verlängerte meinen Aufenthalt im Hostel in Lagoa drei Mal. Als es dann gegen Mitte November ausgebucht war, und ich gehen musste, fiel mir dies nicht leicht. Meine nächste Station war Barra da Lagoa, ein Hostel auf dem Hügel mit wunderbarer Aussicht über Meer und Strand. Hier gefiel es mir auf Anhieb und ich blieb ein bisschen.

Florianópolis

Für meine ersten paar Nächte hatte ich ein Hostel in Zentrums- und Meernähe gebucht. So ging ich sicher, dass ich, sollte ich dringend etwas benötigen, immer irgendwelche Läden in Reichweite hatte und dabei auch meine üblichen Erkundungsspaziergänge nicht zu kurz kamen.

Ich mochte Floripa, wie es von Insidern genannt wird, von Anfang an. Wirklich. Schon beim Überflug. Auch das Hostel, das ich gebucht hatte, war mehr als in Ordnung. Ordentlich grosse Zimmer, Schliessfächer, Toiletten, bei denen man die Wahl hat, die Tür zu schliessen, oder auf den Toilettensitz zu stehen, Duschen, deren Temperatur man nicht regulieren konnte. Herrlich! Tschuldigung, bin etwas kritisch. Es gefiel mir eigentlich wirklich hier. Und immerhin hatten die Duschen einen super Wasserdruck, sodass man sich 1A das Gesicht verbrennen konnte! (Jaja, ich bin ja schon ruhig.)

Das belebte Zentrum erschlich sich auch schnell einen Platz in meinem Herzen: Bunte Häuser, unterschiedlichste Läden, wahnsinnig viele Menschen. Auf Empfehlung hin war mein erstes Ziel der Vivo-Shop. Hier wollte ich mir eine SIM-Karte kaufen, um auch unterwegs mobil zu sein. Das Angebot: 3 GB pro Woche, gratis WhatsAppen, unlimitierte Anrufe auf andere Vivo-Nummern und innerhalb von Santa Catarina, und das für 15 Reais pro Woche (also etwa 15 Franken pro Monat). Ich wartete einige Zeit, bis der einzige Englisch sprechende Mitarbeiter frei wurde. Sie entschuldigten sich bei mir, dass sonst niemand Englisch sprach, aber ehrlich gesagt, fühlte mich schon seit meiner Ankunft schlecht, weil ich (noch) kein Portugiesisch spreche. Wie beim Spanisch kann ich unterdessen sehr viel verstehen, wenn ich es lese und Einiges, wenn ich es höre. Aber jedesmal, wenn ich einen lange in meinem Gehirn vorbereiteten Satz zum Besten geben wollte, war da nur heisse Luft. Ich bin nun noch entschlossener, Portugiesisch zu lernen, damit ich mir diese himmlisch klingende Sprache völlig einverleiben kann. Nun denn, als Paulilo endlich Zeit für mich hatte, dauerte es exakt eine Stunde, bis ich mit einer aktivierten SIM-Karte aus dem Shop ging. Er hatte effektiv alles für mich gemacht, viel professioneller als in all den anderen südamerikanischen Ländern, von denen ich eine SIM-Karte besitze. Nur das Internet funktionierte noch nicht und er meinte, ich müsse wohl noch so zwei Stunden warten, bis es aktiv sei. Da es allerdings auch am nächsten Tag noch nicht lief, verbrachte ich nochmal eine Stunde im Shop. Paulilo versuchte auf zwei Handys gleichzeitig den Kundendienst zu erreichen. Da wollte jedoch offenbar niemand arbeiten und die Pausenmusik dröhnte fröhlich beidseitig an seine Ohren. Als es nach einer Stunde Daten neu eingeben und Warteschlangenmusik aus unerklärlichen Gründen plötzlich funktionierte, freuten sich alle Mitarbeiter im Shop gleichermassen: «Obrigado Deus». Amen.

Übrigens hatte ich zuvor in einem anderen Blog gelesen, dass nur Claro SIM-Karten ohne CPF (die brasilianische ID-Nummer) verkauft. Offenbar tut dies aber auch Vivo. Natürlich könnte es sein, dass Claro-Mitarbeitende etwas mehr Erfahrung darin haben und es deshalb nicht zwei Stunden dauert… Ich kriegte allerdings, da ich direkt 50 Reais auflud, noch 1 GB pro Woche gratis dazu. Das ist ja auch nicht von schlechten Eltern.

Wieder zurück im Hostel wollte ich ein paar Bürosachen erledigen und bemerkte mit Schrecken, dass das Einzige, was ich nicht überprüft hatte, war, einen Adapter für den Laptop mitzubringen. Nun gut, ich hatte einen Reiseadapter mit sieben Aufsätzen dabei, einer würde ja wohl…

Nein.

Da brachte ich mir halt «Preciso de um adaptador» bei, watschelte wieder ins Zentrum (so zehn Minuten) und suchte nach einem Geschäft, das aussah, als würde es Adapter führen. Das heisst, zuerst hatte ich im Hostel gefragt, wo ich denn so etwas kriegen würde und suchte dann, weil deren Tipp leider nichts war, online nach Elektronikgeschäften. Bevor ich aber beim Herumstreunen eines davon erreichte, sah ich ihn: Taschen, Uhren, Chrüsimüsi… Irgendetwas sagte mir, dass dieser Laden, der in meiner Welt eigentlich absolut gar nichts mit Adaptern oder Elektronik zu tun hatte, einen solchen für mich hatte. Und TADA! Zuerst wollte sie mir einen ganz kleinen andrehen, der aussah, als würde er und mein Laptop innert kürzester Zeit explodieren. Sie hatte zum Glück aber auch einen grösseren mit Sicherung. Nun gut. Ich gönnt mir dieses teure Ding für vier Franken.

Anschliessend spazierte ich die Beira Mar Norte entlang, genoss die Meersicht auf der einen und das Rauschen der Autostrasse (je drei Spuren) auf der anderen Seite.

Etwas später am Abend konversierte ich mit meiner Zimmergenossin. Guilhelmina ist vielleicht so 70 Jahre alt und wohnt in São Paulo. Zu Beginn unterhielten wir uns auf Englisch und Portugiesisch. Als ich ihr meine Geschichte erzählte (so gut es ging), war sie völlig fasziniert. In Brasilien gäbe es Menschen wie mich sicherlich auch, aber es sei eher selten, denn die Familien seien sehr verbunden und es sei unvorstellbar, länger getrennt zu sein. Ihre Mutter sei vor zwei Jahren im Alter von 98 Jahren gestorben und es hätte keinen einzigen Tag gegeben, an dem sie keinen Kontakt gehabt hätten. Ein Grund für die Verbundenheit der Familien sei natürlich auch, dass sich der Staat weniger «einmische», in Europa gäbe es Auffangnetze und staatliche Unterstützung, hier sei man schlicht von der Familie abhängig. Ohne dieses «Netz» würde gar nichts funktionieren. Hier wechselte sie sanft zum Thema Politik und wie sie alle sehr schockiert seien, dass die Linken in Argentinien gewonnen hätten, denn die Linke (unter Präsident Lula) sei Schuld daran, dass es Brasilien so mies ginge, sie hätten alles kaputt gemacht. Sie zählte ein paar Sachen auf, die die Linke eingeführt/gemacht und damit das Land zerstört hatte. Ich konnte mir zwar nicht alles merken, fand es allerdings interessant, dass sie die Einführung der Ehe für Homosexuelle noch vor der zerstörten Wirtschaft nannte. Etwas, das für mich so völlig normal und logisch ist und in dem ich auch keinen negativen Einfluss whatsoever sehen kann, scheint die traditionsbewusste Frau offenbar mehr zu stören, als die hohe Arbeitslosigkeit und die nicht funktionierende Wirtschaft. Für solche Konversationen ist mein Portugiesisch aber leider wirklich zu schlecht. Daran müssen wir arbeiten. Sie ergänzte noch, dass Bolsonaro «loco» sei, aber wenn man die Wahl habe zwischen der Linken und Bolsonaro, dann halt doch lieber Bolsonaro… Den Verrückten gehört die Welt.

Irgendwann fragte sie mich, mit welchen Sprachen ich denn arbeite. Als sie hörte, dass ich Italienisch spreche, teilte sie mir mit, dass ihr Mann Italienier sei und sie deshalb auch etwas Italienisch könne. Zuerst war ich heilfroh, dass ich mich nun in einer Sprache ausdrücken konnte, die ich zu beherrschen glaubte, dann merkte ich, dass mein Gehirn nun den italienischen Wörtern spanische Endungen anhängte und eine portugiesische Aussprache erzwang. Nun gut, dann kann ich jetzt halt drei Sprachen so ein bisschen und keine mehr so wirklich. Wir verstanden uns trotzdem. Kurz vor der Bettgehenszeit gab sie mir noch ihre Adresse, damit ich, wenn ich in São Paulo sei, auch eine Unterkunft hätte. Da sie die Busnummer nicht mehr wusste, videotelefonierte sie kurzerhand mit ihrem Sohn (eines von vier Kindern) in Acre. Den Bruno kenne ich nun also auch.

Abenteuer Cigana

Während hier in meinem virtuellen Tagebuch grösstenteils Stillschweigen herrschte … schwieg auch mein Leben vor sich hin. Ich war ein bisschen arbeitslos (bin ich eigentlich immer noch) und aufgrund des beschränkten Budgets lagen keine grossen Sprünge drin. Ich hatte aber den Entschluss gefasst, mein Leben etwas zu pfeffern und der Persönlichkeit Nr. 13, die in mir schlummert, endlich eine Stimme zu geben: der Zigeunerin. Mama erzählte mir, dass unsere Vorfahren deutsche Reisende waren und ein Wagenrad in ihrem Wappen trugen. Mama erzählte mir allerdings auch, sie sei eine chinesische Spionin. Irgendwann werde ich es vielleicht schaffen, beide Behauptungen zu überprüfen.

Auf jeden Fall entschied ich mich, meine angebrochene Südamerikareise wieder aufzunehmen und nach Brasilien zu fliegen. Zum Einen ist das Leben da günstiger, zum Anderen hoffte ich, meine Reiselust zu stillen und mit Aufträgen als freiberufliche Übersetzerin zu finanzieren. Das Schlimmste, das passieren kann? Ich kann mir keinen Rückflug mehr leisten und muss untertauchen. Oder werde ausgeschafft. Oder… Man weiss es nicht.

Startschwierigkeiten

Der Tag der Abreise rückte unaufhörlich näher. Meine beste Freundin und ihr Mann fuhren mich zum Flughafen Zürich, wo mein Flug nach Florianópolis (über Lissabon und Rio) um 18 Uhr starten sollte. Die Tränen waren echt, die Nervosität auch. Das Zmittag-Bier hatte allerdings seine Wirkung getan und die Hyperventilier-Panik-Attacken wurden weniger.

Alles verlief reibungslos. Als bei der Sicherheitskontrolle der Alarm ging, wurde ich umgehend informiert, dass es nur eine Quotenkontrolle sei, wäre ich später durchgegangen, hätte nichts gepiepst. (Ausser jemand von euch hatte denen gesagt, sie sollen mich aufhalten? Hat nicht geklappt, ha!)

Meine Siebensachen und ich überstanden die Kontrolle unbeschadet, stürzten uns durch die kopfschmerzbereitende Dufry-Abteilung und guckten uns die grossen blauen Abflug-Tafeln an. Hach da stand der Flug: 18 Uhr nach Lissabon. Daneben in rot stand aber «Neue Info um 1800». Alle Flüge drumherum: pünktlich, boarding, go to gate, pipapo, trallalala. Tja dann. Lustigerweise war ich, seit ich das Gepäck eingecheckt hatte, tiefenentspannt – hier, am Flughafen, vor einem grossen Abenteuer, fühlte ich mich zuhause.

Um 17.30 Uhr wurde uns mitgeteilt, dass der Start auf 20.30 Uhr verschoben worden war. Da ich in Lissabon eigentlich vier Stunden zum Umsteigen gehabt hätte, schien dies noch wunderbar zu passen. Wir starteten dann auch mehr oder weniger pünktlich. Ich freute mich auf das Abendessen im Flieger, auch wenn ja meistens eklig, denn langsam verhungerte ich kläglich. Es gab eine Tüte Chips und einen Mini-Karottenkuchen. Nicht gerade ein hungerstillendes Gourmetmenü, aber Essen ist Essen. Danach breitete ich mich auf «meinen» drei Sitzen aus und liess mich von den Turbulenzen in den Schlaf schütteln. Das Umsteigen in Lissabon verlief reibungslos: Ich wurde direkt beim Aussteigen von «Rio»-schreiendem Bodenpersonal durch die leere Passkontrolle gelotst (der Rio-Flug war der letzte an diesem Tag) und ging zügig an 20 Gates vorbei bis zu Gate 45. Völlig verschwitzt (mmmh) erreichte ich das Gate – und den Rest des Fussvolkes. Obwohl das Boarding theoretisch schon seit einer Stunde geöffnet hatte, war da wohl noch niemand eingestiegen. Was ich super fand, war, dass bei TAP nach den Business-Kunden, die Leute ohne Handgepäckskoffer einsteigen dürfen. Also Menschen mit Handtaschen und Rucksäcken. Menschen wie ich. Und das waren wenige.

[Riu tschi Schaneeru]

Der Rio-Flug war ziemlich ausgebucht und ich war so k. o., dass ich mehrfach einschlief und fast das Abendessen verpasste. Damit ich hier noch ein wenig weiter stänkern kann: Im Endeffekt hätte ich es auch verpassen können. Zu Pastabrei verkochte Hörnli mit totgekochten Karotten und Erbsen, darin trockenes Hähnchen. Wie der Herr schräg vorne zwei Portionen davon verdrücken konnte, ist mir ein Rätsel. Immerhin gabs für Anna, den Dessertmenschen, Dessert. Zumindest einen Löffel davon. Buäh. Ich freute mich schon auf das Frühstück. Nicht.

Ich glaube, das war der erste Langstreckenflug überhaupt, den ich ohne Filmschauen verbrachte. Nach dem «Essen» döste und schlief ich mit Musik in den Ohren und der heiligen Schlafmaske auf den Augen. Ich verschlief auch fast den herrlichen Sonnenaufgang und das seltsame Frühstück (um Welten besser als das Abendessen) – erst als wir über Rio einflogen, war ich hellwach und kriegte fast einen Herzstillstand: Zum Einen, weil es wunderschön war, so grün und flauschig, am liebsten hätte ich mich in den wohlgeformten Hügeln vergraben, und zum Anderen, weil mir erst hier so einiges bewusst wurde und ich mich zum ersten Mal fragte: Was tust du eigentlich? Mal wieder einen Furz gehabt und ohne zu studieren losgedüst? Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Haja. Aber ändern konnte ich es nun nicht mehr. Hallo Brasilien! Jetzt hast du mich an der Backe.

Ich habe jetzt einen Stempel in meinem sonst noch so unbefleckten neuen Pass. Rund sechs Stunden verbrachte ich in Rio. Zwei Schritte davon auch ausserhalb des Flughafens. Die dicke Wand aus Hitze trieb mich allerdings direkt wieder in das nett gekühlte Gebäude. Wenn alles gut gehen würde, würde ich ja früher oder später in Rio vorbei kommen. Rio konnte warten.

Der Flughafen in Rio ist ziemlich bequem, an den Gates hat es richtig geile Liegestühle. Statt angestrengt herumzusitzen/stehen. Kann man sich da bequem hinlegen, dem Flugbetrieb zuschauen oder wegdösen. Ich glaube, ich bin effektiv weggedöst. Als ich nämlich Hunger-Pipi-Kalt-mässig aufstand, merkte ich, dass der zuvor (ich war um 6 Uhr gelandet) so leere Flughafen unterdessen wild belebt war.

Floripa

Der Flug nach Florianópolis war, wie schon der Flug von Zürich nach Lissabon, halb leer und ich konnte es mir auf einer gaaanzen Sitzreihe gemütlich machen. Diesmal schlief ich allerdings nicht und genoss den Landeanflug in vollen Zügen: Einmal von West nach Ost über die Insel, etwas über das Festland und wieder zurück. Von oben sah das gar nicht so gross aus. Aber extrem verlockend. Huii, ich konnte es kaum erwarten!

Kaum aus dem sehr hübschen Flughafen raus, durchströmten mich die Endorphine. Diese Luft! Es roch so gut! Und es war so warm. (Und extrem windig.) Aber es roch so gut. Nach Meer und Wind und frischer Luft und eigentlich gar nicht nach Flughafen. Auf der Suche nach einem Taxi fand ich dann auch noch eine Schweizer Freundin. Nennen wir sie Helga:

Hier gefällt es mir. Hier bleibe ich ein bisschen.

Da standen wir also, Linda, Lucia, Nina, Rebecca und ich, Anna. Freitagmorgen, unter der Byebye-Bar am Flughafen Zürich, ready to take off. Eigentlich hätten wir Nina hier das grosse Geheimnis verraten sollen: die Destination. Schliesslich war dies ihr Hochzeitsgeschenk – da wir es nicht fertig gebracht hatten, ihr eine Bacheloretteparty zu schmeissen, wollten wir sie ordentlich zu einer Wochenendreise einladen… dass diese nun über ein Jahr nach der Hochzeit stattfand, ist wieder eine andere Geschichte. Nina wusste zu diesem Zeitpunkt aber schon seit geschlagenen fünf Minuten(!), wohin wir sie entführen wollten, weil sich jemand (nicht ich, ausnahmsweise) im gemeinsamen Chat verplappert hatte. Wir hatten uns grosse Mühe gegeben, Nina keine Hinweise auf die Destination zu liefern und waren bemüht, sogar Wetterberichte ohne Stadtnamen zu verschicken… Auch Nina hatte sich dann grosse Mühe gegeben, beim Morgenkaffee vor mir zu verheimlichen, dass sie die verräterische Nachricht schon gelesen hatte und somit die Destination bereits kannte. Nun denn: Sarajevo in Bosnien-Herzegovina war unser Ziel.

Unsere ersten gemeinsamen Stunden verliefen wunderbar reibungslos, alle durften boarden, und Umsteigen in Ljubljana war auch ein Leichtes. Vor dem kleinen Flughafen von Sarajevo fanden wir auch schnell zwei Taxis, die uns für lockere 60 km (nicht Kilometer, sondern konvertible Mark) zu unserem Guesthouse brachten. Natürlich wollten wir zuerst etwas zwischen die Zähne kriegen und steuerten ein Restaurant an, das uns für seine Cevapcici-Spezialität empfohlen worden war. Während des Kauens grinste uns Linda plötzlich verdächtig hysterisch an und sagte – immer noch grinsend: «Das ist jetzt kein Witz, imfal. Aber unser Rückflug wurde soeben storniert.» Wir sollten uns – natürlich telefonisch – bei der Airline (Adria Airways) melden. Macht man immer gerne im Ausland, ist ja so besonders günstig. Meiner momentan arbeitslosen Seele setzte die Lage nicht besonders zu, den Nicht-Arbeitslosen unter uns (also alle anderen), kam die Stornierung eher ungelegen, war die Chance doch gross, dass wir es nicht wie geplant am Sonntagabend zurückschaffen würden.

Wir versuchen also, uns erst einmal nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und den Tag zu geniessen, indem wir durch die Strässchen schlenderten und bei Džirlo bosnischen Kaffee und fruchtige Sirups tranken. Der Gastgeber des Teehauses, das auf TripAdvisor übrigens die Nr. 1 der sarajevischen Cafés ist, ist ein wunderbar inspirierender Lebemann, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und eine beruhigende innere Zufriedenheit versprüht. Die wahre Entschleunigung.

Der Blick vom Džirlo aus

Am Abend versuchte Linda vom Festnetz unserer Unterkunft (von lieben Menschen geführt), die von Adria angegebene Nummer für Hilfe bei Flugstornierungen anzurufen. Nach zehn Minuten in der Warteschlange, wurde das aber auch schon zu teuer (und zu blöde) und sie schrieb eine E-Mail. Gemäss Webseite war die Hotline zudem nur Montag bis Freitag besetzt. Wir hofften allerdings, dass sich Adria trotzdem am Wochenende dazu herunter lassen würde, uns zu kontaktieren, um uns einen alternativen Heimflug anzubieten.

Wir genossen den Freitagabend und Samstag so gut es ging. Sarajevo ist ein wahres Schmuckstück, eine bezaubernde Stadt mit herrlichem Kaffee und süssen kleinen Läden.

Sarajevo

Am Samstag fuhren wir mit der Seilbahn auf den Trebević, ein Berg, von dem man über die ganze Stadt blicken konnte, spazierten etwas in der Sonne und bestaunten die Überreste der Bob- und Rodelbahn, die für die Winterspiele 1984 errichtet worden war. Am späteren Nachmittag diskutierten wir einmal mehr, ob wir vielleicht zum Flughafen fahren sollten, in der Hoffnung, jemanden von Adria anzutreffen und einen Rückflug buchen zu können. Ein Teil der Chicas setzte sich zum Drink in eine Bar, Lucia und ich machten uns auf zum Guesthouse, um unsere Pässe zu holen, da wir diese – im Falle eines positiven Ausgangs am Flughafen – ja wohl brauchen würden. Im Guesthouse angekommen, versuchten wir es allerdings nochmals telefonisch bei der Fluggesellschaft. Sogar die Besitzerin telefonierte für uns herum, da Bosnisch leider nicht in unserem Repertoire ist.

Las chicas en la Bobbahn

Es verging fast eine Stunde bis uns klar wurde, dass auch eine Fahrt zum Flughafen nichts an unserem Problem lösen würde. Adria Airways war nicht zu erreichen – schon gar nicht am Wochenende. Wir setzten uns zu den anderen in die Bar, wo wir dank Rebecca noch Gratisshots vom Lebemann abstaubten (sein Café war direkt gegenüber und man kannte sich hier gut in der Strasse).

Am Sonntag machten wir uns schon am Vormittag auf zum Flughafen. Unser Flug wäre theoretisch um 15 Uhr gewesen, aber vielleicht gab es ja frühere Möglichkeiten, nachhause zu kommen …

… Ähm. Nope.

Von Adria Airways war am Flughafen niemand anzutreffen. Ein Swiss-Mitarbeiter, den wir vor den leeren Airline-Büros abpassten, informierte uns, dass auch ihre Flüge überbucht waren und er bereits versuchte, die «überbuchten» Swiss-Gäste nachhause zu fliegen. Bis am Dienstag seien die Chancen sehr gering, überhaupt aus Sarajevo rauszukommen. Egal in welche Richtung. Einige der Chicas hatten bereits vorgängig andere Möglichkeiten geprüft, nachhause zu kommen. Zum Beispiel gab es von Split aus noch einen Flug. Und Split war ja nur etwa fünf Autostunden von Sarajevo entfernt. Da der Bus bereits weg war, blieb nur noch ein Mietauto. Während zwei Chicas den Flug um 19 Uhr buchten, reservierten die anderen ein Mietauto. Wir waren sehr darauf bedacht, beides gleichzeitig zu machen, denn ein Mietauto ohne Flug, würde uns auch nicht weiterhelfen.

Theoretisch hätte ich ja auch noch länger in Sarajevo bleiben können, aber einen Roadtrip verpassen? Ich glaube nicht.

Wir fuhren also fünf Stunden von Sarajevo durch die Berge nach Split. Ein herzliches Dankeschön an die drei Fahrerinnen, die uns durch einige Vollbremsen von Unfällen mit wahnsinnigen, uns entgegenkommenden Überholmanöver-Fahrern bewahrten. Danke! Würkli!

Gegen 17 Uhr erreichten wir Split. Ein wunderschöner Flughafen, ich sags euch! Ganz neu. Ich war schon ganz begeistert und freute mich, dass wir bald in einem Flieger nachhause sitzen würden. Auto abgegeben, in die Check-in-Halle eingetreten, auf die grosse Abflug-Anzeige gestarrt… Da fehlt ein Flug. Der Flug um 19 Uhr nach Zürich, der steht nicht auf der Tafel. Noch einmal in die Buchungsmail geschaut: Da steht «Edelweiss, Zürich nach Split». Nicht Split nach Zürich. Irgendwie konnte ich nicht aufhören zu lachen und auch den anderen Chicas stand die grinsende Hysterie ins Gesicht geschrieben. Filmreif. Warum dies passiert war, war allerdings schnell klar: Auf der Edelweiss-Webseite kann man nur Flüge ab Zürich buchen. Alle Flüge mit anderen Abflugflughäfen müssen über die Swiss-Webseite gebucht werden und die Freude über den Nachhauseflug war so gross, dass die Richtung nicht allzu genau überprüft wurde. Immerhin konnten wir die Plätze innerhalb kürzester Zeit noch gebührenfrei stornieren. Und: Es gab tatsächlich noch einen Flug nach Zürich, um 21 Uhr. Online wies der aber nur noch zwei Plätze in der Business-Class auf. Wir hofften, jemanden zu finden, der uns vielleicht noch reinschmuggeln würde, aber auch hier galt die Regel: Mitarbeiter der Edelweiss würden frühestens zwei Stunden vor dem Flug auftauchen, bis dahin blieb uns nur warten übrig. Wir gönnten uns also ein Abendessen und beschlossen das weitere Vorgehen: Linda buchte einen Flug ab Split am Montagabend und ich schloss mich ihr an. Eine Zweistädtereise an einem Wochenende? Warum nicht. Rebecca und Nina buchten die Business-Class-Tickets und Lucia pokerte, in der Hoffnung auf No-Shows oder eine andere Möglichkeit, das Flugzeug um 21 Uhr zu boarden.

Linda und ich machten uns schon einmal auf den Weg in die Stadt. Mit einem Bus. Der plötzlich an einem ziemlich verlassenen Mini-Bahnhof hielt und der Fahrer auf die Gleise zeigte und einfach nur «Der Bus hält hier, nehmen Sie den Zug» sagte. Oder eher: «Tren. You take tren. 20 minutes. Go! GO!» Ausnahmslos alle Buspassagiere schauten verwirrt. Wir wussten auch nicht, ob der Zug in 20 Minuten losfahren würde oder 20 Minuten ins Zentrum hatte… Aber nun gut, warum nicht. Dann hatten wir heute einmal (fast) alle motorisierten Fortbewegungsarten durchgemacht – ausser das Flugzeug. Das einzige, das wir wirklich wollten.

Linda und ich hatten uns unterdessen damit abgefunden, einen Tag festzusitzen und feierten sogar die Zugfahrt in der kleinen Zugkomposition. Am Zielbahnhof angekommen, suchten wir WLAN und buchten ein Zimmer für drei Leute – die Spannung hat hier ein Ende: Vor Lucia warteten noch vier weitere Leute auf No-Shows, sie würde also in Kürze zu uns stossen und dann ebenfalls am Montagabend fliegen.

Wir genossen unsere Zeit in Split: gutes Essen, Cocktails in einer Rooftop-Bar, Gratis-Städtetour, Shopping, nettes Airbnb… Und tatsächlich boardeten wir am Montagabend den Flieger nach Zürich. Wuhu!

Danke euch, Chicas, für ein abenteuerreiches, tolles Wochenende!

Übrigens: Natürlich versuchten wir von Adria noch Geld zurückzukriegen über das Online-Formular für solche Angelegenheiten. Schliesslich hatten wir einiges an Mehrkosten tragen müssen und mindestens das Geld für den nicht durchgeführten Flug wollten wir zurückhaben. Unterdessen, etwa acht Wochen nach dem Flug, hat die Adria Airways allerdings Konkurs angemeldet und somit kann uns auch keine Versicherung mehr helfen, das Geld zurückzukriegen. Bye bye money…

Shadowhunters-Convention

Fan sein will gelernt sein

Der wahre Grund, warum ich nicht länger als Mitte Juli in Südamerika bleiben konnte? Ich hatte im Herbst meinen Hormonen nachgegeben und Tickets für eine Shadowhunters-Convention gekauft. (Shadowhunters ist eine Fantasy-Serie basierend auf einer Buchreihe von Cassandra Clare – den Rest überlasse ich Google.) An dieser Convention in Mailand (es gibt auch welche in Paris, Brüssel, London, …) sollten einige der Schauspieler der Serie anwesend sein: Fragen beantworten, Autogramme schreiben, für Fotos posieren.

Zu Dritt machten wir uns also auf zur Convention und – obwohl ich mich ursprünglich doch ein bisschen schämte, in meinem Alter an eine Veranstaltung zu gehen, die wahrscheinlich nur kreischende Teenager anlockt – fühlte mich bald ziemlich normal. Nein, eigentlich schlecht. Wie ein richtig miserabler Fan.

Für diese Conventions gibt es unterschiedliche Pässe. Wir hatten einen Mittelklasse-Pass, den Vampire-Pass. Das heisst, beim Anstehen für Autogramme oder Fotos durften wir die Werwolf-Pass- und die Tagespass-Besitzer überholen. Standen wir dann zuvorderst in der Schlange, wurden wir aber garantiert von Menschen mit (unbezahlbaren) Warlock-, VIP- oder Super-VIP-Pässen überholt.

Während wir uns irgendwie schlecht fühlten, wenn wir Leute überholten, die schon lange anzustehen schienen, hatten wir das Gefühl, dass die Passbesitzer mit teureren Pässen das Überholen richtig genossen, uns zur Seite schoben oder auch abwertend mit einem «ach so, nur ein Vampire» bedachten. Man fängt schon fast an, sich schlecht zu fühlen, dass man selber nicht so viel für seine «Lieblinge» ausgegeben hat. Natürlich hatten wir, zusätzlich zu den im Pass inkludierten Autogrammen und Fotos, auch noch Geld ausgegeben, aber insgesamt sicher weniger, als wir für einen der teureren Pässe hätten hinblättern müssen.

Obwohl ich mich das ganze Wochenende nicht wirklich mit der Fanhierarchie abfinden konnte, gab es einige grossartige Erlebnisse. Einige davon versuche ich unten so wirklichkeitsliebend wie möglich zu beschreiben.

Adam und die Eifersucht

Wir trafen Adam, einen Influencer, der den Serien-Junkies vielleicht bekannt ist als abnormallyadam. Adam ist aus Australien und macht Reaction-Videos zu Episoden diverser Serien und ist ein wahnsinnig herzlicher und umgänglicher Mensch. Als Influencer erlebt Adam leider auch die Schattenseiten der Anonymität im Internet: Ihm wurde auf Twitter sehr viel Hass entgegengebracht, weil er auf einer Convention Interviews mit den Schauspielern führen durfte, bei den Fotosessions dabei war und auch sonst mitarbeiten konnte. (Dies alles, weil die Veranstalter ihn cool fanden und dabei haben wollten.) Die daraus resultierende Eifersucht einiger Fans führte zu bösen Posts und so weit, dass sogar alte Posts von ihm gesucht wurden, um zu «beweisen», dass er eigentlich kein guter Mensch ist. Ironie?

Ich freue mich zumindest sehr, ihn kennengelernt zu haben und hoffe, er kann trotz all dem Hass, seine Fröhlichkeit beibehalten. Fame is a bitch.

Dom Sherwood und Alex Kinsey

Obwohl ich schon ziemlich aufgeregt war, Schauspieler wie Dom Sherwood oder Harry Shum Jr. zu treffen, begeisterte mich die überraschende Anwesenheit von Alex Kinsey fast mehr. Alex ist in Europa nicht wirklich bekannt, gewann aber mit Sierra 2013 X-Factor in Amerika und brachte vor kurzem seine erste Solo-EP «Party of One» auf den Markt, die mich schwer begeistert (vor allem die sexy Single «Hot Mess» – hört rein!). Er ist ein guter Freund von Dom und begleitete diesen sowohl zu Autogramm- als auch zu Fotosessions. KREISCH! Als Monika und ich am Sonntag unsere Fotos mit Dom machten, fragte sie Alex, ob er ein Selfie mit uns schiessen würde. Er war dabei, wollte aber noch warten, bis Dom mit den Fotos fertig war. Dom kriegte das Gespräch mit und lud uns kurzerhand ein, ein Foto mit der Convention-Kamera zu schiessen. Die Staff war in heller Aufruhr, weil wir a) die anstehenden Leute aufhielten (Tschuldigung!) und b) nicht für das Foto bezahlt hatten (ohjemine). Dom erklärte den Mitarbeitenden, dass es ein Geschenk von ihm an uns sei, und wir hyperaktivierten davon, bevor uns jemand eine Rechnung unter die Nase halten konnte. Während der ganzen Convention kamen ab und zu unsere inneren Teenager durch (ohne Kreischen und Heulen), aber es war nie so übel wie nach diesem Gratisfoto. Während ich nicht aufhören konnte zu quatschen, brillierte Monika im grossen Schweigen. Ihre Nervosität äusserte sich in einem zombieartigen Überlebensmodus: Sie sagte kein Wort, verzog keine Miene und erst als ich sie fragte, ob sie das Erlebte nicht nervös gemacht hätte, zeigte sie mir stillschweigend ihre zittrigen Hände. Zum Glück. Sonst hätte ich annehmen müssen, sie sei «dead, dead, dead».

Alex, yours truly, Monika, Dom, KREISCH!

Luke Baines und die Afterparty

Am Sonntagabend ging es auf zur Afterparty im Club B38 mit den Schauspielern. Das heisst: Es wurden Lounges mit je neun Personen eingerichtet und die Schauspieler wechselten für eine Stunde von Tisch zu Tisch. Jeweils für fünf Minuten durften wir sie mit Fragen löchern – die Mitarbeitenden von KineticVibe standen mit Timern immer bereit die Gesprächsrunden abzubrechen, wobei sich sogar die Schauspieler wehrten, wenn die Zeit zu ungenau gemessen wurde: Tessa Mossey zum Beispiel wurde wieder aufgescheucht, kaum hatte sie sich gesetzt, und blieb demonstrativ noch etwas bei uns sitzen.

Nach der ungefähren Stunde Red-und-Antwort-Stehen der Schauspieler merkten wir dann, warum die Mitarbeitenden so gestresst waren: Die anschliessende Party war nicht nur für Convention-Besucherinnen, sondern für das gesamte Partyvolk, das Eintritt bezahlen wollte. So mussten die Lounges weg und der Platz für die Tanzenden freigeräumt werden. Diese Nicht-Eingeweihten fragten sich wohl auch, warum alle Blicke von der Tanzfläche aus auf die Galerie gerichtet waren (da, wo Schauspieler und Crew feierten), sich die Leute auf der Galerie Tanzbattles lieferten und sich jedesmal eine Traube bildete, wenn sich jemand (zum Beispiel Anna Hopkins und Nicola Correia-Damude) auf die Tanzfläche des Pöbels bewegte.

Was in unserem Partypreis von 70 Euro (Party-Eintritt, ein Gratisdrink und eine Stunde schwatzen), leider nicht inbegriffen war, waren saubere Toiletten. Ich hätte es wissen müssen. Mailand kennt das Konzept von sauberen Toiletten nicht. Schon bevor die Party losging, watete man durch Flüssigkeiten und Papierfetzen, Türen sind sowieso Mangelware. Wir standen also alle bei der rollstuhlgängigen Toilette an, weil diese die sauberste war, da kam Luke Baines um die Ecke und wunderete sich, weil die Toiletten hinter der Schlange unbesetzt waren. Er ging rein, kam wieder raus: «Okay, das ist wirklich eklig, aber ich werde es überleben. Falls ihr einen Knall hört, bin ich ohnmächtig geworden, bitte helft mir.» Als er wieder raus kam, meinte er: «Es ist möglich. Es ist wirklich eklig, sich hinzusetzen ist natürlich nicht zu empfehlen. Aber ihr schafft das. Stellt euch vor, es sei ein Festival…» WC-Talk mit Luke Baines? Gerne wieder!

Und dann war(en) da noch…

Doms Reaktion auf Monikas Geschenk (es Bärner Müntschi): Er hat das Bier noch nicht einmal richtig in der Hand, als er es bereits mit einem lauten Plopp und dem folgenden Kommentar öffnet: «Ich habe nicht einmal meine Vorsätze gebrochen, es ist 10 nach 12.» – Alex: «Die Regel ist: kein Bier vor 12. Er hält sich immer dran. Ausser es ist Wochenende, oder er ist mit mir unterwegs, oder…»

Der KineticVibe-Mitarbeiter, der uns erklärt, dass VIP- bis Vampire-Pass-Besitzer links und Werwolf- und Tagespassbesitzer rechts anstehen sollen und drei Sekunden später alle anschreit, wir sollen gefälligst den Gang links freihalten (und somit alle rechts anstehen), ob wir ihm denn nicht zugehört hätten.

Die Eltern, die den ganzen Tag in der Bar gesessen und auf ihre Töchter (und/oder Söhne?) gewartet haben, die einen Stock höher ihre Lieblinge anschmachteten. (Warum ich das weiss? Wir gönnten uns jeweils ein Nachmittagsbierchen in der besagten Bar…)

Der Moment als Ramonas anfängliche «Warum bin ich eigentlich hier?»-Stimmung zu «OMG! Ich habe ein Foto mit Matthew D’Addario!» und ein paar anderen hyperaktiv in Stitch-Stimme vorgetragenen Liebeserklärungen umschlägt.

Fazit

Alles in Allem war es ein tolles Wochenende – mit viel emotionalem Auf und Ab… Denn, natürlich sind die Schauspieler auch nur Menschen – aber es ist trotzdem speziell, die Leute live zu sehen, die man drei Jahre lang auf dem Bildschirm beobachtet hat, wie sie den Lieblingscharakteren aus den Büchern Leben einhauchen.

Würde ich wieder gehen?

Wohl eher nicht. Zum Einen, ist es wirklich ein sehr teurer Spass, zum Anderen habe ich ja jetzt Fotos und Unterschriften und bin eine Erfahrung reicher… Und irgendwie möchte ich auch nicht noch einmal von einer VIP-Pass-Besitzerin von der Tanzfläche gehüftschwingt werden, während sie sich erbarmungslos den Weg zu den tanzenden Schauspielern bahnt… Aber naja, wer weiss, wann der nächste Hormonschub kommt…

Stitch, ich, Monika (am Milano Latin Festival, das netterweise in der Nähe war)

Credits: Danke an Monika und Ramona für die Blog-Inputs, sonst würde hier nur die Hälfte stehen 😁

Santiago, die zweite

Die meisten haben es unterdessen mitgekriegt: Ich bin bereits seit einigen Wochen wieder zuhause. Wer zudem meinen Instagram-Account kennt, weiss, dass ich nach Rapa Nui eine weitere Woche in Santiago verbracht hatte und – nach meiner Rückkehr – die Beine nicht still halten konnte und in Europa herumgestolpert bin.

Gerade habe ich in meinem Tagebuch geblättert, um die Santiago-Seiten zu finden, musste dabei feststellen, dass ich gegen Ende etwas schreibfaul geworden war und nur Stichworte notiert hatte. Ich bin genauso gespannt wie ihr (falls…), was ich daraus in den folgenden Abschnitten basteln kann.

Nun denn: Nach den ruhigen Tagen auf der Osterinsel war ich im Partymodus. Buchte mich in Santiago also in einem Hostel im Bellavista-Quartier ein – da, wo die Clubs sind. Irgendwann gegen Mitternacht tauchte ich im Hostel auf, legte mich todmüde ins Bett (soviel zum Thema Partymodus) und wartete auf den Schlaf. Dieser wurde alle 0,5 Sekunden vom hämmernden Bass des Clubs nebenan verscheucht – und alle 30 Minuten zusätzlich von den beiden brasilianischen Teenagern (Licht ein – SEHR laute Unterhaltung – Koffer verrücken – Licht aus – Tür zuschlagen). Nachdem die beiden dann gegen 4 Uhr endlich im Bett lagen, hoffte ich, Schlaf zu finden. Genau 1,5 Stunden später klingelte unter mir jedoch bereits wieder der Wecker und die Brasilianerinnen fingen an sich anzuschreien. Mein Portugiesisch ist unterdessen so gut, dass ich heraushörte, dass sie heute die Valle-Nevado-Tour machen würden und sich offenbar anschreien mussten, weil sie sonst wieder eingeschlafen wären… Danke dafür!

Den nächsten Tag verbrachte ich grösstenteils mit Chrissy aus London, die mir erklärte, dass die beiden brasilianischen Chicas diesen Lebensstil schon seit drei Tagen verfolgten, und besuchte mit ihr den Cerro San Cristóbal. Ich war ja vor ein paar Tagen schon einmal da, musste nun aber feststellen, dass der Berg eine ungeahnte Dimension hatte und sich noch einige (Kilo-)Meter in den Nordosten erstreckte. Der perfekte Ort also, um einen Spaziergang oberhalb des Smogs einzulegen. Ich war fast die Einzige, die sich zu Fuss um den Hügel wagte. Trotz angenehmer Temperaturen versteckten sich wohl die meisten in ihren vier Wänden – oder fuhren Seilbahn, wie Chrissy. Da Seilbahnen für mich ich als Schweizerin eher zu den normalen Fortbewegungsmitteln gehören, verbrannte ich lieber ein paar Kalorien als Pesos.

Cerro San Cristóbal

Aufgrund des Schlafmangels und weil mir bewusst wurde, dass meine Zeit in Südamerika bald vorbei war, war meine Partylaune irgendwie doch schon wieder verflogen… Zurück im Hostel entdeckte ich allerdings ein Schild, das auf Barbetrieb und gratis Drinks ab 23 Uhr hinwies… Nun ja, wenn ich mich nicht zum Hostel raus bewegen musste, dann konnte man sich ja einen Gratisdrink gönnen. Ein paar Stunden später war die Frustration dann doch relativ gross, als Ionut aus Rumänien, der die gleiche Strategie wie ich verfolgte, und ich kurz vor 23 Uhr von Joaquin, einem Schweizer mit argentinischen Wurzeln, aufgeklärt wurden, dass die Partypeople sich um 23 Uhr beim Empfang treffen und dann zusammen ausgehen würden – nix mit Inhouse-Barbetrieb. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Es war fünf vor elf. Ich trug definitiv keine Clubkleidung und war auch viel zu faul, um irgendwohin zu fahren. Wir kauften uns also Bier beim Empfang und veranstalteten im Innenhof des Hostels eine kleine Privatparty, die damit endete, dass ich mich verpflichtete am nächsten Tag mit Joaquin eine Städtetour zu besuchen. Ich gebe zu, es beunruhigte meine südamerikanische Seele ziemlich, dass ich bereits um 9.30 Uhr bereit sein musste. Ich fühlte mich schon seit Wochen nicht mehr bereit vor 10 Uhr zu frühstücken…

Tatsächlich schaffte ich es am nächsten Morgen pünktlich aus der Heia (und es hatte sich gelohnt). Wir nahmen an der gratis Städtetour Tours4Tips teil, die von als Waldo verkleideten Personen durchgeführt wurden. (Ihr wisst schon, der mit dem rot-weiss-gestreiften Pullover, den man nie findet.) Es erstaunte mich selbst, dass ich es in den drei Monaten in Südamerika kein einziges Mal geschafft hatte, eine solche Tour mitzumachen.

Zu Beginn wurden uns die wichtigsten Fakten über Chile näher gebracht. Zum Beispiel, dass es in Chile pro Tag im Schnitt zehn Erdbeben gibt.
– Was macht man, wenn man ein Erdbeben spürt?
– Unter Tische kriechen oder sich in Türrahmen stellen.
– Alles korrekt. Aber was ist noch viel wichtiger? Richtig! Darauf achten, was die Chilenen machen. Schliesslich sind diese sich an Erdbeben gewöhnt. Und was machen die Chilenen? Meistens nichts. Ausser den Wein und den Fernseher festhalten. Der Landesname kommt schliesslich von «chill». Nach dem Erdbeben gibt es dann Alkohol. Und zwar den Terremoto-Drink, der auf jeder Cocktail-Karte zu finden ist. («Terremoto» heisst Erdbeben.)
Bereits während den Nachbeben würden die Chilenen Terremotos trinken und das vergangene Erdbeben feiern – so erzählte man uns. Ob es der Wahrheit entspricht?

Beim Fischmarkt (Mercado Central) lernten wir, dass das grosse pavillonartige Gebäude bestehend aus Eisenverstrebungen und kleinen Fensterchen in Glasgow angefertigt und dann nach Santiago transportiert worden war – und dies noch bevor es Strom gab; die Lampen wurden erst nachträglich angebracht. Wir kriegten ein paar Restaurant- und Lebenstipps: Für einen Heiratsantrag sei es besonders beliebt, eine wahnsinnig teure antarktische Königskrabbe zu bestellen und den Ring an ein Bein zu stecken (Wahrheitsgehalt auch hier nicht überprüfbar).

Mercado Central

Weiter ging es zu den La-Vega-Märkten, dafür mussten wir den Mapocho-Fluss überqueren. Unser Waldo kontrollierte, ob wir bereit waren für die Flussüberquerung. Alle, die den Rucksack noch auf dem Rücken trugen, waren offenbar nicht bereit. Denn während es auf der Westseite des Flusses relativ europäisch zu und her ging, war auf der Ostseite ein Gedränge und Einiges an Kleinkriminalität zu erwarten. Bis auf mich überlebten den Besuch in den einheimischen Markthallen alle gut. Allerdings wurde ich nicht Opfer der Kleinkriminalität sondern schlicht meiner Tollpatschigkeit: Da war dieser halbhohe Pfosten. Unsichtbar zwischen all den Menschenbeinen. Den traf ich. Mit erstaunlicher Genauigkeit. Der 15 × 15 Zentimeter grosse blaue Fleck (und die entsprechenden Schmerzen), den ich mir dabei zufügte, wurde ich erst vor ein paar Tagen gänzlich wieder los… Eine schöne Erinnerung…

Unser letzter Stop war der Cementerio Generale de Chile. Auf einer Fläche von 86 Hektaren (oder in Südamerikanisch: 212 Fussballfelder) ruhen gut zwei Millionen Menschen, inklusive die meisten Präsidenten Chiles und einige berühmte Künstler. Ein Grab, das besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist dasjenige von Carmencita. Es ist rundherum geschmückt mit kleinen Wunsch- und Dankestafeln sowie Plüschtieren, Kunstblumen und anderen Geschenken. Carmens Grab ist eine «animita», eine heilige Gedenkstätte, die von Menschen, die glauben, dass Carmens Seele ihnen hilft, verehrt wird. Es gibt hunderte solcher Gedenkstätten, doch Carmencita hat eine besondere Geschichte, respektive zwei. Die eine besagt, dass Carmen ein 9-jähriges-Mädchen gewesen sein soll, das vergewaltigt und ermordet wurde. Die zweite – offenbar die wahre – Geschichte sei allerdings, dass Carmen eine junge (nicht so unschuldige) Frau war, die sich auf dem Friedhof, auf der Stelle ihres Grabes, umgebracht hatte, nachdem ihre Eltern ihr die Liebschaft mit einem Jungen verboten hatten. Gemäss unserem Waldo würde diese zweite Geschichte ab und zu auch auf einem Zettel an ihrem Grab hängen, doch die Carmencita-Anhänger würden diesen jeweils wieder entfernen. Und wieder ein Abschnitt, der damit endet, dass wir nicht wissen, welche der Geschichten der Wahrheit entspricht. Vielleicht keine?

Carmencita

Zum Abschluss der Tour ging ich mit Joaquin und Delicia, die wir auf der Tour kennengelernt hatten, in ein Restaurant im Fischmarkt. Wir teilten uns eine Spezialität (leider weiss ich den spanischen Namen nicht mehr): Hummerfleisch mit Käse. Also eigentlich eine Art Fondue (allerdings sehr fettiges und nicht so cremig) mit Hummerstückchen. Zum Glück hatten wir dies nur geteilt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so ein Gericht alleine verspeisen kann, sogar als laktosetoleranter Mensch muss man davon Krämpfe kriegen.

Meine restlichen Tage in Santiago sind leider nicht weiter erzählenswert, bis auf den Besuch im Museum der Erinnerung und der Menschenrechte. Mit einem Audioguide kann man hier gut einen halben Tag verbringen. Die ganze Geschichte Chiles wird detailliert dargestellt und auch ein Einblick in die weltweiten Menschenrechtsverletzungen gegeben. Wer wie ich sehr gerechtigkeitsliebend ist, hat einen schweren Stand, das Museum zu besuchen ohne ein paar Tränen zu verdrücken.

Der Heimflug verlief problemlos. Zumindest nachdem ich mein Handy nach zwei Stunden panischem Suchen zwischen den Füssen eines Mitfliegers zwei Reihen weiter hinten wieder fand… Was mich ein bisschen quälte, war, dass ich meiner besten Freundin Michèle erzählt hatte, dass ich erst am 5. Juli wieder Schweizer Boden berühren würde und ihr somit vom 23. Juni bis zu meinem Überraschungsbesuch an ihrem Geburtstag am 27. Juni aus dem Weg gehen musste… Sie war allerdings so mit der Angst alt zu werden beschäftigt, dass sie tatsächlich keine Ahnung davon hatte, dass ich bereits gelandet war. Gut für mich. So reichte meine unscharfe Warnung «Ich bin ein paar Tage in den Bergen und habe wahrscheinlich keinen Empfang» und ich musste mir keine genaueren Pläne ausdenken…

Normal.

Willkommen zuhause, Anna… ;o)

P.-S.: Auch wenn der Blog etwas seltener gefüttert wird als bisher, werde ich versuchen, ab und zu ein paar Posts zu veröffentlichen.